„Es ist einfach gut, anderen Kindern zu helfen“

Gelebte Solidarität: Sternsinger in Arnsberg und Sundern sammeln für Kinder mit Behinderung

Voll motiviert und kostümiert wollen sich die Sternsinger an diesem Wochenende überall in der Region wieder auf den Weg machen. Foto: Frank Albrecht

Arnsberg/Sundern. „Segen bringen, Segen sein. Wir gehören zusammen – in Peru und weltweit!“ heißt das Leitwort der 61. Aktion Dreikönigssingen, bei der in allen 27 deutschen Bistümern und so natürlich auch in Arnsberg und Sundern wieder Kinder und Jugendliche in der Nachfolge der Heiligen Drei Könige von Tür zu Tür ziehen werden. Das Beispielland ist Peru, inhaltlich dreht sich alles um das Thema „Kinder mit Behinderung“.

Die Sternsinger aus der Gemeinde Liebfrauen Arnsberg wissen wie andere im gesamten Stadtgebiet auch, worauf sie sich einlassen – und das sehr gerne. Am heutigen Samstag und morgigen Sonntag machen sie sich verkleidet als Kaspar, Melchior und Balthasar auf den Weg durch die Straßen. Sarah (9 Jahre) aus dem Einzugsbereich der Liebfrauenkirche ist schon ein wenig nervös. Sie will sich an diesem Wochenende erstmals als Sternsingerin an der Aktion beteiligten. Wie es läuft, hat sie über die Schule und Freunde erfahren – von Haus zu Haus, straßenweise und dabei immer das Sternsingerlied auf den Lippen: „Wir kommen daher aus dem Morgenland…“ 

"Wir kommen daher aus dem Morgenland..."

Dass das Sternsingen eine sinnvolle Aktion ist, muss Sarah niemand mehr erklären. „Es ist eine schöne Sache, wenn wir damit anderen Kindern in der Welt helfen können, zur Schule zu gehen“, sagt sie überzeugt. Ja, sie freue sich auf die Aktion, Schnee oder Regen machen ihr gar nichts aus. Auf ihrem Weg sind die Sternsinger immer in kleinen Gruppen, oft zu viert, unterwegs. Gemeinsam singen und sammeln sie Geld für Kinder in Not und bringen den Menschen Gottes Segen für das neue Jahr in die Wohnungen und Häuser. Dafür steigen sie so manche Treppe hinauf. Für die meisten Sternsinger ist das ganz normal, für Kinder mit Behinderung können viele dieser Selbstverständlichkeiten Hürden darstellen. 

Bei der 61. Aktion Dreikönigssingen machen die Sternsinger darauf aufmerksam, dass Kinder mit und ohne Behinderung zusammengehören. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen haben 165 Millionen Mädchen und Jungen weltweit eine Behinderung, berichtet das Kindermissionswerk. In Entwicklungs- und Schwellenländern leben besonders viele Kinder mit Behinderung – die meisten in großer Armut. „Nach Angaben der Vereinten Nationen gehen neun von zehn Kindern mit Behinderung nicht zur Schule. In vielen Ländern werden diese Kinder als Last oder Schande empfunden; häufig leiden sie unter Gewalt oder werden von ihren oft überforderten Eltern versteckt und vernachlässigt“, schildert das Kindermissionswerk zum Hintergrund des diesjährigen Schwerpunktthemas. 

Spenden für den Bau einer Schule in Uganda

Wie in allen Jahren zuvor gibt es abgesehen vom Schwerpunktthema bei der Gemeinde Liebefrauen spezielle Projekte, die mit dem Geld aus der Aktion unterstützt werden. „Die Kinder sammeln hier schon seit Jahren für den Bau einer Schule in Uganda“, erklärte Josef Mündelein, der über das Dekanat Hochsauerland-West seit Jahren die Sternsinger-Aktion mit vorbereitet. Vor Ort kümmert sich Vater Thomas Barungi um das Projekt und berichtet regelmäßig mit Bildern per Mail. 

Auch das Kommunionkind Ronja (8 Jahre) ist in diesem Jahr neu bei der Aktion. Ihr Bruder ist schon seit sechs Jahren bei der Sache und hat die kleine Schwester angesteckt. Was das Schöne beim Sternsingen ist? Kinder zu unterstützen und dann natürlich auch noch das Singen und die Süßigkeiten. Von dem, was sie geschenkt bekommen, geben sie die Hälfte wieder an die Tafel ab. „Es ist einfach gut, anderen Kindern zu helfen“, ist Ronja überzeugt. Ob sie nach der Premiere am Sonntag noch weiter dabei bleibt, möchte sie erst später entscheiden. Anna, Charlotta, Lena und Leni haben sich schon entschieden. Bereits im vergangenen Jahr sind sie zu viert gemeinsam durch die Straßen gelaufen und wollen es wieder tun. 

"Immer schwieriger, Kinder dafür zu begeistern"

In Arnsberg wird die Sternsingeraktion über die einzelnen Kirchengemeinden hinaus gemeinsam vorbereitet. Silke Hoya kümmert sich schon seit fünf Jahren in der Propsteigemeinde darum. „Es wird immer schwieriger, Kinder dafür zu begeistern.“ Auch in ihrer Gemeinde habe man für 2019 schwer gesucht. Und das, obwohl die Messdiener dort verpflichtet sind, auch am Sternsinger-Dienst mitzumachen. Jetzt sei aber alles gut: Für das Wochenende hat man zusammen mit Freiwilligen 30 Sternsinger gefunden, zehn Gruppen werden „Segen bringen, Segen sein“. 

Solange ihre eigenen Kinder noch fleißig mithelfen, will sie auch bei der Sache bleiben – und zwar im Kostüm und an der Seite der Kinder. Und dass, obwohl das Verhalten einiger Erwachsener zu denken gebe: Bei Mehrfamilienhäusern werde erst die Tür aufgedrückt, dann aber melde sich auf das Rufen und Singen der Sternsinger niemand. Zum Glück bleibe das die Ausnahme, die meisten Menschen freuen sich über den Segen der Sternsinger, die auch den Aufkleber zur Aktion wieder an die Türen kleben  und mit echtem Weihrauch und Sternsinger-Ausweis der Gemeinden unterwegs sein werden.

Hintergrund 

  • Gemeinsam verantworten das Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und der Bund der Deutschen Katholischen Jugend (BDKJ) die bundesweite Aktion Dreikönigssingen. 
  • Die erste Aktion Dreikönigssingen wurde 1959 organisiert. 2004 wurden die Sternsinger in Münster mit dem Westfälischen Friedenspreis ausgezeichnet. 2015 wurde das „Sternsingen“ in das bundesweite Verzeichnis des immateriellen Kulturerbes aufgenommen. 
  • Seit dem Start der Aktion vor 60 Jahren sammelten sie über eine Milliarde Euro – 1.089.557.760 Euro. Bundeskanzlerin Angela Merkel empfängt am Montag Sternsinger aus allen 27 deutschen Diözesen in Berlin.
  • Weitere Informationen gibt es unter www.sternsinger.de

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