1. SauerlandKurier
  2. HSK
  3. Arnsberg

Interview: Was sich Thomas Wälter als Verkehrsvereins-Vorsitzender für den Stadtteil wünscht

Erstellt:

Von: Rebecca Weber

Kommentare

Thomas Wälter Verkehrsverein Arnsberg
Thomas Wälter, Erster Vorsitzender des Verkehrsvereins Arnsberg. © Rebecca Weber

Im Sommer ist Thomas Wälter zum Ersten Vorsitzenden des Verkehrsvereins Arnsberg gewählt worden. Was er in den ersten knapp vier Monaten auf den Weg gebracht hat und was ihm für die Zukunft für den Stadtteil wichtig ist, beschreibt er im Interview.

Warum haben Sie sich zum Vorsitzenden wählen lassen?

Vorstandsmitglied des Verkehrsvereins bin ich ja schon seit ein paar Jahren. Aber als ich dann, nachdem der Posten vakant wurde, von ein paar Vorstandsmitgliedern angesprochen wurde, ob ich mir das vorstellen könnte, war ich schon erst überrascht. Dafür entschieden habe ich mich dann, weil ich schon seit früher Jugend immer Spaß daran hatte, zu gestalten und zu verändern – ob als Klassensprecher, Mitbegründer der Partei der Grünen in Arnsberg oder jüngstes Ratsmitglied im Jahr 1984. Ich habe mich hier in der Stadt immer wohlgefühlt, hier kann ich in meinem direkten Umfeld gestalten.

Wie verlief dann der Start im neuen Amt?

Es ging direkt los. Der Start fiel ja genau in den Bereich, als man aus den Lockdown-Zeiten heraus kam und auch wieder Veranstaltungen machen konnte. Mit „Donnerstags Live“ ging es sofort los. In der ersten von mir geleiteten Vorstandssitzung habe ich den Weihnachtsmarkt zum Thema gemacht. Die Verlegung des Standortes wurde im Vorstand seitdem intensiv geplant und vorbereitet.

Den Weihnachtsmarkt in die Gute Stube zu verlegen – wie letzte Woche vorgestellt – war Ihnen schon lange ein Anliegen. Wo wollen sie künftig darüber hinaus eigene Akzente setzen?

Es gibt Veranstaltungen, die gut sind und funktionieren, wie etwa „Donnerstags Live“ oder das Altstadtdinner, welches ich 2022 auf jeden Fall wieder haben möchte. Es gibt aber auch Veranstaltung, wo man aus meiner Perspektive mal kritisch sowohl finanziell als auch von den Abläufen her hinterfragen könnte, ob das alles noch zeitgemäß ist oder ob es da Änderungspotential gäbe. Da denke ich zum Beispiel an das Ruinenfest. Was ich mir wünsche, und wozu ich schon erste Gespräche geführt habe, ist, das Vereinswesen im Stadtteil besser zu vernetzen. Größere Veranstaltungen sind ein Kraftakt, die nur mit viel Ehrenamt funktionieren. Es wäre schön, wenn man auch mehr gemeinsam oder in Kooperationen arbeiten könnte. Das kann ja eine Win-Win-Situation für beide Seiten sein, dass auch die Vereine, und die Vereinskassen, davon profitieren.

Mit dem Neubau des Sauerland-Museums und den Funden im Kloster Wedinghausen hat Arnsberg zwei touristische Highlights hinzubekommen. Welche Vision haben Sie hier für den Stadtteil?

Wir haben ein unglaubliches Pfund hier mit dem Kloster Wedinghausen, was aktuell noch nicht wirklich wahrgenommen wird. Da wünsche ich mir, gemeinsam mit dem Tourismus, in der Vermarktung nach außen und zum Beispiel mit Themenführungen noch mehr Gas zu geben. Denn eine gute Tourismusförderung stärkt Gastronomie und Einzelhandel am nachhaltigsten.

Das Museum hat ja bereits seit rund zwei Jahren wieder geöffnet. Macht sich das denn schon für die Händler und Gastronomen bemerkbar?

Ich würde sagen, es profitieren besonders die Leute, die auch clever damit umgehen. Die Buchhandlung Vieth zum Beispiel hat pünktlich vor der Ausstellung das Themenfenster gestaltet. Klar, dass die Besucher da dann stehen bleiben oder eher ein Buch noch mitnehmen. Aber auch von anderen Geschäftsleuten weiß ich, dass sich besonders die Macke-Ausstellung positiv bemerkbar gemacht hat. Das habe ich sogar bei mir im Laden am Gutenbergplatz gemerkt, mit verstärkten Mittagessen hier im Bistro. Ich bin daher zuversichtlich, dass der ganze Stadtteil von den touristischen Attraktionen profitieren kann. Insbesondere, wenn man mit seinen Angeboten auch darauf eingeht, sei es, um bei der Macke-Ausstellung zu bleiben, mit einem „Macke-Menü“. Diese Herangehensweise muss man auch erst lernen, aber es bringt etwas.

Ist das auch der Weg, um dem Thema Leerstände im Stadtteil zu begegnen?

Der Ansatz kann nur sein, dass Arnsberg seine Stärke, den Tourismus, weiter fördert. Der Schlossberg muss attraktiver werden. Das Sauerland-Museum, das Kloster Wedinghausen, wenn ich dann auch die Rüdenburg noch mitdenke, dann kriege ich auch Aufenthaltsdauer hin. Über den RuhrtalRadweg kommen beispielsweise viele Gäste in die Stadt. Wenn der Radreisende, der verschwitzt hier ankommt, nicht direkt ins Museum gehen möchte, nutzt er aber vielleicht die Lauschangriff-App als Outdoor-Angebot. Oder nachdem er im Hotel eingecheckt hat, hat er bis zum Abendessen noch Zeit an einer Stadtführung teilzunehmen. Je mehr Menschen in der Stadt unterwegs sind, umso attraktiver werden die Flächen.

Sie sprechen den Schlossberg an, zu dem es ja bereits seit einigen Jahren verschiedene Ideen gibt. Was könnten Sie sich dort vorstellen?

Klar ist, es muss sich etwas tun und es muss öffentlich bleiben. Ein Hotel dort halte ich wirtschaftlich nicht für tragbar. Ich lehne es auch ab, diese Schlossruine privat zu vermarkten. Ein Amphitheater, wovon mal die Rede war, halte ich für überzogen. Also: Wir müssen den Schlossberg dringend mitdenken, aber es muss machbar bleiben. Derzeit haben wir ja auch noch die Mauerschäden. Immerhin sollen die Torbögen jetzt abgefangen werden, dass man dort auch wieder hergehen kann.

Gibt es etwas, was sich Ihrer Meinung nach im Stadtteil dringend ändern muss?

Ich würde mir wünschen, dass man nicht immer alles kaputt redet, bevor man es überhaupt ausprobiert hat. Es wird gerne gemeckert und das ist nicht unbedingt förderlich. Die Sachen positiver angehen, vielleicht auch mal hier und dort einen Vertrauensvorschuss entgegen bringen. Aber da bin ich schon auch optimistisch. Im Verkehrsvereinsvorstand haben wir auf jeden Fall eine sehr gute Stimmung und Arbeitsatmosphäre. Das wünsche ich mir allgemein auch im Stadtteil.

Blicken wir mal über den Stadtteil hinaus, auf das gesamtstädtische Marketing. Welche Potentiale sehen Sie hier?

Ich selbst bin ja eigentlich ein Gesamtstädter. Ich bin in Neheim geboren, mein Elternhaus steht auf Bergheim, ich habe Jahrzehnte in Voßwinkel gewohnt, dann angefangen in Arnsberg zu arbeiten und mittlerweile wohne ich auch hier. Was die Gewerbevereine angeht, gab es ja bereits regelmäßige Treffen, die durch Corona dann ein wenig eingeschlafen sind. Die gemeinsamen Gespräche sollten wir auf jeden Fall wieder aufnehmen. Mein persönlicher Wunsch für die Gesamtstadt Arnsberg ist, weniger Reibereien und überflüssige Neid-Diskussionen zwischen den Ortsteilen. Jedem Ortsteil seine Stärken gönnen und gemeinsam Stärken stärken. Man bricht sich auch keinen Zacken aus der Krone, wenn man sich gegenseitig mal um Hilfe bittet.

Was wünschen Sie sich für das Jahr 2022?

Ich bin guter Hoffnung, dass sich die Corona-Situation deutlich entspannt, dass wir zumindest schon mal das gewohnte Programm Arnsberger Woche mit Weinfest und Ruinenfest und dann auch Donnerstags Live und das Altstadtdinner komplett wieder hinkriegen. Aber für neue Ideen bin ich natürlich auch offen.

Der Verkehrsverein Arnsberg hat derzeit 123 Mitglieder. Die Zahl ist im Vergleich zu den Vorjahren konstant.
Weitere Informationen gibt es unter anderem auf der Facebook-Seite „Verkehrsverein Arnsberg“.

Auch interessant

Kommentare