FDP-Bundestagsabgeordneter nimmt Stellung zu aktuellen Themen

Carl-Julius Cronenberg im Sommerinterview: "Deutschland braucht ein Update"

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Den Bogen vom Hochsauerland nach Berlin schlug der FDP-Bundestagsabgeordnete Carl-Julius Cronenberg im Sommerinterview mit dem Kurier.

Hochsauerland/Müschede - „Ich bin nicht sicher, ob die Große Koalition nicht längst in der zweiten Halbzeit ist, und ob wir nicht doch nächstes Jahr schon vorgezogene Neuwahlen bekommen.“ Dieses Fazit zieht der FDP-Bundestagsabgeordnete Carl-Julius Cronenberg in seinem Sommerinterview. Im Gespräch mit dem SauerlandKurier blickt er aber nicht nur auf Berlin, sondern auch auf die Themen, die die Bürger im HSK bewegen.

Der Jamaika-Koalition trauert Cronenberg dabei zwar nicht hinterher, wohl aber den damals anvisierten und in seinen Augen nicht erreichten Zielen (darunter Abschaffung des Solis): „Die Regierungsarbeit wird keinem der drei Ansprüche des Koalitionsvertrages (Wachstum, Zusammenhalt, Europa) gerecht. Die Zeiten, in denen wir eine Regierung ertragen können, die keine Impulse setzt, ist vorbei“, findet Cronenberg deutliche Worte für die Arbeit der Regierungsparteien. 

Vor dem Hintergrund weltweiter Krisenherde (Handelskrieg zwischen USA und China, Unsicherheit in Bezug auf den Brexit) bereite ihm der Blick auf Deutschland Sorgen: „Deutschland muss fit sein, um den Krisen zu begegnen. Aber wir sind nicht fit, wir verwalten nur.“ 

„Die Zeit der Gemütlichkeit ist vorbei, Deutschland braucht ein Update“, macht der Bundestagsabgeordnete deutlich und nennt einige Ansatzpunkte. „Wir brauchen eine Balance zwischen der Entlastung der Leistungsträger, Investitionen in die Zukunft und der sozialen Sicherung für Schwächere und zwar zu gleichen Teilen.“ Dafür sollten seiner Meinung nach zusätzliche Haushaltsmittel eingesetzt werden, die ja vorhanden seien. 

Verkehrsinfrastruktur und neue Mobilitätskonzepte

Darüber hinaus fordert Cronenberg, Mitglied des Ausschusses für Arbeit und Soziales im Bundestag, weitere Investitionen: in Bildung, Straßen und Schienenverkehr sowie digitale Infrastruktur. „5G gehört in die Fläche. So schnell wie möglich müssen nicht 98 Prozent der Haushalte, sondern 98 Prozent der Fläche angeschlossen werden.“ Dabei hat er besonders den ländlichen Raum (zum Beispiel Digitalisierung im Forst oder in der Landwirtschaft) im Blick. 

Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur seien für die Region nicht nur wichtig, um die Wirtschaft anzubinden (Lückenschluss A46, B7n), sondern auch, um das Sauerland attraktiv für junge Leute zu machen. „Der Fach- und Arbeitskräftemangel ist eines der größten Probleme im Wahlkreis. Um junge Leute ins Sauerland zu holen, benötigen wir gute Mobilitätskonzepte. Da könnte eventuell auch die Röhrtalbahn eine Rolle spielen.“ Vor zwei Jahren noch habe er eine Reaktivierung abgelehnt. „Mittlerweile bin ich der Meinung, dass Politik, RLG, Bahn und Bürgerbus an einem runden Tisch die Optionen prüfen sollten.“ Eine Realisierung um jeden Preis solle es jedoch seiner Meinung nach nicht geben. Grundsätzlich spricht sich Carl-Julius Cronenberg für eine Reform des Personenbeförderungsgesetzes aus. „Wir müssen dringend entbürokratisieren und neue Mobilitätskonzepte fördern.“ 

Carl-Julius Cronenberg im Gespräch. (für Vollbild oben rechts klicken)

Die Entbürokratisierung ist ihm in allen Bereichen ein wichtiges Anliegen. Dass dies auch für die Bürger in seinem Wahlkreis von großer Bedeutung ist, hat er während seiner Sommer-Radtour durch den Hochsauerlandkreis aus erster Hand erfahren. Ganz ohne Wahlkampfgedanken im Hintergrund sei er mit den Bürgern in den Dörfern ins Gespräch gekommen. Fach- und Arbeitskräftemangel, Bürokratie, aber auch Infrastruktur und Gesundheitsversorgung seien die Themen gewesen, die ihm die Sauerländer mit auf den Weg nach Berlin gegeben hätten. Für Cronenberg in vielerlei Hinsicht eine gelungene Aktion: „Das war so wohltuend anders. Wenn ich mit dem Rad im HSK unterwegs bin, bin ich nah bei den Menschen. Wenn ich in Berlin bin, bin ich nah an den Paragraphen.“ 

"Verdammt dicke Bretter zu bohren"

Daraus, dass er sich die Arbeit im Bundestag an mancher Stelle anders vorgestellt hat und die Mühlen dort mitunter langsamer mahlen, als man es gerne hätte, macht er keinen Hehl. „Dies sehe ich aber als Herausforderung, nicht als Abschreckung. Es sind alles verdammt dicke Bretter, die da gebohrt werden müssen und viel, viel Arbeit“, lobt er auch das Engagement seiner HSK-Kollegen von CDU und SPD in Berlin. 

Für die zweite Hälfte seiner Legislatur hat er folgende Schwerpunkte im Blick: „Erstens die konsequente Modernisierung von Staat und Sozialversicherung. Ein Sozialstaat, der komplex ist und es immer mehr wird, kann am Ende nicht gerecht sein. Zweitens will ich ein stärkeres Europa. Dazu sollte jeder, Deutschland am besten als Erstes, auf den Tisch legen, wo er Kompromisse eingehen und nationale Politik abgeben kann. Und drittens: ein echter neuer Zusammenhalt für unser Land.“

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