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Kommunen bereiten sich auf weitere Menschen auf der Flucht vor 

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Von: Rebecca Weber

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In der Stadt Arnsberg leben derzeit rund 860 Geflüchtete aus der Ukraine. © Rebecca Weber / Archiv

Seit knapp neun Monaten herrscht Krieg in der Ukraine. Auf der Flucht vor den schrecklichen Angriffen auf ihre Heimat kommen Woche für Woche Schutzsuchende auch in Arnsberg und Sundern an. Nun steht der Winter bevor. Bereiten sich die Kommunen in der Region also auf einen größeren Zustrom in den kommenden Wochen vor? Und wie gelingt die Integration der Menschen, die bereits seit einigen Monaten hier leben?

Arnsberg/Sundern - Im Oktober kamen 52 Geflüchtete in Arnsberg an, in diesem Monat sind bereits 69 Flüchtlinge zugewiesen beziehungsweise bis zum 21. November angekündigt. Genau lasse sich die Entwicklung aber nicht voraussagen, schildert Stefan Wulf, Fachdienstleitung Zuwanderung | Integration bei der Stadt Arnsberg. Seit Beginn des Krieges sind 1.066 Schutzsuchende aus der Ukraine in Arnsberg aufgenommen worden. Etwas mehr als 200 Geflüchtete sind zwischenzeitlich weitergereist oder wieder in die Ukraine zurückgekehrt, sodass aktuell 861 Geflüchtete aus der Ukraine in Arnsberg gemeldet sind, darunter 166 Kinder, die städtische Schulen besuchen. Auch in den Kindertageseinrichtungen werden zahlreiche Kinder betreut. „Zurzeit werden die letzten vier Kinder in Regelbetriebsangebote vermittelt. Damit sind die Möglichkeiten nahezu ausgeschöpft.“

Ausgeschöpft sind ebenfalls die Möglichkeiten zur Teilnahme an den Integrationskursen. So nehmen aus Arnsberg derzeit 126 ukrainische Geflüchtete an den Integrationskursen der drei Kursanbieter vor Ort teil. Darüber hinaus besuchen 39 Ukrainer weitere Sprachkursangebote bei der Volkshochschule, um die Wartezeit bis zum Integrationskursbesuch zu überbrücken. „Dies ist notwendig, da das Integrationskursangebot nicht ausreicht, um den hohen Gesamtbedarf zeitnah decken zu können“, so Stefan Wulf. „Dazu fehlt es den Trägern an Lehrpersonal und Räumlichkeiten.“

Dies bestätigt auch die Stadt Sundern: Das Jobcenter habe Anfang November 65 Personen auf der Warteliste für Integrationskurse gezählt. „Der nächste Kurs startet in fünf Monaten und kann dann auch nicht alle auf der Warteliste stehenden Personen berücksichtigen.“ Aufgrund des sehr hohen Bedarfs an Integrationskursen habe der Hochsauerlandkreis beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) vorgesprochen und beantragt, die Zugangsvoraussetzungen für Dozenten herabzusetzen. Aktuell reicht ein Lehramtsstudium nicht aus, vielmehr müsse beim BAMF zusätzlich ein Zertifikat erworben werden. Das erschwere es den Bildungsträgern sehr, geeignete Dozenten zu finden. Im Frühjahr 2022 wurden sehr kurzfristig seitens der Stadt Sundern in Zusammenarbeit mit der VHS Arnsberg-Sundern sechs Sprachkurse á 200 Stunden für Geflüchtete aus der Ukraine auf die Beine gestellt. Diese können auf die Integrationskurse angerechnet werden.

Sprache wichtig für Integration

Dabei sei Sprache der Schlüssel zu einer gelingenden Integration. „Eine Vermittlung in Ausbildung oder Arbeit beziehungsweise in eine berufliche Qualifizierung erfolgt in der Regel erst, wenn die notwendigen Deutschkenntnisse vorhanden sind. Sofern bereits vorher eine Vermittlung in Arbeit gewünscht ist, wird dies vom Fallmanagement und Arbeitgeberservice des Jobcenters unterstützt“, berichtet Stefan Wulf. Fallmanager des Fachdienstes Zuwanderung | Integration helfen auch bei der Suche nach geeignetem Wohnraum. „Aufgrund der Tatsache, dass wir derzeit noch Kapazitäten für die Unterbringung von Geflüchteten aus der Ukraine und anderen Drittstaaten haben, können wir die Unterbringungsbedarfe im Rahmen der aktuellen Aufnahmeverpflichtung noch decken.“ Mit Blick auf die kommenden Wochen sagt Stefan Wulf, dass eine Unterbringung von Geflüchteten nur durch eine engere Belegung in den derzeitigen Unterkünften möglich sein werde. „Um der Unterbringungsverpflichtung weiter nachkommen zu können, prüft die Verwaltung derzeit Alternativen für zusätzliche Unterbringungsmöglichkeiten und arbeitet mit Hochdruck daran, bis Januar/Februar 2023 etwa weitere 200 Unterbringungsplätze zu schaffen.“

Auch die Stadt Sundern schafft neuen Wohnraum: Bis zum Ende des Jahres 2022 sollen sechs städtische Wohnungen für die Unterbringung weiterer Geflüchteter instandgesetzt werden. Insgesamt entstehen hier etwa 25 bis 30 Plätze – je nach Konstellation der künftigen Zuweisungen. Im Hinblick auf die zu erwartenden Zuweisungen würden aktuell weitere Möglichkeiten zur Unterbringung Geflüchteter geprüft. Dies beinhaltet sowohl Kauf- als auch Mietoptionen. Eingehende Wohnungsangebote aus der Sunderner Bevölkerung würden nach wie vor gerne entgegengenommen.

Entlastung durch Gelder vom Bund

Für die Kommunen ist die Unterbringung und Integration der geflüchteten Menschen ein Kraftakt – auch finanziell. Um Länder und Kommunen bei der Erfüllung ihrer Aufgaben im Bereich Flucht und Migration finanziell zu unterstützen, hat der Bund jüngst für ihre Ausgaben für die Geflüchteten aus der Ukraine im Jahr 2023 einen Betrag von 1,5 Milliarden Euro angekündigt. Die konkrete Umsetzung, die auch eine Verteilung auf die Länder, und von dort auf die Sozialhilfeträger, Landkreise und Kommunen beinhalten würde, ist noch nicht bekannt. Insofern könne auch nicht beurteilt werden, welche Beträge letztlich der Stadt zugutekommen, heißt es aus Arnsberg. Grundsätzlich sei es aber wichtig, dass der Bund die finanziellen Belastungen der Kommunen anerkenne und sich beteilige.

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