Kindern ein zu Hause geben

Sie suchen Menschen, die Spaß am Umgang mit Kindern haben: Maria-Theresia Lamberty und Ingrid Schulte vom Pflegekinderdienst und Susanne Roßmann und Barbara Kassube-Feldmann von der Kindertagespflege. Foto: Rath

Kindern ein zweites zu Hause geben, für kürzere oder längere Zeit und mit kleinen Kindern tageweise zu Hause arbeiten, das sind die Aufgaben von Kinderpflegedienst und Tagespflegepersonen. Genau diese sucht das Jugendamt der Stadt Arnsberg. Daher wendet sich der Fachbereich jetzt mit einer Flyer- und Plakataktion an die Öffentlichkeit.

"Wer ist für mich da, solange ich nicht zu Hause sein kann", ist der simple Spruch, der auf den Plakaten zu lesen ist. Gemeint ist damit einerseits die Kindertagespflege mit den sogenannten Tagesmüttern. "Diesen Begriff benutzen wir heute allerdings nicht mehr so gerne. Zumal wir auch zwei Männer als Tagespflegeperson haben", betont Susanne Roßmann von der Fachstelle Kindertagespflege. Die Kindertagespflege ist eine Alternative zur Betreuung eines Kindes in einer Kindertageseinrichtung, wenn die Eltern beispielsweise berufstätig sind. Die Menschen sollten zuverlässig, flexibel und belastbar sein. "Wir haben die Vorstellung, dass eine Person um die drei Kinder unter drei Jahren gleichzeitig betreuen kann", schildert Roßmann weiter. Allerdings wird niemand "einfach so" auf die Kinder losgelassen - wer Interesse an dieser Tätigkeit hat, wird zuerst zu einem Gespräch eingeladen. Danach schließt sich ein Qualifikationskurs (160 Unterrichtsstunden, Start im Februar) an, parallel kann aber schon als Tagespflegeperson gearbeitet werden. "Im Moment können wir den Bedarf zwar noch decken, aber wir wollen künftig ein größeres Angebot schaffen", wirbt Susanne Roßmann.

Anders ist die Situation beim Pflegekinderdienst. Hier wird akut nach Paaren oder auch Einzelpersonen gesucht, die sich vorstellen können ein Kind für eine Zeit von zwei Jahren oder auch länger bei sich aufzunehmen. "Denn derzeit sind leider nicht alle Kinder vermittelbar", berichtet Ingrid Schulte vom Pflegekinderdienst.

Die Kinder um die es hier geht können aus den verschiedensten Gründen nicht mehr bei ihren leiblichen Eltern leben. "Diese Gründe sind aber weniger finanziell", erklärt Jugendamtsleiterin Christa Tritschel-Schütte. "Es geht um Erziehungsohnmächte und -unfähigkeiten. Denn der Teil der psychisch belasteten Eltern nimmt zu. Das Jugendamt muss dann die Frage stellen: 'Ist das behebbar in der Entwicklungszeit des Kindes?' Und wenn nicht, suchen wir nach Pflegefamilien und -personen."

Eine gesellschaftliche Herausforderung

Teilweise seien die Kinder in einem vernachlässigten Zustand oder auch misshandelt worden. Daher, so Christa Tritschel-Schütte, sei die Aufnahme eines Kindes schon eine gesellschaftliche Herausforderung und von hohem ideellem Wert. "Kinder sollten für die Person auf jeden Fall zum Weltbild gehören", so die Jugendamtsleiterin.

Ingrid Schulte vom Fachdienst beschreibt die "Zielpersonen" konkreter: "Man sollte Spaß am Umgang mit Kindern haben und auch auf Problemfelder vorbereitet sein, es auch als Herausforderung sehen und stabile und soziale Verhältnisse mitbringen."

Auch für Paare, die selbst keine Kinder bekommen können und mit einer Adoption keinen Erfolg hatten, hat sich der Pflegekinderdienst zur ernsthaften Alternative entwickelt. Auch wer sich für den Pflegekinderdienst interessiert, absolviert eine Qualifizierung mit themenbezogenen Gesprächen und ein Wochenendseminar. Zudem gibt es ein monatliches Pflegegeld. Doch dies sollte nicht die Motivation sein, ein Kind bei sich aufzunehmen. Auch wenn eine Rückführung der Kinder zu den leiblichen Eltern selten vorkomme: "Die Kinder bringen Freude mit sich und die positive Beziehung, die sie zu den Pflegeeltern entwickeln, bleibt bestehen", wirbt Christa Tritschel-Schütte.

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