Bürger fragen – Kandidaten antworten

Großes Interesse an Gesprächsrunde mit den vier Bürgermeisterkandidaten

Die vier Bürgermeisterkandidaten stellten sich auf Einladung des Seniorenbeirats vor: Ralf Paul Bittner, Peter Erb, Emilio Peluso und Reinhard Wilhelm (v.l.). Foto: Decker

Stadtgebiet/Hüsten. In zweieinhalb Wochen wählen die Arnsberger einen neuen Bürgermeister. Die vier zur Wahl stehenden Kandidaten folgten jetzt der Einladung des Seniorenbeirates und standen im Petrushaus zu verschiedenen Themen Rede und Antwort. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, das Interesse an den Kandidaten – Ralf Paul Bittner (SPD), Peter Erb (parteilos, tritt für CDU und Grüne an), Emilio Peluso (AfD) sowie Reinhard Wilhelm (Familienpartei) – war groß. Durch die Veranstaltung führten Werner Wienand und Ulrich von Dreusche vom Seniorenbeirat.

Bei den Fragen aus dem Publikum ging es zunächst um die Fachstelle Zukunft Alter, (die von allen für ihre gute Arbeit sehr gelobt wurde), im Besonderen um altersgerechtes aber auch krankheitsgerechtes Arbeiten. Reinhard Wilhelm hielt hier die Zusammenarbeit mit dem Personalrat für unverzichtbar. Für Peter Erb waren die Rückkehrer- Gespräche bei langer Krankheit ein Muss. „Es gilt gemeinsam Lösungen zu finden. Man muss sich als Chef beteiligt fühlen und Sensibilität entwickeln.“ Emilio Peluso hoffte auf die Unterstützung der Personalräte. Ralf Paul Bittner setzte auf Prävention. „Der Arbeitgeber muss für Ausgeglichenheit zwischen Arbeit und Gesundheit sorgen, für eine Work life Balance. Dies ist in vielerlei Hinsicht möglich. Außerdem muss das Eingliederungsmanagement ernst genommen werden. Schwerbehinderte müssen gut integriert werden. Da werden wir gute Lösungen finden.“ Damit ging Bittner auf die Zwischenfrage nach neuen Jobs für schwerbehinderte Menschen ein. Nicht ausgrenzen, sondern miteinander arbeiten war wichtig für Peter Erb. Für Emilio Peluso gehören Schwerbehinderte auch zur Gesellschaft und Reinhard Wilhelm fand, dass diese Menschen oft ausgegrenzt würden. „In der Digitalisierung müssen wir daher manchmal einen Schritt zurück machen, um Arbeitsplätze für Menschen mit Schwerbehinderung zu bekommen“, so der Kandidat der Familienpartei.

Bei der Frage nach der Barrierefreiheit konnte Reinhard Wilhelm auf familiäre Erfahrungen zurückgreifen. „Ist es schwierig, mit einem Rollstuhl irgendwo hineinzukommen, packen die Arnsberger gerne mit an“, so Wilhelm, „allerdings sind die Gebäude auch zunehmend barrierefrei.“ Für Peter Erb war es wichtig, dass auch privatwirtschaftliche Gebäude auf Barrierefreiheit achteten. „In Arnsberg wird in dieser Richtung aber tolle Arbeit geleistet.“

Lob für engagierte Flüchtlings-Integration

Ralf Paul Bittner erklärte: „Die Bauten müssen heute so ausgerichtet sein, dass sie barrierefrei sind. Dazu müssen entsprechende Anträge gestellt werden und die müssen schlussendlich auch umgesetzt werden.“ Auf weitere spezielle Anfragen aus dem Publikum – zum Beispiel Fragen zur Hörbehinderung – möchte Reinhard Wilhelm sich für einen digitalen Bürgerrat einsetzen, an den sich Bürger mit ihren Fragen direkt wenden können.

Ein großes Thema an diesem Abend war die Schulpolitik. Für Bittner gehörte zur Schulpolitik eine schon lange beantragte Schulentwicklungsplanung. Für Peter Erb hat die Inklusion ihre Grenzen. „Wir sollten eine Bestandsaufnahme machen und daraus dann beschließen, was zu tun ist.“ Reinhard Wilhelm stellte die Abschaffung der Förderschulen als eine Mogelpackung dar. „Ich bin froh, dass die Förderschule hier erhalten bleibt.“

Die Frage nach dem Geld – woher nehmen, da ja die Stadt Arnsberg in der Haushaltssicherung steht – tauchte unweigerlich auf. Es wurde auf die Bundes- und Landestöpfe verwiesen, bei denen Bittner allerdings das Problem sah, dass da immer noch eine Restfinanzierung für die Kommunen übrig bliebe. Zur Frage der Wirtschaftsförderung erklärte Peter Erb, dass man hier froh sei über die Fördertöpfe, „damit die Unternehmen gestärkt werden, um zu investieren und zu erweitern“. Für Bittner lag die Lösung im zusammenfinden der Regionen. „Lieber Firmen, die nur die halbe Gewerbesteuer zahlen, als gar keine Firmen mehr“. Emilio Peluso erklärte, dass hier die Politik nicht richtig gearbeitet habe, „Sie hat gegen die Unternehmer gearbeitet“, war seine Meinung.

Bei der Frage nach der Integration der geflüchteten Menschen herrschte Einigkeit darüber, dass hier von Ehrenamtlichen Großes geleistet wurde, aber auch vonseiten der Stadt Hilfestellung gegeben wurde.

Die letzte und vielleicht entscheidende Frage aus dem Publikum war: „Mein Sohn geht das erste Mal wählen. Warum sollte er Sie wählen“? Emilio Peluso als geborener Italiener erklärte: „Ein Ausländer als Bürgermeister stünde der Stadt gut an“. Peter Erb sieht es als Vorteil an, dass er von außen kommt und einen neuen Blick auf die Dinge hat. „Ich sehe das vielleicht aus der Wirtschafts- und der Bürgerbrille. Außerdem möchte ich die Stadt als Ganzes sehen, ohne dass die Stadtteile ihre Identität aufgeben.“ Seine Referenzen sah Ralf Paul Bittner darin, dass er Verwaltung studiert habe. „Ich bin Landesbeamter, kenne hier jeden Fachbereichsleiter und bin schon jetzt in vielen Gremien. Mit mir geht es am 5. Februar direkt weiter.“ Reinhard Wilhelm erklärte, er sei Volljurist und habe viel mit Verwaltung zu tun. Er sei für mehr bürgerliche Mitbestimmung und für einen digitalen Bürgerrat. „Ich bin die richtige Person für eine neue Demokratie in der Stadt.“

Info: Die Bürgermeisterwahl findet am 4. Februar statt. Briefwahl kann noch bis zum 2. Februar beantragt werden.

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