Familien, Senioren und "Baby-Boomer" im Blick

Humanitärer Beirat diskutiert mögliche neue Projekte für Arnsberg

Bürgermeister Ralf Paul Bittner begrüßte die Gäste beim dritten Treffen des Humanitären Beirats.

Arnsberg. Sehr gut besucht war jetzt die dritte Sitzung des von Bürgermeister Ralf Paul Bittner ins Leben gerufenen Humanitären Beirates. Dabei ging es ihm nun darum, das Profil des Gremiums langfristig zu schärfen. Nachdem Michael John, Fachbereichsleiter Schule, Jugend, Familie, den Demografiebericht für die Stadt Arnsberg präsentiert hatte, ging es in Gruppenarbeit zu verschiedenen Themen weiter, um hier intensiv eigene Ideen und Meinungen zu diskutieren.

Die Arbeitsgruppe „Familien zwischen Erziehungsauftrag und Arbeitswelt“ wurde von Michael John geleitet. Dabei wurde unter anderem die immer größer werdende Doppelbelastung zwischen Familie und Beruf angesprochen. 

Im Gegensatz zu früher könnte immer weniger auf die Großeltern als Kinderbetreuung zurückgegriffen werden – denn diese verfolgen immer mehr berechtigterweise auch ihre eigenen Interessen und sind selbst im hohen Alter noch aktiv. Die Teilnehmer nannten darauf aufbauend viele Ideen zur Verbesserung der Situation, wie etwa durch Home Office, Betriebskindergärten, mehr Randzeitenbetreuung in Kitas und eine zentrale Plattform, die verschiedene Freizeitangebote für Kinder zusammenführt. Michael John sicherte zu, die vielen konstruktiven Ideen weiterzuverfolgen und auf ihre Umsetzbarkeit zu prüfen. 

In der Arbeitsgruppe „Dialog der Generationen im Quartier“, die von Marita Gerwin und Martin Polenz (Zukunft Alter) geleitet wurde, kamen ebenfalls viele Ideen und Anregungen dazu zusammen, wie der Dialog noch besser gelingen kann. Hier entwickelte sich eine rege Diskussion zur fehlenden Transparenz über die Möglichkeiten zur kostengünstigen Mitnutzung von Räumen und Treffpunkten in den einzelnen Stadteilen. Vereinbart wurde konkret, eine stadtweite Abfrage zu organisieren, zu welchen Konditionen „wer-wo-welche“ Räume zur Verfügung stellen würde. 

Konzept "Radeln ohne Alter" wird angestrebt

Auch die Spiel-Modul-Reihe „KiDzeln - Kindern Demenz erklären“ wurde vorgestellt – eine Weiterbildung zur Vorbereitung der Begegnungen zwischen Kindern und älteren Menschen. Interessierte Organisationen und Einzelpersonen können sich an die Fachstelle Zukunft Alter Arnsberg wenden, um mehr zu erfahren. Bei Interesse, kann diese Qualifizierung in Arnsberg angeboten werden. Eine weitere Idee bestand darin, Senior-Experten zu generieren, die ihr Wissen jungen „Start Up“ Unternehmen zur Verfügung stellen. Die Kontakte zu den interessierten Studierenden an den Universitäten, Fachhochschulen und Hochschulen in der Region könnten zeitnah durch Absolventen aufgebaut werden, mit dem Ziel, ein Experten-Pool aufzubauen. 

Als weiteres Projekt wurde das in Stockholm entwickelte Konzept „Radeln ohne Alter - Recht auf Wind im Haar“ diskutiert (ehrenamtlich Rikscha-Ausfahrten mit Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen). Es wurde vereinbart, mit den Städten Lippstadt und Bonn zeitnah Kontakt aufzunehmen, die das Konzept bereits umsetzen, ggf. einen gemeinnützigen Verein zu gründen, die gemeinsam in Arnsberg dieses Mobilitäts-Projekt entwickeln möchten. Interessierte können sich an die Fachstelle Zukunft Alter Arnsberg wenden, um an der Weiterentwicklung dieser Idee mitzuwirken. 

Welche Bedürfnisse haben "Babyboomer"?

In der dritten Arbeitsgruppe „Die Babyboomer gehen in Rente – wie und wo wollen sie wohnen“ (geleitet von Bettina Dräger-Möller und Karl Sold, Stadtentwicklung), wurden die geburtenstarken Jahrgänge der 1950er bis 1960er Jahre in den Fokus der Betrachtung gestellt. Allein in Arnsberg wird in den nächsten 10 Jahren die Altersgruppe der 60 bis 75-Jährigen um fast 4000 Personen anwachsen. Die Babyboomer sind geprägt durch gesellschaftliche Umbrüche wie z.B. der Ära ‘Willy Brand’ und den Mauerfall oder den Frauen-, Friedens- und Umweltbewegungen der 1970er und 1980er Jahre. 

Es bestand Übereinstimmung, dass sich diese Generation von vorherigen Generationen unterscheidet. Sie ist besser ausgebildet, offener, mobiler und flexibler und geht oftmals noch sehr aktiv und vital in den Ruhestand. Welche neuen Bedürfnisse und Ansprüche an entwickeln nun diese Babyboomer? Zunächst wurde der Wunsch nach stadtnahen Wohngebieten mit einem guten Mix von Jung und Alt und Familien und Alleinstehenden geäußert. Insbesondere wurde auch die Bedeutung der barrierefreien Zugänglichkeit in räumlicher und kommunikativer Hinsicht von Wohngebieten, Wohnungen und Treffpunkten hervorgehoben. Das Wohnen in den „eigenen vier Wänden“ wird bis in das hohe Alter favorisiert. Um dies zu ermöglichen, wird es aber darauf ankommen, sich immer wieder selbst aktiv und kontinuierlich mit der eigenen Wohn- und Lebenssituation auseinander zu setzen, um rechtzeitig Anpassungen vornehmen zu können und Hilfssysteme anzufordern.

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