Schülerlehrer unterrichten Senioren bereits an 13 Standorten

Erfolgsprojekt „Jung lehrt Alt“ feiert zehnten Geburtstag und wächst weiter

Eine Erfolgsgeschichte mit vielen Beteiligten: JuleA-Initiator Wolfgang Rochna mit dem Mispelbaum umringt von Ehrengästen und Beteiligten. Foto: Rebecca Weber

Arnsberg/Hochsauerland. Jung lehrt Alt – geht das überhaupt? „Ja“, meint Wolfgang Rochna, Gründer von „JuleA“ (Jung lehrt Alt). Das Ehrenamtsprojekt, bei dem Schüler Senioren in PC- und Smartphonekunde sowie Situationsenglisch unterrichten, feierte in dieser Woche zehnten Geburtstag. Initiator Wolfgang Rochna blickte dabei mit Ehrengästen und Beteiligten auf erfolgreiche Jahre zurück.

„Damals hatte ich ein Problem mit meinem PC, dazu stand keine Lösung im Handbuch, da habe ich mir Gedanken gemacht, wie man das lösen könnte“, erzählte Wolfgang Rochna bei der Feierstunde im Bürgerzentrum Bahnhof Arnsberg, „und aus dieser Idee ist dann JuleA entstanden.“ 

Bisher haben über 4300 Schülerlehrer und Seniorschüler an 13 Standorten daran teilgenommen. „Uns war von Anfang an klar, dass wir keinen Frontalunterricht wie in der Schule anbieten wollen, darum haben wir uns für das ‘1:1 Prinzip’ entschieden, heißt, jeder Seniorschüler hat seinen eigenen Schülerlehrer an der Seite“, erklärte Wolfgang Rochna weiter. Die Schüler erhalten am Ende ein Ehrenamtszertifikat, welches sie auch für ihre Bewerbung nutzen können. 

Mit seinem Rückblick verband Wolfgang Rochna den Dank an alle Beteiligten, darunter besonders Charlotte Kätsch, Ingrid Schmidt und Jens Festersen, die das Projekt zwischenzeitlich betreut hatten und die Sparkasse Arnsberg-Sundern, die das Projekt von Beginn an finanziell unterstützt. Zahlreiche Redner überbrachten im Anschluss Glückwünsche. Bürgermeister Ralf-Paul Bittner nannte JuleA „ein Erfolgsprojekt“ und meinte, es sei wichtig, Voraussetzungen zu schaffen, damit Projekte wie diese in Arnsberg als „Stadt des lebenslangen Lernens“ erfolgreich seien. Daher sagte er JuleA auch künftig die Unterstützung der Verwaltung zu. 

„JuleA“ ist auch Alt lehrt Jung 

Initiator und Motor: Wolfgang Rochna

Die ehemalige stellvertretende Bürgermeisterin Rosemarie Goldner, die selbst an JuleA teilgenommen hatte, berichtete von ihren eigenen Erfahrungen und Eindrücken. Für sie sei das Projekt nicht nur Jung lehrt Alt, sondern auch Alt lehrt Jung, sagte sie mit Blick auf die „Sekundärtugenden“ wie beispielsweise gegenseitigen Respekt und Geduld. 

Thomas Mono, Schulleiter der Städtischen Realschule Arnsberg die seit Beginn dabei ist, gab zu, dass er am Anfang skeptisch gewesen sei, ob Schüler dieses Alters ganz ohne Lehrpläne Senioren unterrichten könnten: „Meine Zweifel waren aber völlig unbegründet, wie ich sehr schnell merkte.“ Neben der Informationsvermittlung sei der Abbau von gegenseitigen Vorurteilen der Generationen wohl der bedeutendste Verdienst von JuleA, so Mono. 

Dass das Ehrenamtszertifikat bei der Suche nach einem Ausbildungsplatz hilfreich sein kann erläuterte Sebastian Rocholl vom Ausbildungsmanagement der Industrie- und Handelskammer Arnsberg, denn es sei ein Beweis der Kompetenzen, die man im Anschreiben angibt. Weitere Glückwünsche zum zehnten Geburtstag kamen von Landrat Dr. Karl Schneider, Petra Vorwerk-Rosendahl, Leitung der Geschäftsstelle Engagementförderung, der Sparkasse Arnsberg-Sundern als Sponsor der ersten Stunde sowie der NRW-Staatskanzlei, die die Ehrenamtszertifikate ausstellt. 

Zum Abschluss der Feierstunde erhielten die Schulleiter der Sekundarschule am Eichholz in Arnsberg und der Agnes-Wenke-Schule in Neheim, an denen das Projekt in diesem Jahr zum ersten Mal stattfindet, je einen Scheck und das offizielle JuleA-Schild. Was wäre ein Geburtstag ohne Geschenke: So überreichten die Vertreter des Gymnasiums Recklinghausen einen Mispelbaum an Wolfgang Rochna, der ihn direkt an Bürgermeister Bittner weitergab, um ihn an einem „öffentlichkeitswirksamen Platz“ im Stadtgebiet zu pflanzen.

JuleA in Zahlen

- JuleA gibt es bislang an 13 Standorten, davon sieben im Hochsauerlandkreis. Weitere sind in Planung.
- Bisher haben 4367 Schülerlehrer und Seniorschüler teilgenommen.
- Die älteste Teilnehmerin bisher war eine 92-Jährige in einem Smartphone-Kurs.
- Sieben teils deutschlandweite Preise hat das Projekt in den vergangenen zehn Jahren erhalten, darunter auch der Deutsche Engagementpreis.

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