„Die Akten werden dicker“

Rat und Hilfe der Verbraucherzentrale Arnsberg immer stärker gefragt

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Das Team der Verbraucherzentrale Arnsberg um Leiterin Petra Golly (2.v.li.) beschäftigte sich im vergangenen Jahr mit über 6000 Verbraucherkontakten und übergab den Jahresbericht an Bürgermeister Ralf Paul Bittner (5.v.li.).

Arnsberg/Hochsauerland. Abzocke im Internet, überzogene Forderungen aus der Inkassobranche, Ärger mit Telekommunikationsanbietern und vieles mehr waren die Themenfelder, mit denen sich die Verbraucherzentrale NRW in Arnsberg im vergangenen Jahr befassen musste. Bei 6015 Verbraucheranliegen war die Experten in Neheim im vergangenen Jahr Anlaufstelle für Fragen und Probleme. Mit der neuen Leitung und verändertem Team konnte die bisher erfolgreiche Arbeit fortgesetzt werden, wie der jetzt vorgestellte Jahresbericht zeigt.

„Die Akten werden dicker“, erklärte die Leiterin der Verbraucherzentrale, Petra Golly. „Die Menschen suchen vermehrt unsere Hilfe, weil sie allein nicht gegen die komplexer werdenden Probleme ankommen.“ 

Als Beispiel kann hier das Inkassosystem genannt werden. „Für die Verbraucher ist es ein Schreckmoment wenn sie eine Mail von einem Inkassobüro bekommen. Diese Unternehmen üben einen großen Druck aus, die Kosten sind aber in keiner Weise gerechtfertigt. Vor einer Drückerkolonne konnten wir eine Warnung an die Presse geben. Sie wollten Abos für das Liborius-Blatt verkaufen. Hier konnten wir in 30 Fällen einen Gesamtschaden von circa 8000 Euro abwenden.“ Auch auf eine andere miese Abzocke, die mit der Scham der Geprellten spielt, wies Petra Golly hin: Mit einer Erotik-Hotline aus Tschechien versuchte man den Leuten das Geld aus der Tasche zu ziehen. Sollten erst 90 Euro bezahlt werden, so waren es nach ungerechtfertigten Mahnungen bald 258 Euro. „Hier soll man sich von einer Drohkulisse nicht beeindrucken lassen“, so Petra Golly. 

So werden Kunden hinters Licht geführt

Zur Rechtsberatung/Energierecht konnte Volker Malik von der Verbraucherzentrale einiges mitteilen. „Der Dauerbrenner der Beratungsnachfrage sind nach wie vor die ungewollten Anbieterwechsel. „Zustande kommt so etwas meist durch einen Anruf oder durch ein Gespräch mit einem Werber an der Haustür. Hier wird mit Kostenersparnis oder sogar mit der Auszahlung eines Guthabens geworben. Die Werber legen es darauf an, persönliche Daten heraus zu bekommen. Der bisherige Anbieter wird gekündigt und ein neuer Vertrag liegt dem neuen 'Kunden' innerhalb weniger Tage vor.“ Dies ist nur ein Beispiel, wie Kunden in dieser Sparte hinters Licht geführt werden. Wie schwierig es ist, aus einer einmal abgeschlossenen privaten Krankenversicherung heraus zu kommen, wusste Petra Golly zu berichten. „In jungen Jahren wird aus unterschiedlichen Gründen oft in die private Krankenversicherung gewechselt. Naht dann das Rentenalter, kommt manchmal ein böses Erwachen. Denn ein Wechsel zur gesetzlichen Krankenkasse ist nur möglich, wenn die Einkommen am Monatsende äußerst gering ist.“ Auch für Geflüchtete gibt es Veranstaltungen der Verbraucherzentrale, denn sie sind oft ein leichtes Opfer für Betrugsmaschen. So geht es bei den Veranstaltungen für Jugendliche und Erwachsene um den Umgang mit Geld oder „Wovon lebe ich, wenn ich alt bin“. Es gibt kompakte Informationen und praktische Hilfestellungen. 

Energieberater Carsten Peters übernimmt bei der Verbraucherzentrale die Bildungsveranstaltungen zu Energiethemen. So war das Zuschauerinteresse immer groß, zum Beispiel beim Schlabberkappes oder der Aktion „Sonne im Tank“ zum Thema Solarstrom. „Zum ersten Mal gab es auch direkte Nachfragen der Verbraucher zu erneuerbaren Heizenergien. Geschuldet ist dies dem heißen Sommer 2018“, erläutert Carsten Peters. Aber auch alle Themen rund um das Internet, „Lahmes Internet - wie Kundenrechte nicht auf der Kriechspur bleiben“, Datenschutz Grundverordnung und vieles mehr werden bei der Verbraucherzentrale angefragt.

Die Arbeit der Verbraucherzentrale in Zahlen 

Anfragen von Ratsuchenden: 6015, davon allgemeine Verbraucherberatung: 4828, davon Energieberatung: 1187, Veranstaltungskontakte: 4250, davon Energieberatung: 3245, Internetzugriffe auf die Seiten der Beratungsstelle: 5491. In Meschede gibt es seit zehn Jahren Beratungen der Verbraucherzentrale im Kreishaus, ebenso gibt es in Brilon die Verbraucherberatung. Montags und Donnerstags hat die Verbraucherberatung in Neheim bis 18 Uhr geöffnet. www.verbraucherzentrale.nrw/arnsberg

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