"Unheimlich viel im Fluss" - auch in Arnsberg und Sundern

Leader-Zwischenbilanz: "Bürgerregion am Sorpesee" ist einer der Spitzenreiter in NRW

Der interaktive Spielplatz im Sport- und Solepark (oben li., Foto: Julia Zywitz), das Sternendorf Meinkenbracht (unten li., Foto: Heinz Schröder), der parKur in Langscheid (oben re., Foto: Andre Geißler) und die Eiswiese in Oeventrop (unten re., Foto: Rebecca Weber) sind nur einige Beispiele für die Vielfalt der Leaderprojekte.

Arnsberg/Sundern. Sehr produktiv war man in der Leaderregion „Leader sein! Bürgerregion am Sorpesee“. Nach drei Jahren sind 78 Prozent der 3,1 Millionen Euro zur Verfügung stehenden Fördermittel ausgegeben beziehungsweise für Projekte reserviert. 32 Projekte listet die Homepage der Leaderregion bereits. Und der NRW-Vergleich zeigt: Es gibt wenig Leaderregionen, die bereits mehr als 30 Projekte vorzuweisen haben. Und die verbleibenden 22 Prozent der Fördermittel werden in diesem Jahr auch verplant werden, davon ist Regionalmanager Lars Morgenbrod überzeugt.

„Wir sind sehr zufrieden, wie viele innovative Ideen wir umsetzen konnten. Es ist unheimlich viel im Fluss“, so Morgenbrod. Im Regierungsbezirk Arnsberg, dem elf Leaderregionen in Südwestfalen unterstellt sind, ist die Bürgerregion Sorpesee mit 130.000 Einwohnern die größte Region. Außergewöhnlich im NRW-Vergleich ist aber auch die Vielzahl der kommunenübergreifenden Projekte. Zehn regionsweite Projekte hat es bisher gegeben. „Das liegt an den Akteuren in den Rathäusern“, lobt Morgenbrod die gute und vertrauensvolle Zusammenarbeit zwischen den Kommunen.

Auffällig ist auch, dass den Bürgern in der Region offenbar die Stärkung der sozialen Strukturen im Dorf und die Sicherung der Daseinsvorsorge am meisten unter den Nägeln brennt. Aus den sechs Handlungsfeldern kamen die meisten Projekte aus diesen beiden Bereichen. „Wir freuen uns über Projekte zu den Themen Mobilität und Wirtschaftsförderung“, so der Regionalmanager in der Hoffnung, die Palette der Handlungsfelder noch besser in der Praxis umsetzen zu können. „Aber die innovativen Ideen der Bürger haben Vorfahrt. Was den Menschen vor Ort hilft, hat Priorität.“

Umverteilung in Aussicht

Und die Innovationsfreude in der Sorpesee-Region ist ungebrochen. In der nächsten LAG-Sitzung am Dienstag, 12. Februar, in Neuenrade wird über die nächsten Projekte beraten. 700.000 Euro Förderbudget stehen noch zu Verfügung. „Aktuell sind zehn Projekte in der Vorbereitung, die in der ersten Jahreshälfte durch die LAG verabschiedet werden sollen“, so Lars Morgenbrod. 

„Ich vermute, auch nach zehn Projekten ist noch Geld da, aber versprechen kann ich das nicht“, so der Regionalmanager, der jedoch davon ausgeht, dass 2020 keine eigenen Leadermittel mehr vorhanden sein werden. Die Bezirksregierung Arnsberg habe aber bereits in Aussicht gestellt, dass es eine Umverteilung geben könnte. Im Laufe des Jahres sollen Abfragen in anderen Leaderregionen, die ihre Fördermittel nicht voll ausschöpfen werden, laufen. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass es eine Umverteilung geben wird, die Frage ist aber wie hoch.“

Förderlotse über Leader hinaus

Unabhängig vom schwindenden Förderbudget der laufenden Förderperiode ermutigt Lars Morgenbrod, Regionalmanager der Leaderregion „Leader sein! Bürgerregion am Sorpesee“, aber alle, die innovative Ideen für die Region haben, auf die Regionalmanager vor Ort zu zu kommen. Es gebe viele andere Förderprogramme, wie beispielsweise Bundesförderprogramme oder auch das Heimatförderprogramm des Landes NRW. „Es gibt immer wieder ein bisschen Geld zu holen“, macht Lars Morgenbrod Hoffnungen. Denn die Regionalmanager verstehen sich auch als Förderlotse über Leader hinaus, um Akteuren in der Region zu helfen und Kontakte zu anderen Förderprogrammen herzustellen.

Von den Projekten, die bereits eine Leaderförderzusage haben, wird ein ganzer Schwung in den kommenden Monaten realisiert: die Eiswiese Oeventrop (27.900 Euro – davon 18.100 Euro gefördert), die Dorfschule Stockum (397.000 Euro – 250.000 Euro), Anbau Schützenhalle – Wohnzimmer Holzen (206.808 Euro – 134.425 Euro), das Inklusionscafé Binnerfeld (110.192 Euro – 71.625 Euro) wird gerade eingerichtet. Für das Projekt „In der Höhle des Löwen“ (207.050 Euro – 134.583 Euro) werden derzeit Netzwerkmanager eingestellt, die die beiden Veranstaltungen 2020 und 2021 in der Balver Höhle vorbereiten. Die Schulungsinitiative – Ältere Menschen als Kunden (30.240 Euro – 19.656 Euro) wird in diesem Jahr zum ersten Mal stattfinden. Auch das Forschungsnetzwerk Sauerländer Schulen (20.000 Euro – 13.000 Euro) wird im ersten Halbjahr an den Start gehen. Viel Schwung und viele Impulse hat das Projekt „Sorpe – unsere grün-blaue Mitte“ gegeben – Mithilfe einer „Entdeckerkarte“ können, wie bereits berichtet, besondere Ausflugsziele und Kleinode in der Region auf eigene Faust entdeckt und viele Aha-Erlebnisse gemacht werden (die Karte gibt es in den Rathäusern, bei den Verkehrsvereinen und beim Stadtmarketing Sundern).

Initialzündung für die Region

Als eine Initialzündung bewerten die Akteure das Projekt, weil es weitere „Baustellen“ zu Tage gefördert hat. Am Ball ist man aktuell an drei wichtigen Themen: Verbesserung der ÖPNV-Angebote zum Sorpesee (kreisübergreifend), Ausbau der Radwegevebindung aus dem Röhrtal, aus Balve und Neuenrade zum Sorpesee beziehungsweise Verbesserung der Infrastruktur sowie die Schaffung neuer Aussichtspunkte am Sorpesee. Denn auch nach dieser Förderperiode ist, wie es heute aussieht, nicht Schluss. Für eine neue Leader-Förderperiode nach 2022 gibt es bereits Signale – allerdings noch mit vielen Fragezeichen in Detailfragen. Die Unwägbarkeiten sind dem Brexit geschuldet: Wird es dadurch weniger Förderung geben oder dadurch weniger Förderregionen? Oder bleibt alles beim Alten? Wie hoch werden die Fördergelder in dem neuen Turnus sein? „Das sind alles Fragen, die im Raum stehen“, erklärt Lars Morgenbrod.

Drei Jahre „Leader sein!“

  • Die Bürgerregion am Sorpesee mit den Städten Arnsberg, Balve, Neuenrade und Sundern ist eine von der EU und dem Land NRW anerkannte Leader-Region. Die Region erhält für den Zeitraum von 2015 bis 2022 Fördermittel in Höhe von 3,1 Millionen Euro.
  • Bis Mitte 2020 können noch Projekte eingereicht werden, im Oktober 2020 wird über die letzten Projekte entschieden. Der Zeitraum danach bis 2022 wird für die Realisierung genutzt, Neues kann dann nicht mehr angestoßen werden. In der Leaderregion war man am 1. Januar 2016 mit der Arbeit an Projekten gestartet. #
  • Nach drei Jahren zog man jetzt eine Zwischenbilanz: Bisherige Projektverteilung nach Städten: Arnsberg (8), Balve (5), Neuenrade (3) und Sundern (6). Die durchschnittliche Leader-Förderung betrug rund 60.000 Euro. Kleinstes Projekt war das Sternendorf Meinkenbracht mit einer Förderung über 11.700 Euro und das größte Projekt die Dorfschule Stockum mit einer Förderung über 250.000 Euro.
  • Die Projekte verteilen sich auf sechs Handlungsfelder (Mehrfachzuordnungen): DAsein (20 Projekte), OFFENsein (25 Projekte), MOBILsein (ein Projekt), BEKANNTsein (20 Projekte), PRODUKTIVsein (fünf Projekte) und VERNETZTsein (32 Projekte). Weitere Infos gibt es unter www.leader-sein.de

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