„Vielfältigkeit als Reichtum sehen“

„Interreligiöser Spaziergang“:  Zeichen für den Frieden und gegen Rassismus setzen

Interreligiöser Spaziergang Neheim Engel Kulturen
+
Verbundenheit vor dem „Engel der Kulturen“: Die Vertreter der AG christlich-muslimischer Dialog möchten mit ihrer Aktion „Interreligiöser Spaziergang“ ein Zeichen für ein friedliches Miteinander setzen.

Die Verbundenheit der verschiedenen Kulturen in Arnsberg zu stärken – das hat sich die Arbeitsgemeinschaft christlich-muslimischer Dialog zur Aufgabe gemacht. Mit ihrem neuesten Projekt, einem „Interreligiösen Spaziergang“, möchten die Vertreter der verschiedenen Glaubensgemeinschaften am morgigen Samstag, 3. Oktober, um 15 Uhr in Neheim ein Zeichen für den Frieden und gegen Rassismus und Antisemitismus setzen.

Neheim – Weltoffen und vielfältig – so charakterisieren die Vertreter der AG christlich-muslimischer Dialog ihre Heimat Arnsberg. „Hier in Arnsberg herrscht viel Offenheit. Die Flüchtlingskrise hat ja auch gezeigt, dass wir hier zusammenhalten“, betont Rochdi Koubaa, Vorsitzender des Marokkanischen Kulturvereins Arnsberg, der vor allem „die gesunde Mischung“ in Arnsberg schätzt.

Mit dem „Interreligiösen Spaziergang“ soll nun für den Erhalt dieser Vielfalt und für das Miteinander der Kulturen ein Zeichen gesetzt werden. „In der Coronazeit hat man ja viel Zeit zum Nachdenken und seine Wünsche auszusprechen. Ich denke, dass Frieden der Wunsch aller Teilnehmer ist“, so Koubaa. So heißt das Motto der Aktion am morgigen Samstag auch passend „Für Frieden“. „Wir wollen damit gemeinsam zum Ausdruck bringen, dass wir für etwas sind, nämlich für den Frieden. Ein friedliches Zusammenleben sollte ja eigentlich selbstverständlich sein, in Deutschland ist es aber nicht selbstverständlich“, verdeutlicht Veranstaltungsleiter Udo Arnoldi, Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde in Neheim, im Hinblick auf rassistische Vorfälle wie etwa in Hanau oder Halle in jüngster Vergangenheit.

Den Veranstaltungstag haben die Organisatoren dabei bewusst gewählt. Der Tag der Deutschen Einheit sei ein passender Tag um zu zeigen, dass man gemeinsam in einem Land leben könne. Außerdem findet am 3. Oktober traditionell bundesweit der Tag der Offenen Moschee statt. „Aufgrund der aktuellen Situation ist es ja schwierig den Tag der Offenen Moschee in gewohnter Weise zu feiern. Also gehen wir nun in die Öffentlichkeit, um unseren Beitrag zum friedlichen Zusammenleben zu leisten“, erklärt der evangelische Pfarrer.

Erinnerung an die jüdische Gemeinde von Neheim bewahren

Ausgangspunkt der Veranstaltung ist die Moschee auf der Langen Wende. Nach der Begrüßung durch Udo Arnoldi und eines Vertreters der muslimischen Gemeinde, die Ansprachen gegen Rassismus halten, möchten sich die Vertreter der verschiedenen Glaubensgemeinschaften gemeinsam mit allen interessierten Bürgern „auf den Weg machen“. Von der Langen Wende aus verläuft der „Interreligiöse Spaziergang“ an zentralen Punkten wie dem Bexleyplatz und der St. Johannes Kirche vorbei bis hin zur Christuskirche, vor deren Mauern der „Engel der Kulturen“, ein Symbol für Toleranz, interkulturellem Dialog und interreligiösem Miteinander der Weltreligionen Christentum, Islam und Judentum als sichtbares Zeichen dient. Über den Gransauplatz führt der Weg dann auch an der ehemaligen Synagoge auf der Mendener Straße vorbei, die der Zerstörung in der Reichspogromnacht entgangen ist und heute als „Haus der Jäger“ vom Jägerverein genutzt wird. Mit einer Ansprache gegen den Antisemitismus auf dem gegenüberliegenden Schulhof der Graf-Gottfried-Schule möchte Thomas Bertram, Vorsitzender des katholischen Bildungswerks, dort alle Teilnehmer dazu animieren, „die Erinnerung an die jüdische Gemeinde von Neheim zu bewahren“. Dieses Gedenken soll mit einem besonderen symbolischen Akt beim Passieren des jüdischen Friedhofs verstärkt werden. „Wir werden dort schweigend entlang gehen und dadurch der Opfer der Shoa gedenken und auch der Opfer der Möhnekatastrophe“, so Thomas Bertram.

Ziel des „Friedensspaziergangs“

Ziel des „Friedensspaziergangs“ soll schließlich das Franz-Stock-Denkmal vor der St. Johannes Kirche sein. Franz Stock stehe wie kein anderer für Frieden und Verständigung. „Er hat sich damals für die deutsch-französische Freundschaft eingesetzt. Er wollte alte Feindschaften beenden und Vorurteile abbauen“, begründet Udo Arnoldi die Wahl des Endpunkts. Mit Ansprachen von Pfarrer Stephan Jung, St. Johannes Baptist Neheim und Voßwinkel, Bürgermeister Ralf Paul Bittner und eines Vertreters des Integrationsrats findet die Veranstaltung schließlich gegen 16.30 Uhr einen würdigen Abschluss. Außerdem soll mit Friedensgebeten auf deutsch und arabisch ein passender Schlusspunkt gesetzt werden. Für alle, die nach dem Spaziergang noch mit anderen Teilnehmer ins Gespräch kommen wollen, gibt es noch ein kleines Picknick auf der Marktplatte.

Die Vertreter der AG christlich-muslimischer Dialog hoffen auf viele Teilnehmer, die ihren Beitrag zu einem friedlichen Miteinander leisten möchten. Denn so fassen Muttalip Çetintas, DITIB, und Sarp Hansoy, Türkisch Islamische Gemeinde zu Arnsberg, abschließend zusammen: „Man kann sich nicht aussuchen, mit welcher Nationalität man geboren wird. Man muss diese Vielfältigkeit als Reichtum sehen.“

Weitere Informationen

Der „Interreligiöse Spaziergang“ am Samstag, 3. Oktober, wird von der Evangelischen Kirchengemeinde Neheim, dem Islamisch-Arabischen Verein Arnsberg, der Katholischen Kirchengemeinde St. Johannes Baptist Neheim und Voßwinkel, dem Marokkanischen Kulturverein Arnsberg, DITIB und der Türkisch Islamischen Gemeinde zu Arnsberg veranstaltet. Startpunkt ist um 15 Uhr die Moschee an der Langen Wende 85. Alle Interessierten werden gebeten durch die Moschee zum Platz hinter dem Gebäude zu gehen, dort startet der Spaziergang. Endpunkt ist die Marktplatte in Neheim. Das Ende ist für etwa 16.30 Uhr eingeplant. Wichtig: Beim „Interreligiösen Spaziergang“ müssen die geltenden Coronaschutzmaßnahmen, also Mindestabstand, eingehalten werden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare