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„Kindern Heimat geben“

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Ein Herz für Kinder: (v. l.) Eli Nechama, Dr. Brigitte Mohn und Hans-Josef Vogel. Foto: Paul Senske
Ein Herz für Kinder: (v. l.) Eli Nechama, Dr. Brigitte Mohn und Hans-Josef Vogel. Foto: Paul Senske

Hans-Josef Vogel brachte es auf einen treffenden Nenner: „Die Bialik-Rogozin School in Tel Aviv ist eines der weltbesten Beispiele für Integration.

Bei der Bildung gibt es keine Fremden“, sagte Arnsbergs Bürgermeister bei der Arbeitstagung „Bildungsteilhabe von Flüchtlingskindern“ im Neheimer Kaiserhaus. „Die Schule in Israel zeigt uns, dass wir mit großer Freude an die Aufgabe gehen können und müssen. Wir schaffen das.“

Diese Freude war Vogel, Eli Nechama, dem Leiter des Bialik-Rogozin Campus und Dr. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, deutlich anzusehen. „Wenn es um Kinder geht, geht mir das Herz auf“, sagte Mohn, deren Stiftung die Arbeitstagung gemeinsam mit der Stadt ausgerichtet hat.

Insgesamt 90 Personen, darunter Vertreter der 18 NRW-Modell-Kommunen „Kein Kind zurücklassen“ und Arnsberger Schüler, waren vertreten und angetan. Ihnen präsentierte der Gast aus Israel Aufgabe und Philosophie der Schule mit 1200 Kindern aus 51 Nationen. Der überwiegende Teil der Kinder und Jugendlichen stammt aus ärmlichsten Verhältnissen, aus Flüchtlings-, Migranten- und Gastarbeiter-Familien. Jedes Kind bekommt seine Chance. Dabei werden ausdrücklich andere Sprachen, Kulturen und Religionen akzeptiert und gefördert. „Wir müssen die Kinder so nehmen, wie sie sind. Wir müssen sie verstehen und wollen sie nicht ändern“, sagte Eli Nechama. „Wir sehen unsere Schüler als Kinder und nicht als Flüchtlingskinder.“ Wichtig sei eine „Gesamtlösung“ für die Kinder. „Wir müssen ihre Familien integrieren.“ Eine große Rolle spiele das Erlernen der Sprache, „aber auch die Muttersprache der Kinder muss gefördert“ werden. „Die Kinder fangen bei weniger als null an.“ Wichtig in dem Prozess seien Kunst und Kultur. „Kunst ist eine Ersatzsprache.“ Dass die Integration unter schwierigsten Umständen funktioniert, verdeutlichen zwei Zahlen: 70 Prozent der Kinder machen einen überdurchschnittlichen Schulabschluss. Ebenfalls rund 70 Prozent dienen nach der Schule in der Armee, die als Sprungbrett in die israelische Gesellschaft gilt.

Für Brigitte Mohn ist die Integration der Kinder „kein Sprint, sondern ein Marathon, der sich lohnt. Wir müssen den Kindern eine Heimat geben“, sagte sie. „Durch die Arbeit der Bialik-Rogozin Schule haben viele Kinder in Israel ein Zuhause gefunden und sind ihren Weg gegangen. Auch bei uns dürfen wir kein Kind zurücklassen.“

Modellkommune

Die Stadt Arnsberg ist eine von 18 Kommunen, die sich dem landesweiten Modellvorhaben „Kein Kind zurücklassen“ angeschlossen haben.

Dabei sollen vorhandene Kräfte und Angebote aus den Bereichen Gesundheit, Bildung, Kinder- und Sozialhilfe sowie Soziales gebündelt und verknüpft werden. (Von Paul Senske, neheim@sauerlandkurier.de)

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