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Lage ist gespalten: Pandemie und Lockdown prägen Konjunkturumfrage der IHK

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Von: Rebecca Weber

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IHK Arnsberg Konjunkturumfrage Andreas Rother
Stellten die Ergebnisse der Konjunkturumfrage vor: IHK-Hauptgeschäftsführerin Dr. Ilona Lange, Präsident Andreas Rother und Geschäftsbereichsleiter Stefan Severin. © IHK Arnsberg

Insgesamt erholt sich die Wirtschaft am Hellweg und im Sauerland trotz des Lockdowns, doch der Blick auf die einzelnen Branchen zeigt, dass die Lage derzeit sehr gespalten ist. Diese und weitere Ergebnisse der jährlichen Konjunkturumfrage stellte die IHK Arnsberg in dieser Woche vor. Rund 520 Unternehmen aus dem Hochsauerlandkreis und dem Kreis Soest haben an der Befragung teilgenommen.

Arnsberg - Im Gegensatz zum ersten Lockdown seien die Unternehmen positiver gestimmt, teilt die IHK mit. Im Frühjahr 2020 haben durchschnittlich noch 41,7 Prozent der Unternehmen die Lage als „schlecht“ empfunden. Ein Jahr später sind es laut IHK nur noch rund 23 Prozent.

„Die Lage ist insbesondere in der Industrie und bei den Dienstleistern gut“, erklärt Stefan Severin, Geschäftsbereichsleiter Volkswirtschaft und Kommunikation bei der IHK Arnsberg. Die ausgewerteten Zahlen der Betriebe unterstützen diese Aussage: 43,8 Prozent (in der Industrie-Branche) und 46,7 Prozent (bei den Dienstleitern) sind positiv gestimmt. Im Vergleich hierzu ist die Lage im Gastgewerbe deutlich schlechter. Mit 87 Prozent, welche die Situation als schlecht einstufen, werde deutlich dass innerhalb der Branchen ein großer Zwiespalt bestehe.

Mehr Pessimismus als im vergangenen Herbst

Bei den Erwartungen für die kommenden zwölf Monaten sei eine gute Anzahl an Unternehmen optimistisch, jedoch gebe es mehr Pessimismus als noch im vergangenen Herbst, berichtet Severin. Hier zeige sich etwa die Perspektivlosigkeit durch die Lockdown bei Dienstleistern und im Handel. In der Bauwirtschaft rechnet mehr als die Hälfte der Umfrageteilnehmer mit einer Verschlechterung. Wolfgang Hilgenroth, Hilgenroth Tief- und Straßenbau aus Sundern, ordnete ein: „Wir kommen von einem sehr hohen Niveau, da ist man leichter geneigt zu sagen, es wird schlechter. Was uns aber Sorge bereitet ist, dass die wirtschaftlichen Auswirkungen der Pandemie zeitverzögert ankommen.“ Schon jetzt zeige sich, dass die Auftragsbücher für die kommenden Monate nicht so ausgefüllt seien, wie im Vorjahr.

Auch im Einzelhandel sind die Erwartungen eher pessimistisch. 47,6 Prozent der Unternehmen denken, dass sich ihre Lage noch verschlechtert. „Auf vielen Bögen haben wir gelesen, dass die Händler die Befürchtung haben, dass der Kunde nicht unmittelbar zurück in das Geschäft kommt, wenn er einmal an den Online-Einkauf gewöhnt ist“, berichtete Stefan Severin. Dass sich lokaler Einzelhandel und Online-Verkauf auch gut kombinieren lassen, berichtete Dominik Neumann von der Zweirad-Welt Neumann in Brilon. Er habe im vergangenen Jahr vom großen Interesse der Menschen an Outdoor-Aktivitäten profitiert. „Während des Lockdowns kann man bei uns online bestellen und kontaktlos abholen.“

Konjunkturklima zeigt Spaltung

Der IHK-Konjunkturklimaindikator steigt auf 104,9 Punkte und zeigt damit positives Wachstum an. Der Indikator berücksichtigt die Bewertungen der Lage und der Erwartungen. Damit setzt sich die Erholung nach dem Allzeittief mit 69,1 Punkten im vergangenen Frühjahr fort. Allerdings zeigt das Konjunkturklima auch deutlich die Spaltung. Den höchsten Klimawert melden Industrie und Dienstleistungen mit jeweils 120 Punkten, das Gastgewerbe steht bei nur 42 Punkten. Doch nicht nur das Gastgewerbe, auch große Teile des stationären Einzelhandels sowie personenbezogene Dienstleistungen durchleiden eine schwierige bis dramatische Phase. „Negative Lageeinschätzungen sind fast ausschließlich Lockdown-induziert“, erläutert IHK-Volkswirt Stefan Severin.

Ein weiteres Themenfeld in der IHK-Auswertung sind die Exporterwartungen. „Der Export erweist sich als stabile Größe“, so Severin. Der Anteil an Unternehmen, die Risiken im Auslandsgeschäft sehen, hat sich halbiert. Die Gründe dafür findet Stefan Severin unter anderem in einem Rückgang von Unsicherheiten etwa durch den Brexit-Vertrag und die neue US-Regierung.

Zurückhaltung bei Investitionen

Was die Investitionsabsichten betrifft, halten sich die Unternehmen vorerst weiter zurück. Zwar geben rund 60 Prozent der Unternehmen an, derzeit finanziell keine negativen Auswirkungen der aktuellen Gesamtlage zu spüren, 22 Prozent verzeichnen aber bereits jetzt einen Eigenkapitalrückgang, 3,3 Prozent sprechen von drohender Insolvenz. Im Gastgewerbe ist die Finanzlage bereits jetzt sehr angespannt: Hier sprechen 66,4 Prozent von Eigenkapitalrückgang und 8,2 Prozent von drohender Insolvenz.

Die Auswertung zeigt außerdem, dass die Belegschaften voraussichtlich kleiner werden. 21 Prozent der Betriebe planen einen Personalabbau, 14 Prozent legen zu bei der Beschäftigung. Sichtbar in den Fokus rückt außerdem wieder das Thema Fachkräftemangel. Gerade in der Verkehrswirtschaft, in den Dienstleistungsbranchen und im Gastgewerbe sorgt man sich, beim Herauffahren nach dem Lockdown nicht an die erforderlichen Fach- und Arbeitskräfte zu kommen.

Einzelfälle gesucht

Was die staatlichen Hilfen während der Pandemie angeht, sei auch hier die Lage unterschiedlich, teilweise seien sie zügig geflossen, an anderen Stellen nur zum Teil oder spät ausgezahlt. „Jede weitere Woche Lockdown verschlimmert die Situation. Es geht um die Existenz. Darum muss die Politik jetzt dafür sorgen, dass Abschlagszahlungen in ausreichender Höhe ausgezahlt werden und die zugesagten finanziellen Hilfen rechtzeitig im Unternehmen ankommen“, fordert der IHK-Präsident Andreas Rother, auch mit Blick auf fehlende Öffnungsperspektiven.

Generell habe man in Corona-Zeiten seitens der Unternehmen ein größeres Bedürfnis zu reden festgestellt, resümiert Stefan Severin. IHK-Geschäftsführerin Dr. Ilona Lange greift diesen Eindruck noch einmal auf: „Wir suchen konkrete Einzelfälle von Unternehmen, die vom Lockdown betroffen sind und versuchen ihre Sorgen weiterzutransportieren und zu helfen.“ Sie appelliert: „Bitte melden Sie sich bei uns.“

Informationen auf karriere-hier.de

Abschließend warb Dr. Ilona Lange für das Berufsausbildungsportal karriere-hier.de. Während es in den Schulen derzeit keine Berufsberatung gebe und Info-Messen nicht stattfinden könnten, gebe es hier (auch für Eltern) zahlreiche Informationen. „Die Unternehmen suchen nach wie vor interessierte Bewerber, es gibt reichlich Plätze, also bewerbt euch.“

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