Erörterungstermin „Steinbruch Habbel IV“ ging über zwei Tage – „Runder Tisch“ soll folgen

„Gesprächsbedarf haben wir genug“

Anstrengend: Die Anhörung über die Erweiterung des Steinbruchs Habbel ging über zwei Tage. Foto: Paul Senske

Eine Entscheidung über die Erweiterung des Steinbruchs Habbel in Müschede fällt erst in einigen Monaten. Zuvor soll ein „Runder Tisch“ verhärtete Fronten aufweichen und für mehr gegenseitiges Verständnis sorgen.

Das sind die wichtigsten Ergebnisse des Erörterungstermins im Genehmigungsverfahren „Habbel IV“ in der Neheimer Realschule. Nach einem wahren Sitzungsmarathon von rund 15 Stunden an zwei Tagen regte Verhandlungsleiter Heinz Nieder von der Unteren Umweltschutzbehörde des Hochsauerlandkreises den „Runden Tisch“ nach den Sommerferien an.

Unter Moderation des HSK sollen Vertreter der Bürgerinitiative Kontra Habbel IV (KOHA IV), die Betreiberfirma Ebel und örtliche Politiker Möglichkeiten ausloten, sich bei strittigen Themen zu nähern. „Mit runden Tischen haben wir in ähnlichen Verfahren gute Erfahrungen gemacht“, sagte Nieder, der den Sitzungsmarathon souverän moderierte. „Gesprächsbedarf haben wir genug.“ Ein erster Punkt steht schon fest: Die Anregung für gemeinsame Lärmmessungen von Bürgerinitiative und der Firma Ebel – als mögliche „vertrauensbildende Maßnahme“.

Zuvor hatte sich Nieder deutlich gegen in der Versammlung geäußerte Vorwürfe gewehrt, der (positive) Bescheid für die Genehmigung von „Habbel IV“ stehe bereits. „Wir haben keinen Bescheid in der Schublade. Wir sind noch in der Findungsphase und von einem Bescheid ganz weit entfernt.“ Die Verpflichtung sei klar und deutlich: „Wir entscheiden nach Recht und Gesetz. Wir wollen eine rechtssichere Entscheidung.“

Beim Erörterungstermin, „dem Dialog zwischen Trägern öffentlicher Belange, privaten Einwendern und Antragsteller“ (Nieder), drehten sich Gutachen, Vorträge und Diskussionen um Lärm, Staub, Erschütterungen, Wasser, Natur usw. „Knackpunkte“ waren Lärm und die Nachtarbeit im Steinbruch, denn dort wird schon in den bisherigen Abbauphasen werktags im Drei-Schichtenbetrieb rund um die Uhr gearbeitet. Bei einer Erweiterung des Steinbruchs um die beantragten 19,3 ha (Habbel IV) befürchtet die Bürgerinitiative weitere massive Beeinträchtigungen der Lebensqualität. „Warum lässt Ebel nachts arbeiten?“, fragte Josef Reichenbruch, der Sprecher der Initiative. „In anderen Steinbrüchen gibt es das nicht. Warum ausgerechnet in Müschede, warum? Nächtlicher Lärm ist unannehmbar.“

Burkhard und Thomas Ebel, die beiden Geschäftsführer der Betreiberfirma und Antragsteller, bezeichneten die Nachtarbeit als „unverzichtbar“. Die Anlage-Technik brauche lange Laufzeiten, um bei der auf 25 Jahre angelegten Erweiterung des Steinbruchs jährlich eine Million Tonnen Steine zu fördern und rund 100 Arbeitsplätze zu sichern. Zudem verlangten „die Marktgegebenheiten eine Versorgung der Kunden von 24 Stunden“.

„Wir wissen was wir nachts hören“

Eine Ablehung der Genehmigung von Habbel IV sei existenzgefährdend. Außerdem – so Thomas Ebel – „wird nachts auf der oberen Sohle nicht gearbeitet.“ Wer sich von unseren Meistern nicht an diese Vorgabe halte, riskiere arbeitsrechtliche Sanktionen, fügte Burkhard Ebel hinzu. Diese Aussagen stießen bei den Einwendern und der Bürgerinitiative auf Empörung. „Wir wissen, was wir nachts hören und sehen, im Steinbruch liegt einiges im Argen“, meinte Hubertus Mantoan, Stadtrat und Chef des Bezirksausschusses. „Wer nachts um 3 Uhr aus dem Schlaf gerissen wird, schläft nicht mehr ein.“ Eine Nebenbestimmung in der Stellungnahme der Unteren Umweltschutzbehörde sieht für das Genehmigungsverfahren vor, dass ab einer Höhe von 240 Metern nachts nicht gearbeitet werden darf. „Oberhalb 240 Metern darf zur Nachtzeit nichts passieren“, sagte Behörden-Sachbearbeiter Ludwig Stappert. „Wer kontrolliert denn das künftig?“, fragte Reichenbruch und mahnte vermehrte Überwachungen an. Als „Beitrag zur Befriedung“ regte Gerd Stüttgen (Stadtrat und Mitglied des Bezirksausschusses) an, dass „nachts nur abgefahren wird“.

Neben Lärm waren vor allem Staubbelastungen und Erschütterungen durch Sprengungen Themen der Gutachten und Diskussionen. Auch die Sorge ums Grundwasser – Stichwort Pumpstation – war spürbar. Nach Einschätzung der Arnsberger Stadtwerke und der Unteren Umweltbehörde des Kreises „sind Beeinträchtigungen des Grundwassers nicht zu erwarten.“ Grundwasser werde nicht abgepumpt. Ein Grundwasser-Monitoring soll künftig eingerichtet werden. Ein von der Firma Ebel beauftragtes Institut soll die Ergebnisse turnusgemäß den Stadtwerken und der unteren Umweltbehörde vorlegen. (Von Paul Senske, neheim@sauerlandkurier.de)

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