Fehlende Umsätze und Mehraufwand

Lage im heimischen Einzelhandel ist von Normalität noch entfernt

Einkaufen mit Schutzmaske: Die Maskenpflicht gilt im Einzelhandel weiterhin.
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Einkaufen mit Schutzmaske: Die Maskenpflicht gilt im Einzelhandel weiterhin.

Arnsberg/Südwestfalen – Während in manchen Schaufenstern die ersten Sommer-Sale-Prozente zum Shopping locken, werben andere Händler damit, die seit Juli geltende Mehrwertsteuersenkung direkt an ihre Kunden weiterzugeben. Klar ist: Die Lage im heimischen Einzelhandel ist nach wie vor schwierig und lange noch nicht wieder in der Normalität angekommen, wie der Einzelhandelsverband Südwestfalen in Arnsberg im KURIER-Gespräch berichtet. Allerdings könnte die geltende Maskenpflicht sogar auch positiv für die kleinen, lokalen Händler sein.

Blickt man auf die vergangenen Monate, so ist es den Branchen unterschiedlich ergangenen: Während Baumärkte und Lebensmittelmärkte gut durch die Krise gekommen seien und es auch im Bereich Sport/Outdoor/Camping – sowohl online aus auch stationär – derzeit sehr gute Umsätze gebe, laufe es in den Schuh- und Textilgeschäften in den Innenstädten längst nicht überall rund, resümiert Karina Brühmann, Sprecherin des Handelsverbandes Südwestfalen. „Zwischendurch waren die Umsätze zwar ganz ordentlich, aber nicht durchgängig. Auf die gesamte Zeit gesehen gibt es in dieser Branche Umsatzrückgänge zwischen 40 und 60 Prozent.“ 

Gründe für die Kaufzurückhaltung seien zum einen persönliche finanzielle Unsicherheit etwa durch Kurzarbeit, aber auch veränderte Bedarfe, zum Beispiel durch Arbeit im Homeoffice. Zudem spiele die gesamte Palette der anlassbezogenen Ware durch abgesagte Feste und Co. kaum eine Rolle. Nachdem die geltenden Hygiene- und Schutzbestimmungen seitens des Handels mit großem Aufwand umgesetzt worden seien, hätten sich die Dinge gut eingespielt. „Das Vorhalten von Desinfektionsmittel, das Tragen der Maske, die begrenzte Anzahl an Kunden – das alles war eine große Umstellung auch für die Händler. Man hat immer wieder dazu gelernt, was praktikabel ist und im Großen und Ganzen sind die Kunden diszipliniert bei der Einhaltung der Regeln“, fasst Karina Brühmann zusammen.

"Einkaufsspaß noch nicht zurückgekehrt"

Allerdings bleiben die Kunden nicht so lange im Geschäft wie sonst eben beim klassischen Bummeln: „Der Kunde sucht gezielt und kauft, aber verweilt nicht so lange. Der Einkaufsspaß ist noch nicht zurückgekehrt“, so die Einschätzung des Handelsverbandes. „Aber wir sind natürlich froh, dass die Schutzmaßnahmen ihre Wirkung haben, der Schutz geht vor. Und nichts wäre schlimmer, als die Läden wieder schließen zu müssen.“ 

Da in größeren Einkaufszentren durchgängig die Schutzmasken getragen werden müssen, sieht Karina Brühmann übrigens einen Vorteil für die kleineren lokalen Betriebe, in denen Einkäufe gezielt und auf kurzen Wegen erledigt werden können. 

Die nun am 1. Juli in Kraft getretene Absenkung der Mehrwertsteuer sieht der Handelsverband mit gemischten Gefühlen. Die Preishoheit liegt beim Handel. Deshalb werde dies nicht automatisch dazu führen können, dass alle Preise entsprechend der Steuersenkung am Regal nach unten gehen. Während sich die Lebensmittelmärkte teilweise mit Rabattaktionen fast überschlagen, sei es für kleinere Händler schon schwieriger, die zeitlich befristete Senkung direkt an die Kunden weiterzugeben, etwa da Kassensysteme umgestellt werden müssten und die Preisumstellung auch viel Mehrarbeit im Hinblick auf den Jahresabschluss mit sich bringe. „Dennoch geben auch hier einige die drei Prozent an ihre Kunden weiter und ziehen den Rabatt direkt an der Kasse ab. Andere geben ohnehin gerade Prozente im Schlussverkauf. Für die Kunden ist dies auf jeden Fall ein Gewinn.“ 

Allerdings sollte der Kunde seinen Blick nicht nur auf die großen Prozentplakate richten, sondern angesichts zunehmender Leerstände in kleinen Innenstädten auch nachhaltig denken. Karina Brühmann verdeutlicht: „Wenn der Händler die Senkung nicht weitergibt, weil sie ihm hilft, weiterhin am Markt zu bleiben, dann hilft dies langfristig auch dem Kunden.“

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