"Bei aller Dramatik wird auch Gutes geschaffen"

Hilfsangebote in Arnsberg in Zeiten der Coronakrise

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Die Hotline in Arnsberg soll "in schweren Zeiten" Ansprechpartner für die Bürger bieten.

Arnsberg - Das Leben der Arnsberger hat sich in kürzester Zeit maximal geändert, unser Alltag ist nicht mehr der, der er vor einigen Wochen noch war. Aktuell drehen sich all unsere Bemühungen darum, die weitere Ausbreitung des Coronavirus in den Griff zu bekommen. Die damit einhergehenden Einschränkungen im Alltag stellen alle Menschen vor so nie dagewesene Herausforderungen. Die Stadtverwaltung hat darauf reagiert und neue Hilfsangebote ins Leben gerufen.

Unmittelbar nach Bekanntwerden der Schul- und Kitaschließungen hat das Jugendamt der Stadt Arnsberg über das Wochenende eine Hotline aufgebaut, um Familien in Bezug auf die Betreuung von Kindern und Bürgern, die sich aufgrund der Coronakrise in einer Versorgungsnotlage befinden, schnell Rat und Unterstützung zukommen zu lassen. Die Hotline wird im Wesentlichen von erfahrenen Kita-Leitungen betrieben.

Die Öffnungszeiten wurden diese Woche ausgeweitet, sodass die Hotline unter der Tel. 02923/201-1102 nun von Montag bis Freitag von 8 bis 19 Uhr und Samstag und Sonntag von 8 bis 16 Uhr nutzbar ist.

Der Arnsberger Bürgermeister Ralf Paul Bittner betont, dass die Bürgerfreundlichkeit auch und gerade in Zeiten einer Krise äußerst wichtig ist: „Durch die Hotline erhalten in einer schweren Zeit viele Menschen schnell einen passenden Ansprechpartner und die passende Auskunft oder Beratung“. 

Tafel auf Rädern

Insgesamt erfolgten bisher 32 Fahrten, um „Bringdienste“ umzusetzen. 20 dieser Fahrten wurden in Kooperation mit der Arnsberger Tafel realisiert. Die Bringdienste können von Erzieherinnen der städtischen Kitas durchgeführt werden, da aktuell nur rund vier Prozent der üblichen Zahl von Kindern in den Kitas betreut werden.

Bezüglich der Bringdienste versteht sich die Hotline als offenes System. So werden die Bringdienste in Oeventrop von der Schützenbruderschaft umgesetzt. Gerne kooperiert die städtische Hotline auch mit anderen nichtkommerziellen Bringdiensten in weiteren Stadtteilen. Bei den Bringdiensten wurde vor allem für ältere Menschen Dinge des täglichen Bedarfs eingekauft. Bei den Übergaben des Eingekauften wird direkter Kontakt vermieden.

Die Kooperation mit der Arnsberger Tafel wurde deshalb ins Leben gerufen, weil die Coronakrise besondere Hygienemaßnahmen bei der Ausgabe der Tafel erfordert. Dadurch können nicht mehr so viele Menschen wie bisher versorgt werden. Vor der Coronakrise wurden 3000 Arnsberger von der Tafel versorgt. Einige ältere Menschen oder Menschen mit gesundheitlichen Vorschädigungen trauen sich nicht mehr aus dem Haus. Für sie können nun mit der Tafel auf Rädern Dinge des täglichen Bedarfs geliefert werden.

"Spannende Ideen und Projekte"

Durch die Hotline kam eine gute Zusammenarbeit mit der Tafel zustande. Aber auch eine ganze Reihe von städtischen Fachstellen und Fachdiensten arbeitet nun in einem Netzwerk zusammen, um den Arnsbergern in der Coronakrise möglichst passgenaue Unterstützung anzubieten.

In das Netzwerk sind eingebunden: Arnsberger Kontakt-  und Informationsstelle für Selbsthilfegruppen im Hochsauerlandkreis (AKIS im HSK), Engagementförderung der Stadt, Fachstelle Zukunft Alter, Familienbüro, Fachdienst Kindertagesbetreuung, der Allgemeine Soziale Dienst und die Arnsberger Tafel. Bürgermeister Bittner freut sich über die Zusammenarbeit im Netzwerk: „Durch das Zusammenwirken vieler kreativer Köpfe entstehen spannende Ideen und Projekte. Bei aller Dramatik der aktuellen Coronakrise wird so auch Gutes geschaffen.“

Durch alle im Netzwerk vertretenen Akteure werden die Hilfsangebote bekannt gemacht. Der Austausch im Netzwerk erfolgt aktuell aufgrund des physischen Kontaktverbotes vor allem telefonisch und über Videokonferenzen. So wird die Coronakrise zum Katalysator der Digitalisierung. Nach einigen Anfangsschwierigkeiten mit der Technik und deren Handhabung läuft die Kommunikation nun sehr gut. 

Familienbüro und Fachstelle Zukunft Alter 

Das Familienbüro der Stadt Arnsberg mit seinen insgesamt 24 pädagogischen Fachkräften werden für telefonische Unterstützung eingesetzt. So kommen die Mitarbeiter mit älteren Menschen in Kontakt, in dem sie sich nach der Zufriedenheit mit den realisierten Bringdiensten erkundigen. Nette Gespräche kommen in Gang, bei denen oft spürbar wird, dass die älteren Bürger sich allein fühlen und sich dies in der Isolation der Coronakrise noch verstärkt hat.

Christian Eckhoff, Leiter des Familienbüros, ist froh, dass er mit seinem Team dabei helfen kann: „Die Angerufenen sind sehr dankbar dafür, dass sich jemand für sie interessiert. Das sind sicherlich Erfahrungen, die auch über die Coronakrise hinaus tragen. Telefonische Besuche können auch langfristig helfen, Isolation zu vermindern.“

Über Skype soll der Kontakt zu Jugendlichen ermöglicht werden.

Mit Jugendlichen halten die Streetworker und die Schulsozialarbeiter aktuell über das Telefon, soziale Medien oder über Skype-Videokontakte die Verbindung. Es wird auch an einem Instagram-Channel gebastelt. 

Ältere Menschen zählen zu den vom Coronavirus besonders gefährdeten Gruppen. Gleichzeitig sind sie in besonderer Weise durch die Kontaktsperre von Einsamkeit und Isolation bedroht. Die Treffpunkte und Begegnungsorte im Stadtgebiet sind weggefallen. Die Fachstelle Zukunft Alter steht in Kontakt zu den Dienstleistern aus dem Unterstützungsbereich.

Um der drohenden Einsamkeit zu begegnen, veröffentlicht die Fachstelle Zukunft Alter zusammen mit einem bürgerschaftlichen Team nun in wöchentlichen Rhythmus die Publikation „Zukunft Alter aktuell“, die per Mail und Download den Weg in die Wohnungen der Menschen finden soll, die besonders unter Einsamkeit leiden.

„Hier werden neben wichtigen Informationen aus Arnsberg und Anregungen, wie man helfen kann auch Geschichten für das Herz veröffentlicht, die in diesen Tagen ein wenig Freude schenken können“, sagt Martin Polenz von der Fachstelle Zukunft Alter. Die Ausgaben werden über unseren Mailverteiler versendet und sind über www.arnsberg.de/zukunft-alter abrufbar.

Bilder für Menschen in Altenheimen

Die Fachberatung Kindertagesbetreuung stellt aktuell gemeinsam mit Kita-Leitungen und Mitarbeiterinnen von Kitas zusammen, wie Kinder in der Isolationssituation gut gefördert und zuhause beschäftigt werden können. Die Handreichungen sollen Stück für Stück ab nächster Woche über die Kitas und deren Elternbeiräte an die Familien verteilt werden. Weitere Ideen werden bereits angegangen. So werden von den Kitas Bilder für die Menschen in Altenheimen gemalt. Kontakte, die bereits vor der Coronakrise von Kitas zu Altenheimen bestanden haben, sollen nun mit Skype-Videoübertragungen fortgeführt werden.

Kinder sollen in der Isolationssituation gut gefördert und beschäftigt werden.

Der Allgemeine Sozialdienst hat seine telefonische Erreichbarkeit in der Coronakrise verbessert Tel. 02932/201-1666. Es ist anzunehmen, dass mit zunehmender Dauer der Schul- und Kitaschließungen Konflikte in der häuslichen Isolation zunehmen. Um dem entgegenzuwirken, stellt der ASD gerade gemeinsam mit der Erziehungsberatungsstelle Hinweise zusammen, wie man die Isolationssituation als Familien möglichst gut übersteht und welche Beratungsmöglichkeiten es im Konfliktfall gibt.

Die Mitarbeiterinnen des Wendepunkts stehen allen Hifesuchenden auch weiterhin zu den üblichen Zeiten zur Verfügung, auch wenn derzeit keine persönlichen Kontakte möglich sind. Beratungsgespräche werden telefonisch durchgeführt (Tel. 02932/201-2208, Terminvereinbarung oder Kontaktaufnahme über Martina Eckert) auch per mailkontakt unter wendepunkt@arnsberg.de

"Viel Engagement spürbar"

Der Kooperationsverbund hat noch viele darüber hinaus gehende Ideen: So sollen gesponsorte Tablets älteren Menschen helfen, die Kontakte zu Freunden und Verwandten in der Isolation aufrecht zu erhalten. Es werden zudem Gespräche mit der städtischen Bücherei geführt, Menschen in Isolation Bücher zu bringen. 

Die initiierten Projekte stellen eine gelungene Teamleistung der Verwaltung dar. „ Hier ist viel Engagement spürbar. Die städtischen Mitarbeiter sind mit Elan dabei, passgenaue Angebote zu realisieren“, so Michael John, Fachbereichsleiter Schule, Jugend, Familie. Viele Freiwillige melden sich bei der Hotline. Seiner Meinung nach war die Förderung des gesellschaftlichen Zusammenhalts und die Verbindung von Jung und Alt auch vor der Coronakrise ein wichtiges Thema. Nun muss man sich der Herausforderung stellen, Verbindungen zu schaffen, ohne sich näher als zwei Meter zu kommen. Hier bietet die Digitalisierung einiges an Möglichkeiten.

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