Neue Sprechstunden am Standort Marienhospital Arnsberg

Hilfe bei Blasenschwäche: Klinikum Hochsauerland baut Kontinenzzentrum auf

Dr. med. Anja Brinkmann (2.v.li.), Ioanis Paliakoudis, Chefarzt (komm.) der Klinik für Urologie (3.v.li.), Uwe Zorn, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeralchirurgie und Koloproktologie (4.v.li.), Dr. med. Norbert Peters, Chefarzt der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe (4.v.re.) Bert Hoffmann, Standortleiter Marienhospital (3.v.re.) mit dem Praxisteam des Kontinenzzentrums in Arnsberg. Foto: Rebecca Weber

Arnsberg/Hochsauerland. Inkontinenz – ein Tabuthema, für das sich die Betroffenen häufig schämen und viele gar nicht so genau wissen, was es mit diesem Krankheitsbild eigentlich auf sich hat. Das möchte Dr. med. Anja Brinkmann mit ihrem Team künftig ändern: Als Fachärztin am Klinikum Hochsauerland baut sie am Standort Arnsberg ein Kontinenzzentrum für das Sauerland auf.

Allein in Deutschland gibt es laut des Kontinenzentrums 9 Millionen Betroffene, die unter Blasenschwäche, Darmschwäche oder anderen Beckenbodenerkrankungen leiden. Viele Betroffene sprechen nicht gerne darüber, dabei ist Inkontinenz sehr häufig heilbar, so die Experten. Zwar behandeln heimische Gynäkologen und Urologen Patienten mit Inkontinenz und das Klinikum Hochsauerland hat mit den verschiedenen Kliniken für Frauenheilkunde und Geburtshilfe, für Urologie und für Allgemein-, Viszeralchirurgie und Koloproktologie kompetente Ansprechpartner vor Ort, aber ein spezialisiertes Zentrum gibt es in der weiteren Umgebung nicht (erst beispielsweise in Hagen oder Dortmund). 

Mit diesem Wissen und ihrer Idee wandte sich Dr. Anja Brinkmann schließlich an die Klinikleitung und stieß auf offene Ohren. Für die gebürtige Neheimerin sind es nicht nur private Gründe, nach Karrierestationen in Marburg, Malmö und München, wo sie unter anderem im Beckenbodenzentrum in leitender Funktion die Weiterentwicklung des medizinischen Versorgungsangebotes mitgestaltet hat, in ihre Heimat zurückzukehren, sondern es ist auch eine berufliche Chance. „Im Kontinenzzentrum des Klinikums Hochsauerland arbeiten spezialisierte Fachärzte aus Gynäkologie, Urologie und Chirurgie eng zusammen, um gemeinsam für die Patientinnen und Patienten nach kompetenter und differenzierter Diagnostik eine optimale Behandlung anbieten zu können. Zu unserem Team zählen zudem Physiotherapeuten und Fachpflegekräfte, die sich auf die Versorgung von Beckenbodenerkrankungen spezialisiert haben.“ 

Aufklärungsarbeit zum Thema Inkontinenz 

Das neue Kontinenzzentrum mit täglichen Sprechstunden soll vor allem Koordinationsinstanz und Anlaufstelle für schwer Erkrankte sein: „Hier findet eine ambulante Basisdiagnostik mit Fragebogen, Anamnese und Ultraschall statt. Dann wird je nach Krankheitsbild die Weiterbehandlung geplant“, erläutert die 42-jährige Ärztin. Häufig gebe es recht einfache Möglichkeiten zur Behandlung. Reicht eine kurative Therapie mit Medikamenten und Physiotherapie (etwa zum Training des Beckenbodens) jedoch nicht aus, besteht die enge Vernetzung zu den Fachkliniken im Klinikum, die (teils minimalinvasiv) operative Behandlungen vornehmen können. Dazu gehört nun auch das Einsetzen eines Blasen- oder Darmschrittmachers. Dieses Verfahren gebe es schon seit über 20 Jahren, sei vergleichsweise einfach, aber wenig bekannt, so Dr. Brinkmann. 

Die Ärztin sieht ihre Aufgabe nicht nur darin, Patienten mit ihren Beschwerden zu einem lebenswerteren Leben zu verhelfen, sondern auch, Aufklärungsarbeit zum Thema Inkontinenz zu leisten. Zwar gebe es eine überaktive Blase im Alter auch bei Männern, Inkontinenz sei aber mehrheitlich ein Frauenproblem. Schon früh spezialisierte sich Dr. Anja Brinkmann daher auf die Urogynakologie. „Das ganze Thema hat auch eine entscheidende soziale Komponente. Betroffene hören vielleicht auf zu trinken aus Angst, oder gehen aus Angst, dass man etwas riecht nicht mehr aus dem Haus“, ergänzt Gynäkologe Dr. Nobert Peters. 

Ärzte aus der Region, für die Region

„Es ist ein großes Thema, in das viele Bereiche integriert werden müssen, um die Patienten umfassend zu versorgen und genau das wird jetzt unter einem Dach koordiniert“, freut sich Dr. Brinkmann auf die künftige Arbeit. Auch Werner Kemper, Sprecher der Geschäftsführung des Klinikums Hochsauerland, freute sich: „Frau Dr. Brinkmann hat den Weg zurück ins Sauerland gefunden und das ist genau das, was wir uns wünschen. Wir sind keine Uni-Stadt, aber froh, dass hier Ärzte aus der Region, für die Region tätig sind.“

Info und Kontakt 

  • Das neue Kontinenzzentrum ist ab sofort in einem ehemaligen Verwaltungsgebäude neben dem Marienhospital in Arnsberg untergebracht. So kann die Sprechstunde diskret besucht werden. 
  • Die niedergelassenen Ärzte in der Region können ihre Patienten direkt an das Kontinenzzentrum überweisen. 
  • Sprechstunde und Terminvereinbarungen von Montag bis Donnerstag, 8 bis 13 Uhr, Tel. 02931/870244581 oder kontinenzzentrum@klinikum-hochsauerland.de

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