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Geldautomaten-Sprengungen im HSK: So reagieren die Banken

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Von: Stefanie Nöcker

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In Neheim haben unbekannte Täter einen Geldautomaten gesprengt. Das Gebäude der Sparkasse in der Stembergstraße wurde völlig zerstört.
In den vergangenen Jahren wurden immer häufiger Geldautomaten – wie hier in Neheim – gesprengt.  © Stefanie Nöcker

Die Sparkassen und Volksbanken in der Region gehen ab sofort zusammen gegen Geldautomaten-Sprengungen vor. Ein sprengfester Geldautomat wurde jetzt vorgestellt.

Hochsauerland – Vier Uhr in der Früh, ein lauter Knall, dann rast ein Auto davon – wieder ein Geldautomat gesprengt. Zurück bleiben eine meist komplett zerstörte Geschäftsstelle, stark beschädigte Gebäude und verängstige Anwohner. Allein in diesem Jahr gab es vier Geldautomaten-Angriffe im HSK – und zwar in Bestwig, Meschede und Voßwinkel sowie zuletzt am 1. November in Medebach. Die Bilanz: Sachschaden rund 282.000 Euro, Beutesumme knapp 300.000 Euro.

Doch damit soll jetzt Schluss sein: Die Sparkassen und Volksbanken in der Region gehen ab sofort zusammen gegen Geldautomaten-Sprengungen vor.

Lage drastisch verändert: Festsprengstoff statt Gas wird benutzt

„Wir haben dieses Kooperationsnetzwerk gebildet, weil sich die Lage in den vergangenen Monaten drastisch verändert hat“, sagt Dr. Florian Müller, von der Volksbank Sauerland. „Die Brutalität der Täter hat zugenommen. Das haben wir am eigenen Leibe erfahren. Die Täter nutzen kein Gas mehr, sondern Festsprengstoff und gehen dabei so rücksichtslos vor, dass Personenschäden billigend in Kauf genommen werden. Und das bereitet uns Sorgen. Es geht nicht mehr nur darum, Örtlichkeiten zu schützen, Sachschäden zu vermeiden und die potenzielle Beute zu sichern, sondern Sicherheit und Leib und Leben in den Vordergrund zu stellen.“

Thomas Vogt, Direktionsleiter Kriminalität der Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis, bestätigt die Vorgehensweise der Täter. Der Festsprengstoff sei im Vergleich zu Gas wesentlich schlechter zu kontrollieren. Oftmals blieben Sprengpakete am Tatort zurück, was für eintreffende Einsatzkräfte eine zusätzliche Gefahr darstelle. „Es ist eigentlich nur eine Frage der Zeit, bis es zu Personenschäden kommt“, betont Vogt.

„Ziel ist es, Sprengstoffanschläge in Zukunft ganz zu vermeiden“

Genau das darf eben nicht passieren: Menschen dürfen nicht gefährdet werden – da sind sich die Volksbanken und Sparkassen in der Region sicher. Die Möglichkeit, Geldautomaten zu sprengen, soll für die Täter nun erheblich erschwert werden. Die Banken haben im gemeinsamen Austausch Mindeststandards an Sicherheitsvorkehrungen festgelegt. Das heißt ganz konkret, dass sie an verschiedenen Standorten den Sicherheitsstandard erhöhen und Sicherheitsmaßnahmen nachrüsten werden. Ernst-Michael Sittig von der Sparkasse Arnsberg-Sundern: „Ziel ist es, Sprengstoffanschläge in Zukunft ganz zu vermeiden. Wir wollen Signale setzen, dass Sprengen keinen Sinn mehr macht, es sich nicht mehr lohnt.“ Denn: Bei dem skrupellosen Vorgehen der Täter spielt der Faktor Zeit eine entscheidende Rolle. „Wenn sich Zeit und Aufwand für die Täter deutlich erhöhen, lassen sie auch davon ab. Je mehr Vorkehrungen getroffen werden, desto aufwändiger und zeitraubender wird es für potenzielle Täter. Und genau daran haben wir nun intensiv gearbeitet.“

