"Medizin für die Seele"

Flauschige Leidenschaft: Julia Schleep aus Holzen besitzt fast 100 Meerschweinchen

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Julia Schleep ist vernarrt in ihre Meerschweinchen: Insgesamt fünf verschiedene Rassen züchtet die Hobbyzüchterin aus Holzen.

Holzen. Wenn man den Garten von Julia Schleep betritt, hört man schon von Weitem ein lautes Quieken aus dem Gartenhaus. Wagt man einen Blick in das Häuschen, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus: Meerschweinchen so weit das Auge reicht. Etwa hundert dieser kleinen, flauschigen Zeitgenossen mit den niedlichen Schlappöhrchen besitzt die 34-jährige Holzenerin. Für dieses Wochenende, 20. und 21. Oktober, lädt sie Meerschweinchenliebhaber und alle, die es werden wollen, zu einer Meerschweinchenbörse in die SGV-Hütte in Holzen ein.

„Ich wollte immer einen Hund haben. Aber das hat meine Mutter mir verboten“, erinnert sich die gelernte Fotomedienlaborantin. Daraufhin habe sie sich dann für ein Meerschweinchen entschieden. „Er hieß Bommel. Ich habe ihn so dressiert wie einen Hund. Er hat Männchen gemacht und andere Tricks. Für Futter machen Meerschweinchen alles“, erklärt die Tierliebhaberin. Damals war sie neun Jahre alt. Bommel war ihre Belohnung zum ersten richtigen Zeugnis in der dritten Klasse. Nachdem ihr erster Liebling gestorben war, kaufte sie sich ein neues Meerschweinchen. „Das war dann tatsächlich tragend. So hatte ich schließlich zwei“, blickt die 34-Jährige zurück. 

Nach ihrem Auszug aus dem Elternhaus zog dann Meerschweinchen Nummer drei bei Julia Schleep ein. „Mit dem Züchten habe ich schließlich so vor zehn Jahren begonnen. Ich war bei einer Meerschweinchenzucht und dort waren auch etwa hundert Tiere. Und ich habe nur gedacht: Ja!“ Allerdings habe sie anfangs nicht über eine solche Dimension nachgedacht. Sie habe das alles in einem kleineren Umfang angehen wollen. „Ich habe immer gesagt, dass bei zwölf Tieren Schluss ist. Ich habe dann aber immer wieder neue Gehege gebaut und so zog ein Meerschweinchen nach dem anderen ein. Nun sind es knapp hundert“, lacht Schleep. 

Anfangs fanden die kleinen Tierchen in Schleeps Wohnung Platz. Dafür habe sie sogar auf Möbel verzichtet. „Die Gehege waren meine Raumteiler. Ich war da auch sehr kreativ. Ich habe zum Beispiel damals aus Holz und Plexiglas eine Burg für meine Tiere gebaut“, erzählt sie stolz. Nachdem die Holzenerin ihren Mann kennengelernt hatte und die Anzahl an Meerschweinchen immer größer wurde, zogen die Tierchen dann in die Gartenhütte. „Man muss pro Tier mit einem halben Quadratmeter Platz rechnen. Auch genug Auslauf sollte gewährleistet sein“, begründet die Tierliebhaberin den großzügigen Ausbau des Gartenhäuschens. Die Meerschweinchen leben dort in reinen Männer-WGs, Mutter-Kind-Zimmern und in ehelichen Schlafzimmern. 

Täglich zwei Stunden Beschäftigung 

„Ein Männchen und ein Weibchen setze ich zusammen in ein Gehege, das die Mindestmaße hat. Nach zehn Wochen haben sie dann hoffentlich Nachwuchs.“ Alle zwei Wochen seien die kleinen Tiere mit den Schlappohren brünstig. „Wenn es nach zehn Wochen noch nicht geklappt hat, dann warte ich auch länger. Das ist alles kein Problem.“ Schleep züchtet ihre Tiere nach Rassestandard. Ein wichtiges Merkmal seien dabei die Schlappöhrchen. „Nach Standards gezüchtete Tiere haben auch eine runde Nase und einen runden Kopf“, erklärt die passionierte Hobbyzüchterin, die insgesamt fünf Rassen züchtet. 

„Ich habe in der Vergangenheit schon viele Preise bei Züchterausstellungen gewonnen,“ erzählt sie stolz. Glatthaar mit kurzem glatten Fell, englische Crested mit einem Wirbel auf dem Kopf, Rosetten mit vielen Wirbeln am Körper, US Teddys mit Plüschfell oder langhaarige Peruaner Meerschweinchen leben in dem Gartenhäuschen in Holzen.

Karotten gehören zu den Lieblingsspeisen der Meerschweinchen.

 

Auf ihre Tiere ist die 34-Jährige sehr stolz und sie liebt ihr Hobby. Ein Hobby, das aber auch viel Zeit und natürlich auch Geld kostet. „Aber wenn ich zum Beispiel reiten würde und ich in den Stall fahren würde, wäre das auch sehr zeitintensiv. Das sage ich auch immer allen, die mich auf meine Leidenschaft ansprechen.“ Täglich zwei Stunden muss Schleep einplanen für das Füttern und Beschäftigen der kleinen putzigen Zeitgenossen. 

Am Wochenende plant sie dann außerdem noch einen kompletten Tag zum Misten der Gehege ein. „Das teile ich mir dann aber auf. Ich mache dann samstags den einen Teil und sonntags den nächsten, damit das an einem Tag dann nicht zu viel wird. “

Täglich 20 Kilo Möhren und 50 Liter Wasser

Die Mutter von zwei Kindern im Alter von zwei und vier Jahren ist als Bürokraft tätig und besitzt auch noch ein eigenes Fotostudio. „Da wird einem definitiv nie langweilig“, scherzt Julia Schleep. Eine Auszeit mit der Familie müsse da schließlich auch mal sein. „Mein Hobby ist natürlich auch sehr kostenintensiv, aber ein- bis zweimal im Jahr fahren wir schon in den Urlaub.“

Wie kostenintensiv ihre Leidenschaft ist, zeigen die Rationen an Futter, die die Tierchen benötigen. So verputzen sie täglich 20 Kilogramm Möhren, eine Kiste Salat und 30 bis 50 Liter Wasser. „Außerdem bekommen sie noch Trockenfutter und zwei bis drei Heuballen pro Woche. Das ist ihr täglich Brot.“ Die Meerschweinchen-Kennerin betont, dass Kartoffelschalen und Kohl auf gar keinen Fall gefüttert werden dürfen. Kohl führe dazu, dass die Tiere aufblähen und als Folge dessen sterben. Gemüse so wie Gurken, Paprika und Tomaten seien etwa eine perfekte Mahlzeit. 

Wenn Julia Schleep mit Möhren und Salat bepackt in das Gartenhaus geht, wissen ihre Tierchen schon genau was los ist und warten freudig auf die Mahlzeit. „Meerschweinchen fressen viel. Im Grunde verläuft ihr Tag folgendermaßen: zwanzig Minuten schlafen, dann fressen und dann wieder schlafen und fressen. Meerschweinchen schlafen nicht acht Stunden am Stück. Sie sind daher natürlich auch nachts aktiv“, erklärt sie. Das müsse man natürlich beachten, wenn man vorhabe, sich eines der kleinen drolligen Tierchen anzuschaffen. „Meerschweinchen sollten nicht unbedingt ins Kinderzimmer. Das habe ich früher auch so gemacht. Und dann bin ich nachts immer wach geworden. Nun weiß ich es natürlich auch besser.“ 

Kein Haustier für Kleinkinder 

Auch in Bezug auf andere Dinge, etwa, dass Meerschweinchen niemals alleine gehalten werden sollten, weil sie Herdentiere sind, sei sie nun schlauer. Am besten sei es, ein kastriertes Böckchen und drei Weibchen zu halten. Aber auch nur zwei Tiere seien natürlich vollkommen in Ordnung. „Es sollte aber immer eine gerade Zahl sein. Es gibt ja das berühmte fünfte Rad am Wagen. Das sollte man vermeiden.“ 

Wichtig sei vor allem, dass sich ein Mensch mit den Tieren beschäftigt. „Ich sage immer: Sprecht mit den Tieren. So baut sich dann eine Bindung auf. Auch Streicheln ist vollkommen in Ordnung. Manche fordern das sogar ein, andere mögen das eher nicht so. Das muss man dann sehen“, erklärt Schleep. Für Kinder unter sechs Jahren sei ein Meerschweinchen allerdings nicht das richtige Haustier. Darauf achte sie auch bei ihren Kunden. „Ich muss ja meine Meerschweinen nicht verkaufen. Ich suche mir schon die passenden Menschen aus. Letztens wollte eine Frau ein Tier für ihre zweijährige Tochter. Da habe ich dann auch gesagt: Nein, kommen sie in vier Jahren noch einmal wieder“, so Schleep. 

Bei der Meerschweinchenbörse dieses Wochenende möchte sie einige Tiere verkaufen und bietet auch eine Beratung für alle Interessierten an. „Auch Leute, die keine Meerschweinchen haben und einfach nur mal ein paar offene Fragen loswerden wollen, sind willkommen.“ Der Eintritt ist frei. Für die kleinen Besucher gibt es Kinderbelustigung und auch für das leibliche Wohl wird gesorgt sein.

Manche Tiere sind unverkäuflich 

Etwa 20 Tiere nimmt sie mit zur Börse. Es gibt aber natürlich auch Meerschweinchen, die die Holzenerin nicht verkaufen würde. „Für mich sind die Tiere wie eine Schulklasse. Lehrer haben ja auch immer ihre Lieblinge, auch wenn sie das natürlich niemals zugeben würden“, schmunzelt sie. 

Für Schleep, die an Rheuma leidet, seien die Tiere vor allem „Medizin für die Seele“. So vergesse sie auch manchmal ihre Krankheit und fühle sich einfach wohl. Pudelwohl fühlen sich auch ihre Meerschweinchen, wenn sie in dem Gartenhäuschen lautstark quieken und auf die nächste Fütterung warten. 

An schönen Sommerabenden sitzt Schleep manchmal stundenlang vor dem Gartenhaus und guckt „Meerschweinchen-TV“. „So lange ich das Hobby machen kann, werde ich es machen. Es ist noch lange kein Ende in Sicht.“ 

Weitere Infos finden Interessierte auf der Homepage unter www.meerschweinvilla-tierlieb.de.

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