"Klimawandel ist ein riesiges Thema"

Der Europaabgeordnete Peter Liese informiert über die Ziele beim Klimaschutz

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Auch im HSK, so wie hier in Meschede, haben die „Fridays for Future“ Demonstrationen Anklang gefunden.

Hochsauerland/Neheim. Der Klimawandel ist in aller Munde. Schüler demonstrieren im Rahmen der „Fridays for Future“ Bewegung und die designierte Präsidentin der Europäischen Kommission strebt das ambitionierte Ziel eines „klimaneutralen Kontinents“ an. Wie der Europaabgeordnete Peter Liese die Situation einschätzt und welche Ideen es im Europäischen Parlement gibt, erklärte er nun im Rahmen eines Pressegesprächs.

„Turbulente Wochen“ liegen hinter Peter Liese, der sich mit einer Arbeitsgruppe der Fraktion der Europäischen Volkspartei, EVP, mit den Themen Klimaschutz, Umwelt und Gesundheit beschäftigt hat. „Es war sehr anstrengend. Ich musste oft nach Brüssel. Aber ich denke, es hat sich wirklich gelohnt“ so der südwestfälische Europaabgeordnete. 

Schließlich sei der Klimaschutz ein Thema, dass in aller Munde sei, auch hier im Hochsauerlandkreis, wo die Trockenheit und der Borkenkäfer die Hauptprobleme darstellten. Zuletzt kam Liese oft mit jungen Menschen aus der Region ins Gespräch. Neben einer Veranstaltung am St. Ursula Gymnasium in Neheim war er auch in Lüdenscheid, wo er sich auf Einladung den „Fridays for Future“-Demonstranten angeschlossen hat.

„Ich habe natürlich nicht gesagt, dass ich es gut finde, dass die Schüler die Schule schwänzen. Aber ich finde es gut, dass sie sich für den Klimaschutz einsetzen. Natürlich kann man sich auch außerhalb der Schule engagieren“, gab Peter Liese zu Bedenken. Besonders beeindruckt habe ihn dabei, dass junge Menschen auch ihre Eltern und Großeltern für mehr Klimaschutz motivieren möchten.

Klimaschutz mit zentraler Rolle

„Der Klimawandel und seine Folgen sind ein riesiges Thema im HSK.“ So gebe es Wellenbewegungen, also Themen, die für einen gewissen Zeitraum brisant seien, aber dann schnell wieder abflachten. Das treffe auf den Klimawandel jedoch nicht zu. Für Liese stellt dieser ein „ernsthaftes Problem da“, nicht zuletzt wegen der Trockenheit und der Borkenkäfer. „Die Schäden werden jeden Tag schlimmer. Der trockene Sommer des letzten Jahres wirkt definitiv noch nach.“

Auf europäischer Ebene gebe es für diese Problematik allerdings aktuell keine Unterstützung. „Wenn jemand eine gute Idee hat, was Europa aktuell tun kann, bin ich dafür sehr offen“, so der Abgeordnete.

Zukünftig komme es vor allem auch darauf an, dass man mit dem Klimawandel besser umzugehen lernt. „Wir können davon ausgehen, dass es solche Sommer wie im vergangenen Jahr nun häufiger geben wird. Wir leben nun mal in Zeiten des Klimawandels.“

Im Europäischen Parlament soll der Klimaschutz eine zentrale Rolle einnehmen. Dass nun mit Ursula von der Leyen eine Deutsche Kommissionschefin wird, bezeichnete er als „Am Ende gute Lösung“. „Anfangs war ich enttäuscht, dass nicht Manfred Weber, für den auch ich Wahlkampf gemacht habe, Präsident der Europäischen Union wird. Aber es ist gut nach 50 Jahren wieder eine Deutsche in dem Amt zu haben, die sich mit der Klimaproblematik in Deutschland bestens auskennt.“ Dass die Nominierung von der Leyens für einen Imageschaden bei den Wählern gesorgt haben könnte, das bestritt Liese nicht. Er stellte jedoch klar, dass es ja vor allem auf die Inhalte ankäme.

Peter Liese, Mitglied des europäischen Parlaments, sprach in Neheim über seine Ideen zum Thema Klimaschutz.


„Mit von der Leyen können wir die Botschaft vermitteln, dass es mehr Klimaschutz geben wird. Und das ist wesentlich wichtiger als der Kopf der vorne steht.“ Konkrete Ziele für die Zukunft gebe es auch bereits, dabei verwies er auf die Rede von der Leyens, die das ambitionierte Ziel geäußert hat, Europa zum ersten „klimaneutralen Kontinent“ zu machen. Außerdem soll das europäische Klimaziel für 2030 deutlich angehoben werden: Statt der bisher geplanten Senkung der Treibhausemissionen um mindestens 40 Prozent, sollen es nun 50 Prozent werden.

Mehr erneuerbare Energien

„Das ist ein riesiger Schritt und er ist natürlich anspruchsvoll, aber ich glaube, dass man das Ziel erreichen kann, ohne unzumutbare Belastung für die Bevölkerung und ohne die Industrie aus Europa zu vertreiben“, so Liese. Man müsse den Klimaschutz so gestalten, dass man die Menschen „nicht in den Regen stellt“, bekräftigte er. Dafür müssten unter anderem auch neue Technologien entwickelt werden. „Bei uns in Südwestfalen gibt es viele Industrien , die viel Energie benötigen. Es kommt also darauf an, dass Techniken entwickelt werden, mit denen man klimafreundlich produzieren kann.“

Besonders wichtig sei auch den Luft- und Seeverkehr mehr am Klimaschutz zu beteiligen. „Bahn fahren soll auf jeden Fall günstiger werden. Es kann ja nicht sein, dass es für eine Familie aus dem Ruhrgebiet finanziell attraktiver ist nach Mallorca zu fliegen als mit der Bahn ins Sauerland zu fahren.“ So soll es eine Umverteilung geben, die dazu führt, dass die Gelder, die zusätzlich durch den Flugverkehr eingenommen werden, in die öffentlichen Verkehrsmittel fließen.

Generell sei es auch notwendig mehr auf erneuerbare Energien zu setzen, dabei soll aber kein Ort im Sauerland „von Windrädern umzingelt werden“. Vielmehr gehe es darum vorhandene durch effizientere Windräder auszutauschen. „Man kann nicht jeden Hügel mit Windkraft versehen“, so Peter Liese, der abschließend vor allem hofft, dass es zukünftig mehr europäische als nationale Ansätze geben wird.

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