Vorarbeiten für Rückbau laufen

Erkundungsbohrungen an der Altablagerung „Am Lattenberg“ sollen wichtige Erkenntnisse liefern

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Die Auswertung der Bohrkerne bestimmt die nächsten Arbeitsschritte beim Rückbau der Altablagerung Lattenberg

Oeventrop. Nachdem das Land NRW im Jahr 2016 den Rückbau der Altablagerung „Am Lattenberg“ in Oeventrop-Wildshausen beschlossen hatte, laufen dort aktuell Erkundungsbohrungen. Dadurch soll das Gesamtvolumen der Altablagerung festgestellt und das Ablagerungsgebiet präzise eingegrenzt werden. Zwischen 1967 und 1987 wurden in diesem Gebiet Zellstoffreste abgekippt. Die Altablagerung befindet sich in einem latent instabilen Zustand. So sind bereits Massen in der Vergangenheit abgerutscht und haben sich schlammförmig bis fast zur Ruhr bewegt.

Seit Jahren haben Anwohner und Wanderer Sorge, die Altablagerung könnte sich weiterhin negativ auf Mensch und Natur auswirken. Da die Standsicherheit der Altablagerung „Am Lattenberg“ nicht mehr umfassend gewährleistet ist, fürchten die in der Nähe lebenden Menschen auch um ein Abrutschen der Altablagerung. „Zur Überwachung des Untergrunds hat der Landesbetrieb Wald und Holz Nordrhein-Westfalen in Abstimmung mit dem NRW Umweltministerium ein vielschichtiges Alarmsystem geplant und in Betrieb genommen“, erklärt Jürgen Schüssele vom zuständigen Forstamt von Wald und Holz NRW. 

Neben Mess-Sensoren, die kontinuierlich Bewegungen in der Altablagerung aufnehmen, sind drei der Grundwassermessstellen mit Datenloggern ausgestattet und übermitteln permanent Daten. Die Messwerte orientieren sich am aktuellen Wasserlevel, beim höchsten jemals gemessenen Wasserstand wird ein Rotalarm ausgelöst. Dieser Alarm bedeutet jedoch nicht zwingend, dass die Altablagerung abgerutscht ist oder unmittelbar abrutschen wird. Die Gefahr eines Abrutschens ist dann jedoch signifikant gestiegen. Da die Wasserstände aufgrund des langanhaltenden, trockenen Sommers sehr niedrig sind, ist die aktuelle Wahrscheinlichkeit, dass das Erdreich abrutscht, gering, so der Landesbetrieb. 

Sorge um erneutes Abrutschen 

Neben der Sorge um ein erneutes Abrutschen steht jedoch die Befürchtung einer dauerhaften Geruchsbelästigung. „Austretende Gase können zwar zu einer Geruchsbildung führen“, so Dipl.-Ing. Ulrich Klos vom Ingenieurbüro CDM Smith, das für die Planung und Bauüberwachung zuständig ist. Aber das riecht man nur im unmittelbaren Arbeitsbereich. Außerdem werden alle Anstrengungen unternommen unnötige Geruchsbelästigungen zu vermeiden. An Altablagerungen ohne Oberflächenabdichtung, wie Am Lattenberg, kommt es durch Regen und andere Formen des Niederschlags zur Bildung von so genannten Sickerwässern. Um sowohl den Wasserspiegel als auch die Sickerwässer zu „beproben“, werden Am Lattenberg weitere Sickerwassermessstellen in insgesamt 16 Erkundungsbohrungen eingerichtet. 

Die Messstellen bieten eine zusätzliche Entwässerungsoption. Neben den Sickerwässern wird auch das Grundwasser untersucht. Außerhalb der Altablagerung werden daher vier Grundwassermessstellen, sowohl im An- als auch Abstrom, platziert, um die Qualität des Grundwassers laufend zu überprüfen. Aus den Bohrungen werden Boden-, Wasser- sowie Bodenluftproben entnommen und im Labor analysiert. Auf diese Weise lassen sich die chemischen und bodenmechanischen Eigenschaften sowie das Geruchspotential der abgelagerten Stoffe bestimmen. Diese Informationen werden benötigt, um den späteren Rückbau der Altablagerung sachgerecht planen zu können. 

Zunächst wird ein Testfeld errichtet 

Mit den aktuellen Bohrungen geht weder ein Rückbau der Altablagerung „Am Lattenberg“ noch eine Öffnung des Oberbodens einher. Folglich werden auch die abgelagerten Stoffe nicht freigelegt. Auf Basis der Erkundungsbohrungen wird zu einem späteren Zeitpunkt auf dem Gelände zunächst ein Testfeld errichtet, an dem der spätere Rückbau im Kleinformat simuliert werden soll, so der Landesbetrieb weiter. „Dieses Vorgehen zeigt uns nicht nur, wie wir das Deponiematerial am besten abbauen und entsorgen können, sondern auch, wie wir die Geruchsbelästigung für die Anwohner am besten minimieren können. So kann beim Rückbau alles glatt laufen“, sagt Ulrich Klos. Der Abschluss der Erkundungsarbeiten ist für das Jahresende 2018 geplant.

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