„Not wird existentieller“

Programm der Frauenberatungsstelle auf Probleme zugeschnitten

Karola Enners von der Frauenberatungsstelle stellte das neue Programm vor. Foto: Gaby Decker

Arnsberg. Die Frauenberatungsstelle in Arnsberg ist die Anlaufstelle für in Not geratene Frauen. Hilfe bieten die Mitarbeiterinnen, die für die unterschiedlichsten Probleme ausgebildet und mit den vielschichtigsten Themen vertraut sind. Es werden Einzelberatungen angeboten, aber auch ein Programm, das Frauen wahrnehmen können, um mit mancher Situation besser umgehen zu können. Wie das Programm der Frauenberatung in diesem Jahr aussehen wird, erklärte Dipl. Pädagogin Karola Enners.

„Die Probleme der Frauen häufen sich, die Nöte, die sie haben, werden für die Frauen existentieller“, erklärt Karola Enners. „Es ist oft eine Frage des eigenen Geldes, dass Frauen sich nicht trauen, ihre gewalttätigen Ehemänner zu verlassen. Sie wissen nicht, wie sie nach solch einer Entscheidung über die Runden kommen sollen, wie sie sich und die Kinder ernähren sollen.“ In dieser Situation greift die Einzelberatung. „Die Frauen sind oft psychisch so geschwächt, dass oft ein kleiner Anlass genügt und ihr ganzes Leben fällt ihnen vor die Füße.“ Hier wird zusammen mit den Frauen eine Lösung erarbeitet. „Bei manchen Frauen reicht schon ein Telefonat oder ein Gespräch, das online geführt wird, dann wissen sie für sich selbst, wie es weiter gehen soll. Andere Frauen müssen dafür länger begleitet werden“, so die Dipl. Pädagogin, die hier eine Stelle als Fachberaterin für Psychotraumatologie hat.

Die Angebote des Programms sind auf die Problemstellungen der Frauen zugeschnitten. Für Frauen, die sich schwertun, Beziehungen zu knüpfen, eigene Ziele durchzusetzen oder ein deutliches ‚Nein‘ zu formulieren – dies gilt besonders für Frauen, die traumatische Erfahrungen gemacht haben und emotional instabil sind. Für sie gibt es ein Skillstraining-Modul „Zwischenmenschliche Fertigkeiten“.

Austausch für Betroffene

Auch „Essstörungen, Bulimie und Anorexie“ widmet sich das Jahresprogramm. Dies sind Krankheiten, welche die Betroffenen an den Rand ihrer Kräfte bringen. Auch die Menschen im unmittelbaren Umfeld sind involviert und müssen hilflos mitansehen, wie ein Mensch dabei ist, sich zu Grunde zu richten. Der Vortrag richtet sich an Betroffene und weibliche Angehörige. Zu diesem Thema soll auch eine Gruppe gebildet werden, in der sich Betroffene austauschen können und durch Gespräche und Übungen unterstützt werden.

„Selbstberuhigung und Entspannung bei schweren seelischen Belastungen“ werden in einer weiteren Gruppe angeboten sowie eine „Auszeit – offene Treffen zum Entspannen und Abschalten“, die seelische Kraftquellen erschließen sollen.

Ein offener „Austausch für lesbische Frauen und Mädchen“ wird an zwei Terminen im geschützten Rahmen möglich. „Leider immer noch ein Thema, was sich gerade bei der Jobsuche bemerkbar macht“, so Karola Enners. Eine Fortbildung in Kooperation mit dem Zonta Club und der Bezirksregierung Arnsberg gibt es mit dem Thema „Genitalbeschneidung“. Schätzungsweise leben circa 65.000 betroffene Mädchen und Frauen in Deutschland. Dieses unmenschliche Vorgehen ist eine Menschenrechtsverletzung und in Deutschland eine Straftat.

Ein Gruppenprogramm zeigt „Wege aus der Depression“ in zwei unterschiedlichen Gruppen, einmal für Mädchen und einmal für Frauen.

„Die Cybergewalt – Tatort Internet“: Mit Diffamierungen, Bedrohungen und Belästigungen müssen sich gerade Frauen auseinandersetzen. Es gibt zu dem Thema einen Vortrag, grundlegende Informationen sowie Präventionstipps und Empfehlungen.

Zu der „Istanbul-Konvention“ gibt es einen Fachvortrag. Sie gilt seit dem 1. Februar 2018. Die Konvention erkennt geschlechtsspezifische Gewalt als Menschenrechtsverletzung an. Die von Gewalt betroffenen Frauen brauchen ein flächendeckendes Netz von Unterstützern. Diese müssen ausreichend finanziert werden. Aktuell gibt es die freiwilligen Leistungen nach dem Modell eines Flickenteppichs von Land, Kreisen und Kommunen.

Das „Interkulturelle Frühstück gibt es jeden ersten Mittwoch im Monat, außer in den Schulferien.

 Das neue Programm mit allen Terminen liegt ab sofort an vielen Stellen aus, über die Homepage können Interessierte noch mehr Informationen bekommen. Informieren kann man sich auch unter  ☎ 02931/2038 oder 2037. Die Frauenberatungsstelle findet man am Brückenplatz 4 in Arnsberg

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare