Graugänse, Stockenten, Kaninchen und Co.

Hüstener Ehepaar kümmert sich um tierische Findelkinder

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Alice und Peter Bexen haben ein Herz für Findeltiere und peppeln mutterlose Vögel wieder auf.

Hüsten. Kleine, flauschige, hilflose, meist piepsende Findelkinder rühren schon lange ihr Herz. 1999 haben Alice und Peter Bexen angefangen, Tiere zu versorgen, um die sich keiner kümmern will. Viele, die einen kleinen vermeintlich mutterlosen Vogel entdecken, finden meist ziemlich schnell den Weg zu den Bexens in Hüsten. Inzwischen ist die Tierpflege zu einem Job geworden, der 24 Stunden in Anspruch nimmt.

Denn die ganz kleinen Tiere wollen auch nachts gefüttert werden. Aber nicht nur der Hunger treibt sie um. Vögel, Enten, Kanadagänse und Co. brauchen statt der Wärme ihrer Mutter eine Wärmflasche. Wo man auf dem Grundstück hinschaut, blickt man auf anrührende Szenen. Auch im Haus spielt sich Bemerkenswertes ab.

An vielen Stellen schnattern die „Pflegekinder“ von Alice und Peter Bexen in Hüsten um die Wette - so auch, als Alice Bexen das Gatter zu den Hühnern öffnet: „Die bekommen wir zum Teil aus Legebatterien, weil sie sonst getötet würden. Aber es sind auch welche aus Beschlagnahmungen dabei, wenn der Besitzer sich nicht um die Tiere gekümmert oder sie nicht artgerecht gehalten hat“. Etwas weiter warten schon aufgeregt die Kanadagänse Ilse, Johannes und Frieda auf Salatköpfe. Johannes wird wohl nie fliegen können. Er hat Kippflügel, die ihm das unmöglich machen. 

Ganz in ihrer Nähe mümmelt ein Kaninchen an einem Salatblatt. „Er macht uns im Moment etwas Sorgen, denn er knabbert den Maschenzaun durch und vergnügt sich dann mit den Kaninchen vom Nachbarn. Bald bekommt er eine Artgenossin, damit er sich nicht langweilt. Aber natürlich sind alle Tiere kastriert“, berichtet Alice Bexen. 

Gustl ist der Herr im Gehege

Die Tierliebhaberin lässt durchblicken, dass sie dringend einen neuen Zaun für die beiden braucht, einen Wilddraht. Schön wäre es, wenn Hilfe von außen käme, denn die Bexens tragen alle Kosten, die durch die Tiere entstehen, selbst. 

Verlässt Ganter Gustl das Gehege "seiner Stockenten", fangen diese sofort an zu jammern, wie Peter Bexen berichtet.

Beim Betreten des Hauses merkt der Besucher, dass auch hier die Tiere im Vordergrund stehen. Peter Bexen geht ein paar Stufen hinauf zu einer Graugans. Sie ist schon recht groß gewachsen, trägt allerdings noch den Flaum der Gänsebabys. Genau genommen ist es keine Gans, sondern ein Ganter: Gustl. Er scheint der Herr in diesem kleinen Gehege zu sein. Ihm zu Füßen kuscheln sich mehrere Stockenten. „Nehme ich Gustl heraus, fangen sie sofort an zu jammern“, schildert Peter Bexen. 

Auch Gustl und seine Enten sind von Menschen gebracht worden, die glaubten, die kleinen Tiere, die da am Boden hockten, retten zu müssen. Das Ehepaar appelliert an alle, die glauben den Retter spielen zu müssen: „Die Mütter der Tiere halten sich immer in der Nähe auf. Sie verlassen ihre Kinder nicht. Bitte lassen Sie die Tiere dort, wo sie sind“. 

Mit den Ponys zum Bäcker

Es ist nicht einfach, solch ein Tier groß zu ziehen. Peter Bexen erläutert: „Sie müssen auch nachts gefüttert werden. Manchmal geht es nicht anders, als neben den Tieren zu schlafen, weil sie wirklich alle Stunde anfangen zu schnattern“. Sind die Tiere dann groß genug und gesund, werden sie ausgewildert - so auch Bussard und Habicht, die schon in Hüsten zu Gast waren. 

Ein paar Treppen höher ist die Wohnung der Bexens. Begrüßt wird man von einem freundlichen Golden Retriever, das könnte auch in jeder anderen Wohnung passieren. Aber dann bemerkt man ein schwarzes umher hüpfendes Etwas - es ist Manni, die Rabenkrähe. Auch sie kann nicht fliegen und hat hier eine neue Heimat gefunden. So wie die beiden Ponys, die sich auf der anderen Seite des Grundstücks eine Wiese teilen. Mit ihnen geht Alice Bexen schon mal zum Bäcker. 

Erstaunlich ist das große Wissen, dass sich die beiden Tierliebhaber und Tierschützer angeeignet haben. „Zu jedem Tier, das wir bekommen, aber nicht kennen, lesen wir uns erst einmal ein, damit wir auch alles richtig machen“, so Alice Bexen. Der große Wunsch der beiden ist, dass ab und zu mal eine Spende käme, zum Beispiel von den Menschen, die das Gelände besuchen und über die Vielfalt staunen, sich aber keine Gedanken darüber machen, wer das Futter bezahlt. Aber auch ohne Spenden würden Alice und Peter Bexen ihre Tiere nie im Stich lassen.

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