„Es ist fünf vor zwölf“

"#MachtLichtan": kfd setzt Zeichen für tiefgreifende Reformen in der Kirche

Anni Rennock, Brigitte Vielhaus (Bundesgeschäftsführerin), Mechthild Burk, Lucia Lagoda, Prof. Dr. Agnes Wuckelt (stellvertretende Bundesvorsitzende), Mechthild Heil (Bundesvorsitzende), Ulrike Göken-Huismann, Monika von Palubicki (stellvertretende Bundesvorsitzende) und Barbara Striegel wollen am Mittwoch – wie auch unter anderem kfd-Mitglieder aus Arnsberg und Sundern – vor die Kirchenportale ziehen, um ein Zeichen für eine Erneuerung der katholischen Kirche zu setzen. Foto: kfd/Anne Orthen

Arnsberg/Sundern. Zu Tausenden wollen Frauen am Mittwoch, 12. Dezember, um 18 Uhr bundesweit auf die Straße gehen und im Dunkeln – in einem symbolischen Akt – Taschenlampen auf die Türen der heimischen Kirchen richten. Mit der Aktion „#MachtLichtAn“ fordern die Mitglieder der Katholischen Frauengemeinschaft Deutschlands (kfd) die deutschen Bischöfe auf, Licht in das Dunkel der Missbrauchsfälle zu bringen und die Kirche zu erneuern.

„Die Ergebnisse der Missbrauchsstudie, die die Deutsche Bischofskonferenz in Auftrag gegeben und im September veröffentlicht hat, haben bei vielen von uns Entsetzen und tiefe Betroffenheit ausgelöst. Das Vertrauen in die Kirche ist durch den Missbrauchsskandal vielerorts erschüttert. Tiefgreifende Reformen in der katholischen Kirche sind unvermeidlich“, schreiben die heimischen kfd-Mitglieder in ihren Einladungen. Auch hier in der Region wollen sie „ein klares Zeichen“ setzen mit einer Klageandacht zum Missbrauchsskandal und einem Gebet zur Erneuerung der Kirche.

Postkarten unterschreiben

An diesem Abend werden die zentralen kfd-Forderungen an die Deutsche Bischofskonferenz laut verlesen. Zudem werden die Frauen Postkarten verteilen, auf denen die Forderungen festgehalten sind. Teilnehmende und Passanten sind aufgerufen, Postkarten mit den Forderungen zu unterschreiben und bis zum 31. Dezember an die kfd -Bundesgeschäftsstelle zurückzusenden. Die Karten überreicht der Bundesverband anschließend der Deutschen Bischofskonferenz. „Machen Sie mit! Schließen Sie sich unserem Appell zur Erneuerung der Kirche an! Fordern auch Sie“, rufen die Frauen alle interessierten Männer und Frauen auf, sich mit den Opfern solidarisch zu zeigen, mit ihnen zusammen anzuklagen und Licht in die Sache zu bringen, damit nichts mehr verschwiegen werde. Dafür fordern sie „verkrustete Machtstrukturen abzuschaffen, unabhängige Missbrauchsbeauftragte einzusetzen und die kirchliche Sexualmoral zu verändern“.

Die Rückmeldungen an den Verband würden zeigen, dass das Thema den Menschen – nicht nur kfd-Mitgliedern – unter den Nägeln brenne, berichtet Prof. Dr. Agnes Wuckelt, stellvertretende Bundesvorsitzende. Auch Petra Gruß, Sprecherin des kfd-Bezirks Neheim-Hüsten, macht viel Werbung für die Aktion. Es sei umso mehr gewollt, dass man Licht ins Dunkle bringe, damit es ein gutes Gefühl bleibe, für die Kirche zu arbeiten. Andere – wenn auch nicht das Gros – würden überlegen, aus der Kirche auszutreten, berichtet der Bundesverband. „Wir halten am Glauben und an der Kirche fest“, betont jedoch Agnes Wuckelt. „Wir wollen nicht alle unter Generalverdacht stellen. Wir möchten denjenigen Bischöfen den Rücken stärken, die sich schon um eine gute Aufarbeitung mühen, die Archive öffnen und Missbrauchskommissionen einrichten. Wir wollen mit der Aktion aber auch die Opfer ermutigen, offen zu reden und Anzeige zu erstatten. Doch nur mit Aufklärung ist es nicht getan. Wir müssen uns auch fragen, ob nicht ein Fehler im System ist.“

„Damit endlich Taten folgen“

Vor dem Hintergrund der Missbrauchsfälle sei es angesagter als jemals zuvor über tiefgreifende Reformen nachzudenken. „Es ist fünf vor zwölf“, unterstreicht Wuckelt: „Zu einer Erneuerung gehört, auch diejenigen einzubeziehen, die bislang keine Chance hatten, mitzuentscheiden und gehört zu werden. Das sind vor allem Laien und dort insbesondere die Frauen. 51 Prozent der Gesellschaft sind weiblich, so auch in der Kirche. Erfahrungen, Wissen, Ein- und Vorstellungen von Frauen müssen greifen können; daher brauchen Frauen die Möglichkeit, sich bevollmächtigt einzubringen. Nur beratend zur Seite zu stehen, reicht uns nicht“, sagt die stellvertretende Bundesvorsitzende. Seit Langem weise die kfd auf nicht geklärte Themen und offene Fragen hin, die Frauen in der Kirche betreffen. Beispielsweise gärt seit Jahrzehnten der Wunsch, den Diakonat der Frau einführen – einer von fünf Themenbereichen im Positionspapier „Frauen geben Kirche Zukunft“ der kfd, das 2011 verabschiedet wurde. „Das hat was mit Wertschätzung und Anerkennung zu tun, wenn sich die Frauen das offiziell auf die Fahnen schreiben dürfen, was sie ohnehin seit Langem ausführen“, so die Theologin.

Auch Petra Gruß vom kfd-Bezirk Neheim-Hüsten hält Veränderungen für zeitgemäß. „Wenn man heute in die katholische Kirche sieht, sieht man überwiegend Frauen, die sich engagieren. Ohne sie gebe es Kirche schon fast gar nicht mehr.“ Immer mehr schlössen Frauen inzwischen auch Lücken, die durch den Priestermangel entstanden seien. So würden bundesweit mancherorts Frauen Wortgottesfeiern durchführen, wo keine Messen mehr stattfinden. Auch das Amt des Präses sei in manchen Vereinen vakant. Im kfd-Bezirk Neheim-Hüsten tritt daher stattdessen eine geistliche Begleiterin für die kfd in Aktion.

„Aber man braucht einen langen Atem und muss dicke Bretter bohren“, sagt die Theologin Agnes Wuckelt über noch nicht eingelöste Visionen. „Die Kirche ist ein schwerfälliger Tanker und kein schnelles Motorboot, das schnell die Richtung ändern kann.“ Mit der bundesweiten Aktion möchte man jedoch einen Akzent setzen. „Es muss endlich deutlich werden, dass die katholische Kirche veränderungswillig ist“, schreiben auch die heimischen Frauen in ihrer Einladung zu der Aktion, bei der ein eigenes Gebet formuliert wird: „Wir glauben an eine Kirche, die als Gemeinschaft die Kraft zur Erneuerung und Reform hat. Schenke den Verantwortlichen dazu Gottes Geistkraft, damit nach vielen Worten nun endlich Taten folgen.“

Weitere Informationen gibt es auf der Aktionsseite des kfd-Bundesverbandes. 

Bekannte Aktionen in der Region

  • Bei den kfd-Gemeinschaften des Bezirks Sundern werden diese Andachten am Mittwoch, 12. Dezember, um 18 Uhr vor vier Kirchen stattfinden: Christkönig (Sundern), St. Sebastian (Endorf), St. Nikolaus (Hagen) und St. Nikolaus (Meinkenbracht)
  • Auch in Amecke bittet die kfd um Teilnahme an der Aktion um 17.45 Uhr vor der St.-Hubertus Kirche.
  • Der kfd-Bezirk Neheim-Hüsten ruft um 18 Uhr an der Johannes Kirche in Neheim (Eingangstür gegenüber der Sparkasse) zu der Klage-Andacht mit Gebet zur Erneuerung der Kirche auf.

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