Westenergie startet Modellprojekt - Grußwort von Ministerpräsident Armin Laschet

Klimaschutz-Modellregion Sauerland: Warum Arnsberg künftig Wasserstoff nutzen will

Klimaschutz Modellregion Sauerland Arnsberg
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Westenergie gab gemeinsam mit regionalen Vertretern von Politik und Wirtschaft in Arnsberg den Startschuss für die Klimaschutz-Modellregion Sauerland.

In der Stadt Arnsberg entsteht ein Energiesystem der Zukunft. Gemeinsam mit Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Politik startet Westenergie die Klimaschutz-Modellregion Sauerland. Ziel ist es, Arnsberg über den Einsatz moderner Wasserstoff-Technologie klimaneutral zu machen.

Arnsberg/Hochsauerland – Die Umsetzung des Modellprojekts verteilt sich über mehrere Stufen: Zunächst plant Westnetz, Verteilnetzbetreiber der Westenergie, die elf Kilometer lange Gas-Hochdruckleitung zwischen Arnsberg und Eisborn als „Hauptschlagader“ auf den Betrieb von Wasserstoff umzustellen.

Die Leitung verfügt über ein Speichervermögen von rund 150 Megawattstunden und ist Teil eines früheren überregionalen Transportnetzes. „Das Speichervolumen ist ausreichend, um beispielsweise 1000 moderne Einfamilienhäuser an einem kalten Wintertag mit Energie zu versorgen“, verbildlicht Katherina Reiche, Vorstandsvorsitzende der Westenergie AG. Ein Gutachten des TüV Nord habe bereits die Möglichkeit einer Umstellung auf den Betrieb mit reinem Wasserstoff grundsätzlich bestätigt.

An der Umspannanlage „Niedereimer“ soll innerhalb des Projektes eine Pyrolyse-Anlage zur Wasserstoffproduktion entstehen. Die Anlage nutzt grünes Methan, aber auch Schmutzwasser und methanhaltige Abfallprodukte zur Erzeugung von Wasserstoff. Er gehört in die Kategorie türkiser Wasserstoff.

Katherina Reiche, Vorstandsvorsitzende der Westenergie AG und Mitglied des Nationalen Wasserstoffrates.

Katherina Reiche, die auch Mitglied des Nationalen Wasserstoffrates ist, verdeutlichte außerdem: „Wasserstoff kann sich zum Kern des zukünftigen Energiesystems einer Region entwickeln. Wasserstoff kann bis wirklich in jedes Haus hinein für Klimaneutralität sorgen. Der nachhaltige Hochlauf der Wasserstoffwirtschaft gelingt uns aber nur dann, wenn wir mit Partnern entlang der gesamten Wertschöpfungskette zusammenarbeiten.“ Dies sei in Arnsberg in Zukunft möglich.

Zuvor hatte die Westenergie gewerbliche Kunden und Partner gefragt, ob der Einsatz von Wasserstoff geplant sei und die meisten Rückmeldungen an potentiellen und zukünftigen Bedarfen sei aus dieser Region gekommen, bezog sich auch Reiche auf die starke Industrie vor Ort. Die Bedingungen als Modellregion seien ideal.

Vertreter der regionalen Wirtschaft und der Politik sprachen im Neheimer Kaiserhaus gemeinsam über die Potentiale der Wasserstoffnutzung.

Potentielle Abnehmer vor Ort seien etwa im Bereich Mobilität kommunale Abfallsammelfahrzeuge, der öffentlicher Personennahverkehr, aber auch Lkw im Schwerlastverkehr. Alle könnten in Zukunft mit Wasserstoff betrieben werden. Im Bereich der Grundstoffindustrie gebe es vor Ort zahlreiche Unternehmen, die viel Energie benötigen – hier könne Wasserstoff eine Antwort sein, Prozesse zu dekarbonisieren (Anm. d. Red.: die Abkehr von Kohlenstoff speziell in der Energiewirtschaft). Aber auch für kleine mittelständische Unternehmen sei es mit Hilfe der Wasserstoffnutzung möglich, wärmeseitig den CO2-Fußabdruck zu minimieren.

Große Freude in Arnsberg und im Hochsauerlandkreis

Die Freude darüber, dass Arnsberg im Hochsauerlandkreis für dieses Modellprojekt ausgewählt wurde, war groß. Landrat Dr. Karl Schneider sagte: „Sie haben die richtige Region gewählt.“ Er appellierte: „Energie in Zukunft muss nicht nur grün, sondern auch bezahlbar sein, nicht nur regenerativ,m sondern auch verfügbar sein.“ Wasserstoff sei hier die Lösung.

Bürgermeister Ralf Paul Bittner versicherte: „Arnsberg ist bereit.“

Auch Arnsbergs Bürgermeister Ralf Paul Bittner betonte: „Wir sind im Sauerland bereit für Wasserstoff und Arnsberg natürlich auch ganz besonders.“ Er habe direkt das Potential erkannt und ergreife gerne die Möglichkeit, diese Chance aktiv mitzugestalten. „Die Sanduhr der Dekarbonisierung läuft, und sie läuft immer schneller. Insofern brauchen wir Antworten, wir brauchen neue innovative Wege und ich bin sicher, dass wir heute mit dieser Veranstaltung, der Nutzung der Energiepotentiale, die im Wasserstoff stecken, den absolut richtigen Weg gehen.“ Bittner nahm auch Bezug darauf, dass der Rat der Stadt erst vor wenigen Tagen beschlossen hat, Arnsberg bis 2030 klimaneutral zu machen. „Wir müssen etwas gegen den Klimawandel tun“, bekräftigte er, „Arnsberg ist bereit und wir freuen uns, aktiver Teil der Klimaschutz Modellregion Sauerland zu sein“.

Video-Botschaft von Ministerpräsident Armin Laschet

Zur Auftaktveranstaltung im Neheimer Kaiserhaus mit Vertretern der E.on SE, Westenergie sowie Vertretern der regionalen Wirtschaft und Politik, sendete NRW-Ministerpräsident Armin Laschet eine Videobotschaft: „Für eine klimaneutrale Weltwirtschaft brauchen wir Wasserstoff“, machte Laschet deutlich. „Das Industrieland Nordrhein-Westfalen ist ganz vorne mit dabei. Wir wissen, nur so können wir unsere ehrgeizigen Klimaziele erreichen, nur so können wir die Wettbewerbsfähigkeit unserer Industrie erhalten.“ Der Aufbau der Modellregion sei eine gute Nachricht und ein wichtiges Signal für den Standort und für das Sauerland. „Eine Region, in der viele ‚HiddenChampions‘, familiengeführte Unternehmen und Weltmarktführer zu Hause sind.“

Im Rahmen der Auftaktveranstaltung unterzeichneten die Mitglieder des Projektbeirats eine Kooperationsvereinbarung. Gemeinsam werden sich die Partner um Fördergelder für die verschiedenen, technologisch innovativen Projektabschnitte bewerben. Der Start des Projekts ist für Mitte 2022 geplant.

Gedenken an die Opfer der Flutkatastrophe

So positiv der Blick auf die Chancen und Potentiale der Wasserstoffnutzung auch war, stand die Veranstaltung auch unter dem Eindruck der Flutkatastrophe. Bei der Planung sei nicht absehbar gewesen, was Wasser in den vergangenen Tagen in der Region und darüber hinaus angerichtet habe. Im Bewusstsein der Ereignisse hätten sich die Verantwortlichen dann aber doch dazu entschieden, das Projekt offiziell zu starten, ganz bewusst vor dem Hintergrund des Klimawandels. Viele Redner gingen in ihren Grußworten auf die erschütternden Bilder, bewegende Situationen und große Solidarität ein. Zu Beginn gab es eine Gedenkminute.

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