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Erhöhte Radonwerte: Messungen in Arnsberg und Sundern sollen weitere Erkenntnisse liefern

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Von: Daniela Weber

Radon Messdose Ministerium NRW
Wer die Radonwerte in seinem Haus ermitteln möchte, kann beim Ministerium kostenlos eine Radon-Messdose erhalten. © MAGS

In einigen Landesteilen Nordrhein-Westfalens gibt es erhöhte Radonwerte, so auch in Arnsberg und Sundern. Bürger können jetzt an einer vorsorglichen Maßnahme teilnehmen.

Arnsberg/Sundern - Um ein gesichertes Bild über das Vorkommen von Radon zu erhalten startet das Ministerium für Arbeit, Gesundheit und Soziales des Landes Nordrhein-Westfalen (MAGS) in Zusammenarbeit mit der Zentralen Radonstelle NRW am Landesinstitut für Arbeitsgestaltung (LIA.nrw) ein Messprogramm.

Radon ist ein radioaktives Edelgas und entsteht auf natürliche Weise. Dass es laut geologischer Messungen in einigen Gemeinden erhöhte Werte gebe, sei kein Grund zur Panik, sagen die Experten: „Man muss nicht sofort in Angst verfallen. Radon ist etwas, mit dem die Menschheit von Anbeginn an lebt. Es kommt überall vor“, versichert Sven Kretschmer vom MAGS.

So kann es zu Risiken kommen

Zu Risiken für die Gesundheit kann es jedoch kommen, wenn das Radon vom Boden in Häuser gelangt. Das geschieht durch Risse im Fundament, durch Fugen im Kellerboden oder auch durch undichte Kabel- und Rohrdurchführungen. „Wenn dann Räume im Keller- oder Erdgeschoss schlecht belüftet sind, verstärkt dies die Ausbreitung von Radon in der Raumluft“, erklärt Michael Seidlitz vom LIA.nrw. Wer Radon einatme, habe jedoch erst einmal nichts zu befürchten: „Es wird als Gas eingeatmet und mit dem nächsten Atemzug wieder ausgeatmet.“ Bedenklicher seien die Zerfallsprodukte von Radon, die sich in der Lunge ablagern und das Lungengewebe schädigen können. Dies erhöhe das Risiko für Lungenkrebs. „Dafür muss man aber wirklich permanent über Jahre hinweg einer zu hohen Radonbelastung ausgesetzt sein“, betont Seidlitz.

Für Aufenthaltsräume und Arbeitsplätze gilt laut Strahlenschutzgesetz ein Referenzwert von 300 Becquerel Radon pro Kubikmeter Luft. Im Süden Arnsbergs und im nördlichen und mittleren Teil Sunderns seien laut Berechnungen Überschreitungen dieses Wertes zu erwarten.

Auf ein bestimmtes Gestein zurückzuführen

Erst wenn der Referenzwert in mindestens 75 Prozent der Gemeindefläche und zehn Prozent aller Gebäude überschritten wird, weist NRW die Gemeinde als Radonvorsorgegebiete aus und leitet Maßnahmen ein. „Die hohen Radonwerte in Teilen Arnsbergs und Sunderns sind auf ein bestimmtes Gestein zurückzuführen und lokal eingrenzbar. Es sind demnach weniger als 75 Prozent der Gemeindefläche betroffen“, betont Sven Kretschmer.

Dennoch möchte das Gesundheitsministerium nun Maßnahmen ergreifen und bittet dabei um die Mithilfe der Bevölkerung. Eine „Vorsorgemaßnahme“, die maximale Transparenz in puncto Radon ermöglicht: Erneute geologische Untersuchungen sollen weitere Erkenntnisse bringen. 2021 sollen diese zunächst in den auffälligen Gebieten stattfinden. Das „A und O“ seien jedoch Innenraummessungen. „Um wirklich zu wissen, was in meinem Haus ist, muss ich in meinem Haus messen. Das ist die zentrale Botschaft.“

Kostenlose Raumluftmessungen

Dafür bietet das Ministerium kostenlose Raumluftmessungen an. Wer wissen will, wie hoch die Radonkonzentration in seinen eigenen vier Wänden ist, ist eingeladen, an dem Programm teilzunehmen. Insgesamt zwölf Monate muss die Messdose im Haus platziert werden: „Die Menge an Radon, die vom Boden eindringt, ist nicht konstant und variiert je nach Witterungsverhältnissen. Im Sommer muss man mit einem unterschätzen Wert und im Winter mit einem überschätzten Wert rechnen“, begründet Kretschmer den langen Zeitraum. Nach Ablauf des Jahres werden die Ergebnisse von der Zentralen Radonstelle NRW ausgewertet und mitgeteilt.

Um ein möglichst genaues Bild zu erhalten, hoffen die Experten auf eine hohe Resonanz. „Es ist eine große Chance, die bisher erhaltenen Werte zu entkräftigen“, ermutigte Arnsbergs Bürgermeister Ralf Paul Bittner abschließend zur Teilnahme.

Hintergrund zu Radon und Messprogramm

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