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Jüdisches Leben in Deutschland: Ausstellung und Lecture Performance im Kloster Wedinghausen

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Von: Gaby Decker

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Kloster Wedinghausen Ausstellung becoming gewish
Ariel Reichman und Jaecki Grassmann wollen eine neue offene Form des Davidsterns. Während der Ausstellung überlassen sie es den Besuchern, eine neue Form zu finden. © Gaby Decker

Jackie Grassmann und Ariel Reichman sind für den Kunstverein mit einer Ausstellung, einer Filminstallation und einer Lecture Performance „Becoming Gewish“ nach Arnsberg gekommen, um auch im Kloster Wedinghausen und in der Propsteikirche auf 1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland aufmerksam zu machen.

Arnsberg - Sie widmen sich zeitgenössischer-jüdischer Identität. Wie sieht heute jüdisches Leben aus? Ist es heute möglich, sich zugleich jüdisch und deutsch zu identifizieren?

Ariel Reichmann erzählt aus der eigenen Geschichte. Er kam aus Israel nach Berlin, lernte hier Deutsch. „Es war für mich schwierig Deutsch zu sprechen, bis mir klar wurde, welche Verbindung ich ja nach Deutschland hatte. Meine Oma lebt hier in Berlin, sie ist deutsch und jüdisch. Es ist ihre Sprache.“

Herausforderungen, Notwendigkeiten, Gestaltungsräume

Ariel Reichman und Jackie Grassmann sind seit Langem freundschaftlich verbunden. Beide fragen sich, welche Herausforderungen, Notwendigkeiten, aber auch Gestaltungsräume birgt ein Leben in Deutschland? Wie ist der eigene Konflikt mit der belasteten deutschen Nationalität auszuhalten und wie kann man als Teil der jüdischen Gemeinschaft damit umgehen? Kann die Auseinandersetzung mit dem jüdisch sein auch Potentiale bieten?

Die beiden Künstler gingen auf ihre Weise an das Ganze heran. Sie führten Interviews mit deutschen Juden, die ihre Identität neu finden müssen. Diese sind in der Ausstellung auf Leinwänden nachzulesen. Ein weiteres Anliegen war und ist ihnen der Davidstern. Ihn aus seiner Geschlossenheit zu holen, neue offene Formen zu finden und ihn dabei aus dem belasteten geschichtlichen Kontext zu lösen, war eine wichtige Aufgabe für die beiden. Im Eingang des Kloster Wedinghausen liegt ein Davidstern auf dem Boden, ausgebreitet auf dem Boden liegen Fragmente aus Keramik, die von den Besuchern neu zusammengesetzt werden können.

Lesung und Dialog mit Publikum

Im Saal des Klosters wird ein Film über eine jüdische Taufe gezeigt. „Wichtig bei der Taufe ist“, so Ariel Reichmann, „dass der ganze Körper unter Wasser getaucht wird. Nur so wird er reingewaschen“. Die Texte dazu stammen von der jüdischen Arnsberger Dichterin Alice Steinmann. Sie konnte dem Holocaust entkommen. Sie verstarb am 6. Januar 2008 in Arnsberg.

Wer die „Lecture Performance“ besucht, dem wird dies alles in besonderer Weise nahe gebracht. Die beiden Künstler begeben sich in einen Dialog mit dem Publikum. Diese Art der Führung wird unter anderem unterbrochen von spielerischen Sequenzen. Es ist eine besondere Art des künstlerischen Vortrags. Mit dazu gehören auch kleine Setzlinge der „Tradescantia zebrina“. Es sind schnell wurzelnde Ableger einer Zierpflanze. Außerhalb von Deutschland ist sie als „Wandering Jew“ bekannt – der wandernde Jude. Sie soll verdeutlichen, dass es für einen Juden normal ist, schnell wieder in der Fremde zu verwurzeln und heimisch zu werden.

Hintergrund und weitere Informationen

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