"Inklusion soll gelebt werden"

Bei der Podiumsdiskussion (v.li.): Claudia Brozio, Gerd Stüttgen, Norbert Killewald und Dirk Wiese. Foto: Decker

Die UN-Behindertenkonvention sagt: …wir werden behindert - ausdrücklich nicht, wir sind behindert. Das drückt schon sehr viel aus von dem, was Inklusion bewegen will. Der Weg soll in eine Gesellschaft führen, die Behinderung als das ansieht, was es ist: Ein Stück Normalität! Der SPD-Unterbezirk HSK und der Stadtverband Arnsberg hatten zu diesem Thema den Landesbehindertenbeauftragten Norbert Killewald zu einem Vortrag eingeladen.

"NRW will den Weg in die Inklusion gehen", so Norbert Killewald. "Die gesetzlichen Maßnahmen hier zu werden auf den Weg gebracht. Die UN-Konvention gibt den Staaten nicht das Wie, aber die Pflicht der frühzeitigen Beteiligung vor." Mahnend fügte Killewald hinzu: "Arnsberg muss jetzt damit beginnen, die Beteiligung umzusetzen und nicht zu warten, bis Vorgaben gemacht werden."

Dies fängt bei den bevorstehenden Veränderungen in der Landesbauordnung an, die unter anderem Aufzüge in öffentlichen Gebäuden breiter und Wohnungen barrierefrei machen will. Diese Veränderung soll auch mit sich bringen, dass bei öffentlichen Baumaßnahmen die Behindertenvertreter gehört werden müssen.

Auf großes Interesse stieß das Thema Schule und Inklusion. "Das Recht auf inkludierte Bildung wird rechtzeitig verankert werden. Das Angebot des gemeinsamen Lernens wird mit der Zustimmung des Schulträgers entstehen", erklärte Killewald. Die Schulaufsicht schlägt in Abstimmung mit dem jeweiligen Schulträger mindestens eine Schule für inkludiertes Lernen vor. Ein ehrgeiziges Ziel nannte Killewald es, dass Gutachter für 2020/2021 eine 85-prozentige Inklusion von Kindern und Jugendlichen in der Primar- und Sekundarstufe eins erwarten. "Dies ist nicht meine Meinung", fügte der Landesbehindertenbeauftrage hinzu. Bei der anschließenden Podiumsdiskussion plädierte Claudia Brozio, Schulleiterin der Ruth-Cohn-Schule, neben dem Weg der Inklusion ebenfalls für den Erhalt der Förderschulen. "Es gibt ein Recht auf sonderpädagogischen Förderbedarf. Nicht alle Schüler mit unterschiedlichem Schweregrad der Behinderung werden in Schulen mit inkludiertem Unterricht eingebunden werden können. Wir müssen hier mit großem Bedacht vorgehen, was die Kinder wirklich brauchen." Claudia Brozio nahm auch den weiteren Werdegang der Schüler in den Blick. "Inklusion ist eine gesellschaftliche Aufgabe. Vereine und Arbeitgeber müssen mit an diesem Gedanken arbeiten." Einen weiteren Aspekt fügte sie noch hinzu: "Es gibt schon heute in allen Schulformen Inklusion, allerdings gibt es nicht genug Sonderpädagogen, die bei der Inklusion in den Schulen mitarbeiten müssen. Das Umsetzen der Inklusion kann aber auch nicht auf dem Rücken der Sonderpädagogen geschehen, hier müssen alle Beteiligten an einem Strang ziehen".

Meinolf Franke von der Behinderteninteressenvertretung der Stadt Arnsberg merkte an: "Das Wort Inklusion macht mir Angst." Franke würde es herunter brechen auf "die Teilhabe am öffentlichen Leben". Eine der Mitarbeiterinnen der AWO nahm dies auf und erinnerte daran, dass Menschen mit Behinderungen und die Menschen ohne Handicap nicht sehr viele Berührungspunkte hätten, weil sie eben immer noch nicht genug in der Öffentlichkeit vertreten wären. Bei den Wortmeldungen kam auch der Hinweis darauf, dass gesellschaftliche Foren sich im öffentlichen Diskurs auseinandersetzen sollten. Die Bürger müssten sich auf die Inklusion vorbereiten. Die Schlussworte der Podiumsdiskussion gingen dahin, dass die Vielfalt der Gesellschaft als selbstverständlich angesehen werden solle und dass in ein paar Jahren über die Inklusion nicht mehr geredet, sondern sie gelebt werden solle.

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