„Ich – für mich – für andere“ am 23. September

25 Jahre AKIS: Selbsthilfegruppen präsentieren sich bei Aktionstag in Arnsberg

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Ein vielfältiges Programm rund um Selbsthilfe und ehrenamtliches Engagement präsentieren die Beteiligten am Samstag am Bürgerzentrum Bahnhof Arnsberg.

Arnsberg/Hochsauerland. Etwas für sich selbst machen und dadurch gleichzeitig anderen, mit ähnlichem Schicksal oder Problem helfen – dies ist der Tenor der Selbsthilfebewegung, die in der Region eine lange Tradition hat. Seit mittlerweile 25 Jahren werden die Aktivitäten von der Arnsberger Kontaktstelle für Selbsthilfegruppen im HSK – kurz AKIS – koordiniert.

Dieses Jubiläum wird am kommenden Samstag, 23. September, mit einem großen Aktionstag unter dem Motto „Ich – für mich – für andere“ ausgiebig gefeiert. Dabei geht es den Organisatoren nicht nur darum, gemeinsam Geburtstag zu feiern, sondern die Öffentlichkeit auf das umfassende Selbsthilfe-Angebot in der Region aufmerksam zu machen. Denn im gesamten Hochsauerlandkreis zwischen Arnsberg und Marsberg zählt die AKIS aktuell rund 160 Gruppen, die sich mit den verschiedensten Themen – von Autismus über Kinderrheuma bis hin zu Zwangserkrankungen – beschäftigen. Koordiniert werden die Aktivitäten der Gruppen in Arnsberg von Marion Brasch und ihrem Team. Sie ist seit 2007 hauptamtlich für die AKIS zuständig. „Wir beraten und unterstützen die Gruppen im gesamten HSK unter anderem bei der Gründung“, berichtet Marion Brasch, auch Fortbildungen gehörten heute für die Gruppen mit dazu. „Die Qualität der Selbsthilfe hat sich dadurch in den vergangenen Jahren noch verbessert.“ Die Selbsthilfegruppen seien aktiver geworden und hätten sich zu Experten in eigener Sache entwickelt. Auch inhaltlich sei ein Wandel zu beobachten: „Früher gab es beispielsweise Selbsthilfegruppen zu Diabetes, das Thema Depression wurde völlig unter dem Deckmantel gehalten.“ Dies sei heute schon anders, auch wenn es natürlich immer noch Themen und Gruppen gäbe, die anonym bleiben sollen und wollen. 

Schließlich gibt nicht jeder gerne offen zu, dass er ein Problem hat – egal ob in einer Lebenskrise oder mit Erkrankung oder Sucht. „Bei der Vorbereitung für unseren Aktionstag haben wir uns Gedanken gemacht, wie wir die Menschen erreichen können, auch wenn eben vieles in der Anonymität läuft“, berichtet Marion Brasch. So entstand die Idee, nicht die Erkrankungen in den Vordergrund zu rücken, sondern Infostände der Gruppen mit einem Trödelmarkt zu verbinden, um bei den Besuchern Hemmschwellen abzubauen und möglichst viele Interessierte anzusprechen. Der Erlös des Trödelmarktes wird dann für einen guten Zweck gespendet. 

Viele Partner stellen Angebot vor 

Darüber hinaus wurden viele weitere Partner mit ins Boot geholt, wie zum Beispiel die ehrenamtlichen Angebote der Arnsberger seniorTrainer, Caritas, DRK, Seniorenbeirat, Jugendamt und die Neuen Nachbarn Arnsberg. Sie alle engagieren sich unter dem Motto „Ich – für mich – für andere“ und informieren vor Ort über Angebot und Aktivitäten. Darüber hinaus gibt es Mitmach-Programme für Kinder. Als besonderes Highlight kündigen die Veranstalter Martin Fromme an. Der Komiker, der selbst eine Körperbehinderung hat, präsentiert sein „politisch unkorrektes“ Programm „Besser Arm ab als arm dran“. Dieses Programm, sowie die Diskussion zum Thema „Medizinische Versorgung im ländlichen Raum“ mit Vertretern der sauerländer Kliniken, werden übrigens für Hörgeschädigte durch Gebärden- und Schriftdolmetscher übersetzt. 

Das gesamte Programm findet im und um den Bürgerbahnhof bis hin zum Feuerwehr-Museum statt. Denn noch zwei weitere Geburtstage werden am kommenden Samstag gefeiert: Das Museum des Vereins Arnsberger-Feuerwehr-Historie „Brennpunkt“ besteht seit fünf Jahren und lädt zu einem Besuch und zu Rundfahrten mit dem Feuerwehr-Oldtimer ein. Darüber hinaus feiert das Kompetenzteam Selbsthilfe Hochsauerland (KSH) zehnten Geburtstag. Die ehrenamtliche Gemeinschaft setzt sich für die Selbsthilfe in der Region ein und unterstützt die hauptamtlichen Mitarbeiter der AKIS. Mitglied Dieter Steinberg lobt nicht nur die gute Zusammenarbeit, sondern betont aus Sicht der Gruppen: „Selbsthilfe kann auch Spaß machen. Wir reden ja nicht nur über Krankheiten. Dass wir die haben, das wissen wir. Man will ja da raus kommen und so organisieren wir gemeinsame Ausflüge oder Feiern.“ 

Wunsch: „Dass sich noch mehr öffnen“ 

Wenn Marion Brasch zum 25-jährigen Bestehen der AKIS einen Wunsch frei hätte, wäre dies Folgender: „Dass noch mehr Menschen, die gleiche Probleme haben, bereit sind sich zu öffnen, zu sagen ‘Ich gucke mal, ich bin nicht alleine’. Vieles läuft an Selbsthilfe heute auch über das Internet. Dies mag teilweise, etwa bei sehr seltenen Krankheiten, auch sinnvoll sein, aber Face to Face in einer Gruppe läuft der Austausch doch häufig besser als in der Anonymität des Internets.“ www.arnsberg.de/selbsthilfe

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