Verschiedene Wege, um dem Fachkräftemangel entgegenzuwirken

IHK-Konjunkturumfrage: Heimische Wirtschaft geht zuversichtlich in das neue Jahr

Zuversichtlich ins neue Jahr gehen Dr. Arne Kohring, Bernhard Häger, Dr. Ilona Lange, Andreas Knappstein, Andreas Rother, Stefan Severin und Daniela Tigges (v.li.). Foto: Rebecca Weber

Arnsberg/Hochsauerland. Die Stimmung in Industrie und Handel in der Region ist gut, auch wenn beim Blick auf 2019 einige Unwägbarkeiten zu erkennen sind. Dies ist das Ergebnis der Konjunkturumfrage zu Jahresbeginn, die die IHK Arnsberg in dieser Woche vorstellte. Die Industrie- und Handelskammer ermittelte das Stimmungsbild auf Basis von Einschätzungen zur wirtschaftlichen Lage, Risiken und Zukunftsplänen von rund 480 Unternehmen.

Der IHK-Konjunkturklimaindikator – er berücksichtigt Lage- und Erwartungsurteile – ist seit vergangenem Herbst um zwei auf 119 Punkte gefallen. „Damit ist die Stimmung noch immer auf einem guten Niveau“, unterstrich Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange. 

Ein Blick auf die Ergebnisse im einzelnen zeigt, dass mehr als 90 Prozent der Unternehmen ihre Lage als gut oder befriedigend bewerten, auch wenn die Konjunktur in den vergangenen zwölf Monaten etwas an Schwung verloren habe. Besonders ragt hier der Bereich Bauwirtschaft heraus, 92,2 Prozent bewerten die Lage als gut und 8,8 Prozent als befriedigend. „Das ist schon ungewöhnlich gut“, ordnete IHK-Chefvolkswirt Stefan Severin das Ergebnis ein. Die Kapazitäten seien gut ausgelastet, die Lage in allen Branchen gut. 

Bei den Erwartungen habe die gute Stimmung im Vergleich zur Herbstumfrage wieder etwas angezogen. „Die Unternehmen sind zuversichtlich, wir werden ein Ende des Aufschwungs noch nicht sehen“, so Severin. Besonders hervorzuheben sei der Boom in der Bauwirtschaft, der nochmals eine Steigerung erwartet. Allerdings rechnen auch 17 Prozent der Unternehmen mit einer Verschlechterung. Besonders pessimistisch äußert sich die Verkehrsbranche, kein Unternehmen geht von einer Zunahme der Geschäftstätigkeit aus. 

Das Konjunkturklima in der Industrie zeigt, dass es in der Elektrotechnik aufwärts geht. Die Metallindustrie bereite jedoch Sorgen. Die sinkenden Werte führte Stefan Severin unter anderem auf erschwertes Exportgeschäft zurück. Wobei die Exporterwartungen in Industrie und Großhandel positiv sind. „Die Unternehmen gehen davon aus, dass es auch 2019 noch Luft nach oben gibt.“ Jedoch werde die Auslandsnachfrage kritisch beäugt. 

„Für Wettbewerb gerüstet“ 

Als stabil beurteilt der Volkswirt derweil die Investitionsabsichten der Unternehmen. Rund 30 Prozent planen mehr zu investieren – unter anderem in Produktinnovationen, Kapazitätsausweitungen, Rationalisierung und Umwelt. Aber auch Modernisierungen und Investitionen in Digitalisierung seien große Themen: „Die Unternehmen bereiten sich auch auf andere Zeiten vor und sind so für den Wettbewerb gerüstet“, erläutert Stefan Severin. Rund 20 Prozent planen Neueinstellungen. „Die Unternehmer sind sich bewusst, dass sie in Zukunftstechnologien und neue Produkte investieren müssen, um die aktuell gute Wettbewerbsposition zu halten.“ Doch auch die Politik sei gefordert, damit die Unternehmen am Weltmarkt erfolgreich sind. „Die Unternehmen in Deutschland benötigen einen spürbaren Bürokratieabbau und eine moderne Infrastruktur. Zudem zahlen sie im internationalen Vergleich hohe Steuern“, fasst Rother drängende Themen zusammen. Die Konjunkturrisiken werden angeführt vom Fachkräftemangel, aber auch Arbeitskosten, Energie- und Rohstoffpreise und wirtschaftliche Rahmenbedingungen sind wichtige Themen für die Unternehmen. 

Der IHK-Konjunkturklimaindikator – er berücksichtigt Lage- und Erwartungsurteile – ist seit vergangenem Herbst um zwei auf 119 Punkte gefallen.

Dem Fachkräftemangel begegnen die Branchen mit unterschiedlichen Ansätzen: „Wir starten eine noch intensivere Ausbildungskampagne“, berichtete der IHK-Präsident als Geschäftsführer der ahd GmbH in Ense. „Variable und mitarbeiterbezogene Arbeitszeiten werden immer mehr gewünscht, Homeoffice ist bereits selbstverständlich. Am Ende ist das ein Riesenpaket.“ Es sei Flexibilität gefragt, um gute Mitarbeiter zu bekommen und zu halten. In der Gastbranche sei der Fachkräftemangel ein Riesenthema. „In Schmallenberg gibt es zum Beispiel das Projekt #GAST (Gerne arbeiten im Schmallenberger Tourismus) mit Workshops für Arbeitgeber und Mitarbeiter. Dann gibt es auch Hotels, die von Vollverpflegung auf Hotel Garni (nur Frühstück), umstellen, weil einfach das Personal fehlt“, berichtet Daniela Tigges vom Familotel Ebbinghof. Es werde immer schwieriger Leute zu finden, auf die man sich verlassen kann. 

Schwer habe es auch die Verkehrswirtschaft. „Sicherlich hat es unsere Branche verpasst, in den vergangenen Jahren ein vernünftiges Image aufzubauen“, gab Spediteur Bernhard Häger aus Bestwig zu bedenken. Geregelte Arbeitszeiten seien schwer zuzusichern. „Aber wenn es der Wirtschaft gut geht, haben wir auch genug zu tun“, verdeutlichte er den Bedarf an Mitarbeitern. Er selbst ist auf der Suche nach Auszubildenen bereits einen ungewöhnlichen Weg gegangen und hat Auszubildenen einen Pkw als Anreiz angeboten. 

„Nach außen und innen attraktiv sein“ 

Andreas Knappstein vom gleichnamigen Möbelhaus sprach das Employer-Branding an: „Man muss nach außen attraktiv sein, aber auch eine Marke nach innen sein.“ Dies griff auch Dr. Arne Kohring (Infineon Technologies) auf: „Entscheidend ist, dass man sich attraktiv darstellt. Außerdem müssen wir unsere Standortvorteile aktiv bewerben“, nannte er die Grundstückspreise der Region im Vergleich zu München als Argument für die Region. 

Ein erfolgreiches Projekt, mit dem die IHK dem Fachkräftemangel begegnet, sprach Dr. Ilona Lange an: die Teilqualifizierung. In Kürze werde der 1000. Teilnehmer ausgezeichnet. Bei der Teilqualifizierung werden Arbeitnehmer über einen vergleichsweise kurzen Zeitraum in verschiedenen Modulen im technischen oder kaufmännischen Bereich geschult, der nicht ihr ausgebildeter Beruf ist. Am Ende steht eine Kompetenzfestellung. Dieses Angebot sichere die eigene Beschäftigungsfähigkeit und biete für Unternehmen die Chance, bereits vorhandene Potentiale im eigenen Betrieb zu nutzen. „Es hilft den Menschen und es hilft der Wirtschaft“, fasste Andreas Rother zusammen.

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