Stellten den neuen, sprengfesten Geldautomaten auf dem Gelände der Stadtwerke Arnsberg vor: die Vertreter der Sparkassen und Volksbanken sowie Thomas Vogt von der Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis.
Stellten den neuen, sprengfesten Geldautomaten auf dem Gelände der Stadtwerke Arnsberg vor: die Vertreter der Sparkassen und Volksbanken sowie Thomas Vogt von der Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis. © Stefanie Nöcker

Eine Vorkehrung: sprengfeste Geldautomaten. Ein erster dieser Automaten aus Stahlbeton wurde jetzt vorgestellt. Er befindet sich auf dem Gelände der Stadtwerke Arnsberg im Niedereimerfeld und wird voraussichtlich am Freitag, 25. November, in Betrieb gehen. Dieser Geldautomat sei deutlich teurer, aber stehe an einer so zentralen Stelle, dass die Bargeldversorgung der Menschen in Arnsberg-Bruchhausen, Arnsberg-Niedereimer und auf dem Schreppenberg sichergestellt werden könne.

Die Volksbanken und Sparkassen im HSK schließen nicht aus, dass Standorte geschlossen werden müssen, wenn das Risiko für Anwohner zu groß ist. „In Brilon-Madfeld meinte der Vermieter zu uns, dass er sich mit dem Automaten vor Ort nicht mehr wohl fühle“, berichtet Ingo Ritter von der Sparkasse Hochsauerland. Der Hintergrund: Direkt nebenan ist ein Kinderzimmer. „Als Entscheider kann man da nur eins machen und zwar den Geldautomaten sofort stilllegen“, betont Ritter.

Dr. Florian Müller resümiert: „Wir schauen uns jeden Standort genau an und suchen nach Lösungen. Diese Lösungen können von Standort zu Standort unterschiedlich sein.“

Täterprofil: Wer sprengt die Geldautomaten? 

Thomas Vogt, Direktionsleiter Kriminalität der Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis, und sein Team treiben die Ermittlung und Bekämpfung von Geldausgabeautomaten-Sprengungen im HSK voran. Sie wissen: Die Täter kommen aus den Niederlanden, genauer gesagt aus dem Raum Amsterdam/Utrecht, sind zwischen 18 und 35 Jahren alt und agieren äußerst professionell. „Es ist keine feste Täterbande, sondern ein fluides Netzwerk von mehreren 100 Leuten“, erklärt Vogt. Strafverfolgungen seien daher schwierig. „Die Täter reisen teilweise Tage oder Wochen vorher an. Sie kundschaften die Automaten in Ruhe aus. Am Tattag selbst werden Autos und Kennzeichen gestohlen und dann für die Anfahrt und Flucht genutzt. Zum Teil werden sogar die Airbags in den Fahrzeugen ausgeschaltet, damit die Täter Polizeisperren durchbrechen können.“ Trotz der genannten Gründe soll die Strafverfolgung intensiviert werden.

Geldautomaten-Sprenger zu langer Haftstrafe verurteilt: Am 3. November 2022 verurteilte das Landgericht Wuppertal einen 27-jährigen Niederländer zu einer langjährigen Haftstrafe. Er wurde für zwei Geldautomaten-Sprengungen in Wuppertal und Bad Vilbel im Jahr 2019 angeklagt. Er und sein Komplize stehen in Verdacht, von Juni 2018 bis Mai 2021 insgesamt 16 Geldautomaten-Aufsprengungen begangen zu haben. Die Arbeitsweise des Duos am Tatort und bei der Flucht lässt diesen Schluss zu. So kommen die beiden auch für eine Geldautomaten-Sprengung am 26. April 2019 in Olsberg infrage, heißt es in einer Pressemitteilung der Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis, von dieser Woche. Nachweisen lässt sich diese Tat allerdings nicht zweifelsfrei, sodass die Staatsanwaltschaft diesen Fall einstellen musste.

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