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Ex-Finanzminister Theo Waigel beeindruckt bei „Volksbank Dialog“

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Von: Christian Weber

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Der Vorstand der Volksbank Sauerland begrüßte den ehemaligen Bundesfinanzminister Theo Waigel zum „Volksbank Dialog 2016“ im Sauerlandtheater. © Christian Weber

Arnsberg/Hochsauerland. Ein beeindruckendes Plädoyer für die europäische Gemeinschaft, für den Euro und für die Rolle von Deutschland in diesem zusammenhängenden Konstrukt hielt der ehemalige Bundesfinanzminister Dr. Theo Waigel in dieser Woche beim „Volksbank Dialog 2016“ im Arnsberger Sauerlandtheater vor Kunden und Mitgliedern der Genossenschaftsbank.

Waigel nahm sein Auditorium unter dem Thema „Europa in der Krise – Herausforderungen an die Finanz- und Wirtschaftspolitik“ mit auf eine facettenreiche Reise durch die politische Geschichte Europas – von der Fiskalpolitik über die Deutsche Einheit bis hin zu aktuellen Entwicklungen wie der Flüchtlingsproblematik, der Niedrigzinsphase oder dem „Brexit“. 

Natürlich gebe es und habe es immer Probleme gegeben, doch bei allen Konflikten „geht es uns gut“, so Waigel. Er ging sogar so weit zu sagen: „Ich glaube nicht, dass es uns je noch besser gehen wird als heute.“ Deutschlands solide Wirtschaft sei der Stabilitätsanker in Europa, die Arbeitslosenzahl sei erfreulich niedrig und bei vielen, vor allem jungen Menschen in der EU gilt die Bundesrepublik als das attraktivste Land überhaupt. 

Europa bedeute Frieden und wirtschaftliche Stabilität – das gelte es zu bewahren. Daher tue es gut, mit Optimismus in die Zukunft zu blicken und nicht den vielen Pessimisten, die zurzeit unterwegs seien, Glauben zu schenken. Unter gar keinen Umständen dürften die hasserfüllten Parolen, die zuletzt in Wahlkämpfen und vor allem nahezu unbeherrschbar in den sozialen Medien kursieren, die Oberhand gewinnen. „Dann führen die Verrückten die Blinden“, zitierte er eine Szene aus Shakespeares „King Lear“. 

„Der Euro ist richtig und wichtig“ 

Waigel, der als Namensgeber für unsere heutige Währung „Euro“ gilt, setzte sich an diesem Abend nachhaltig für „seinen“ Euro ein. Ohne die Gemeinschaftswährung hätte Deutschland ein Negativwachstum von 0,5 Prozent pro Jahr und die europäischen Staaten könnten wirtschaftlich nicht annähernd mit dem Dollar und der aufstrebenden chinesischen Währung mithalten. Die Briten würden künftig erleben, was es bedeute, nicht mehr Teil dieser starken Währung zu sein. 

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Mit einem kühlen Sauerländer Bier stieß Volksbank-Vorstand Jürgen Dörner mit Theo Waigel an. © Christian Weber

Diese gelte es zu bewahren, auch wenn es schwer wird: Beispiele für erfolgreiche Konsolidierung seien dabei Spanien, Portugal oder Zypern. Ob es Griechenland schaffe, stehe in den Sternen. Doch zum Schutz der Außengrenzen sei es wichtig, den Griechen zu helfen. Damit war Waigel bei den Flüchtlingen angekommen. Der finanzielle Aufwand sei dabei nicht die Herausforderung, sondern die Integration. Diese müsse gelingen, um eine Spaltung der Gesellschaft zu vermeiden. Dabei blickte er vor allem besorgt auf den Osten Deutschlands, wo zwar die wenigsten Flüchtlinge aufgenommen werden, der Widerstand aber am lautesten und phrasenbehaftet sei. 

Apropos Osten: Waigel, der ein entscheidender Mann bei der Währungs-, Wirtschafts- und Sozialunion der BRD mit der DDR war, bezifferte die Gesamtkosten für die Deutsche Einheit auf 2100 Milliarden Euro. „Wir haben das geleistet und stehen heute trotzdem deutlich besser da als andere in der EU. Darauf sollten wir stolz sein“, so Waigel. 

„Länger arbeiten ist unumgänglich“ 

Zuletzt richtete Waigel den Blick auf die Niedrigzinsphase und die deutsche Fiskalpolitik. Um Stabilität zu gewährleisten sei Vertrauen in bestehende Verträge nötig, der Bürokratismus müsse auf allen Ebenen abgebaut werden und alle Politiker sollten ihren Kopf hinhalten und nicht immer alles auf Brüssel schieben, so Waigel. 

Das gelte auch für die aktuellen Machthaber: Zwar sprudeln die Steuereinnahmen und die Schulden werden abgebaut, doch die Nachhaltigkeit sei ganz und gar nicht rosig. Die „implizierte Staatsschuld“, also künftige Ausgaben, die zwar schon beschlossen sind, aber in den heutigen Bilanzen noch gar nicht aufgeführt werden, sei zu hoch. Außerdem sei die Investitionsquote zu niedrig. Das gehe direkt zulasten der nachfolgenden Generationen, kritisierte Waigel. 

Um dagegenzusteuern sei es seiner Meinung nach auch unumgänglich, künftig länger arbeiten zu müssen. „Wir leben alle zehn Jahre länger im Schnitt, aber es wachsen nicht genug nach, die das auffangen können“, verdeutlichte Waigel. „Wir leben in der besten aller Zeiten und das sollten wir unseren Kindern übergeben. Das geht nur mit einem starken Deutschland in Europa“, schloss Waigel seinen Vortrag ab.

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