Lage stabil, Erwartungen gering

IHK-Konjunkturumfrage: So blickt die heimische Wirtschaft auf das Jahr 2020

Foto (v.l.): Nicolas Heiderich (REWE-Markt, Anröchte), Martin Feldhaus (Feldhaus Bauunternehmung, Schmallenberg), IHK-Präsident Andreas Rother (ahd, Ense), Alexander Koch (HEKO Ketten, Wickede), IHK-Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange, IHK Chef-Volkswirt Stefan Severin, Danny Meurs (Vakantiehotel Der Brabander, Winterberg) und Friedrich Knipschild (HUNAU – Reisen Ferdinand Knipschild, Schmallenberg).
+
Stellten die Ergebnisse der IHK-Konjunkturumfrage vor: Foto (v.l.): Nicolas Heiderich (REWE-Markt, Anröchte), Martin Feldhaus (Feldhaus Bauunternehmung, Schmallenberg), IHK-Präsident Andreas Rother (ahd, Ense), Alexander Koch (HEKO Ketten, Wickede), IHK-Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange, IHK Chef-Volkswirt Stefan Severin, Danny Meurs (Vakantiehotel Der Brabander, Winterberg) und Friedrich Knipschild (HUNAU – Reisen Ferdinand Knipschild, Schmallenberg).

Hochsauerland/Arnsberg – „Die wirtschaftliche Lage ist branchenübergreifend stabil“ – mit dieser Botschaft fasste die Industrie- und Handelskammer Arnsberg die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage zusammen. Um den Jahreswechsel befragte die Kammer erneut Unternehmen in der Region Hochsauerland-Hellweg zu Beurteilung und Erwartung der Wirtschaftslage, in dieser Woche stellte sie die Auswertung der rund 450 Antworten vor.

Knapp 50 Prozent der teilnehmenden Unternehmen bewerten die aktuelle Wirtschaftslage als befriedigend, mehr als 40 Prozent als gut. Der Blick ins Detail zeigt: In der Bauwirtschaft (57,9 Prozent gut) und im Gastgewerbe (52,3 Prozent gut) sind die Aussichten sogar noch besser. 

In der Industrie macht sich jedoch allmählich Pessimismus breit und drückt die Erwartungen. So rechnen 31,5 Prozent mit einer Verschlechterung der Lage. „Allerdings muss man sagen, dass sich diese Bewertung im Vergleich zur Herbstumfrage bereits verbessert hat“, macht IHK-Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange deutlich. Da waren noch 46 Prozent pessimistisch. 60 Prozent der Unternehmen insgesamt gehen aber davon aus, dass die Geschäfte unverändert bleiben. „Was das Konjunkturklima angeht, so gehen wir davon aus, dass der Bodensatz erreicht ist“, so IHK-Chefvolkswirt Stefan Severin. Der Wert sei aber weiter im Wachstumsbereich. 

Unternehmen klagen über Bürokratie

Als Konjunkturrisiken gelten an erster Stelle weiterhin der Fachkräftemangel, gefolgt vom Inlandsabsatz und an dritter Stelle den wirtschaftpolitischen Rahmenbedingungen. „Ein ganz großes Thema und auch Ärgernis ist für die Unternehmen die Bürokratie“, so Severin weiter. Verbessert haben sich die Exporterwartungen insgesamt, jedoch sehen 42 Prozent der Befragten aus Industrie und Großhandel Gefahren aus dem Export für die gesamtwirtschaftliche Entwicklung. Aber: „Die befürchteten Auswirkungen globalwirtschaftlicher Veränderungen wie Protektionismus, Handelsstreit und Brexit sind bislang ausgeblieben“, so Dr. Ilona Lange. 

Positiv fällt der Blick auf die Investitionsabsichten aus: 31,4 Prozent wollen mehr investieren, darunter besonders Gastgewerbe und Einzelhandel. „Auch wenn aktuell der Schnee fehlt, sind die Wochenenden voll. Auch der Blick auf die Buchungen für Sommer ist positiv“, berichtet Danny Meurs vom Tourismusunternehmen „Der Brabander“ in Winterberg. Angezogen habe insgesamt das Investitionsthema Umweltschutz, 26 Prozent der Befragten gaben an, in diesem Bereich zu investieren. 

Besonders im Bereich Tourismus und Gastgewerbe blicken die Betriebe positiv auf das Jahr 2020.

Vorerst beendet scheint laut IHK hingegen der Beschäftigungsaufbau: 17,6 Prozent wollen mehr einstellen, 23,3 Prozent rechnen mit Personalabbau (darunter 34,7 Prozent Industrie). „Die Unternehmen planen vorsichtiger“, so die Einschätzung von Stefan Severin. Nach wie vor sei die Beschäftigung aber hoch und damit auch die Kaufkraft stabil, so die IHK. Kein Beschäftigungsabbau ist in der Bauwirtschaft geplant, im Gegenteil: „Was uns am meisten weh tut, sind die fehlenden Arbeitskräfte“, so Martin Feldhaus, Bauunternehmer aus Schmallenberg. „Ich könnte zwar noch drei Bagger kaufen, aber habe die Mitarbeiter nicht dafür“, verbildlichte er die Situation in seiner Branche. 

Fehlende Fachkräfte sind darüber hinaus in der Verkehrsbranche ein großes Thema, IHK-Präsident Andreas Rother bemängelt sie aber auch als Unternehmer in der IT-Branche. „Es geht nichts mehr ohne, IT ist überall ein Muss. Ich bekomme auch Menschen für die Software und welche für die Infrastruktur, aber wir benötigen auch beides in einer Person.“ Wenn die nötigen Fachkräfte nicht da seien, gingen manche Entwicklungen nicht weiter, was sich dann auch auf andere Branchen auswirke. Die Auftragslage sei weiterhin sehr gut, so Rother, unter anderem der Bereich IT-Sicherheit spiele eine immer größere Rolle.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare