Der Nachhaltigkeit verpflichtet

Neue Ausstellungen in Kunstverein und Arnsberger Lichthaus regen Gedanken an

Arnsberg. Der Kunstverein Arnsberg zeigt in seinen Räumen in der Königstraße sowie im Lichthaus immer wieder außergewöhnliche Arbeiten von außergewöhnlichen Künstlern. ...

Arnsberg. Der Kunstverein Arnsberg zeigt in seinen Räumen in der Königstraße sowie im Lichthaus immer wieder außergewöhnliche Arbeiten von außergewöhnlichen Künstlern. „Radition“ heißt die Ausstellung von Fabian Knecht, die ab Freitag im Kunstverein zu sehen ist. Im Lichthaus hat die Künstlerin Ulrike Mohr ihren Gedanken freien Lauf gelassen und dabei den Hauptaspekt auf das sich anschließende „Gartenhaus“ gelegt.

Fabian Knecht bezeichnet das Thema in seinen Arbeiten als „Kampf gegen Autoritäten“. „Die Objekte sind entfremdet und entwurzelt. Ich löse sie aus ihrer Umgebung, bringe sie in einen neuen Kontext“, erklärt Fabian Knecht seine Arbeit. „Es ist eine Entwurzelung, aber gleichzeitig auch eine Neuverortung, die den Objekten widerfährt“. Knecht geht für seine Kunst ungewohnte Wege. So brach er für das Thema „Zersetzung“ ins Schloß Vauvenargues bei Aix-en-Provence ein. Hier hat Picasso die letzten Jahre seines Lebens verbracht, hier ist er auch beerdigt worden. Die Skulptur „La Femme au Vase“ markiert seine letzte Ruhestätte. Knecht stahl ein Grasstück von der Oberfläche des Grabes. „Hier hat Picasso sich physisch schon aufgelöst und vielleicht steckt ein Teil von ihm in diesem Gras.“ Knecht zitiert Albrecht Dürer: „Denn wahrhaftig steckt die Kunst in der Natur, wer sie heraus kann reißen, der hat sie....“. Mit zum Bild gehört ein kleiner kriechender Wurm, der für die Arbeit ‘Zeichnung’ mit eben diesem Gras gefüttert wurde und gefilmt wurde. Der Künstler tauchte den Wurm in Sepia und lässt ihn seine Arbeit machen. Schmierige dunkle Linien auf Papier sind das Ergebnis.

Objekt erlangt neue Bestimmung

„Verformung (Das Glückliche Objekt)“ nennt der Künstler eine verformte Leitplanke, die durch einen Unfall aus ihrer Verankerung gerissen wurde. Auch sie hat ihren Zweck erfüllt. Sie hat durch ihr Dasein Menschenleben gerettet. Sie hat ihrer Bestimmung entsprochen und wird nun durch ihr Hiersein in einem Raum für Kunst ihre neue Bestimmung erlangen. Ein weiteres Objekt ist der Fahnenmast der amerikanischen Botschaft in Berlin – einst ein Hoheitszeichen – wird im Raum zur Markierung, zur Linie. Ein bloßes Ding. Ein stummes Zeichen. Bei ‘Fred spuckt in den Pazifik’ geht es um „eine traurige aber auch wunderbare Arbeit“, erklärt Fabian Knecht. Der todkranke Junge spuckte in einem Berliner Hospiz in ein Glas. Fabian Knecht nahm es auf eine lange Reise mit bis nach Japan. Dort lehrte er das Glas über dem Pazifik aus. „Es ist ein minimaler Eingriff in die Welt, der plötzlich alles ändert“, fasst Fabian Knecht das Erlebte zusammen.

Werk eigens für Lichthaus geschaffen

Ulrike Mohr ist die Künstlerin, die das Lichthaus in Verbindung mit dem Gartenhaus einer neuen ortsspezifische Installation zuführt. Sie thematisiert die ursprüngliche Balance zwischen Glashaus und Naturhaus. Die Ausstellung ‘Balancing Act’ (Seiltanz) lässt das Lichthaus nahezu leer. Es ist eine Einladung, den Außenraum neu und wieder zu entdecken. Die komplexe Komposition verknotet die Architektur des Lichthauses, die Natur des Gartenhauses und die künstlerische Arbeit miteinander. Ulrike Mohr verbindet vom Lichthaus ausgehend, einen Luftkilometer (als Hommage an Walter de Maria) 1000 Meter Seil in einer Art Moire mit dem Gartenhaus. Zwei Industriekletterer waren nötig, um das Kunstwerk nach einem Plan von Ulrike Mohr zu verwirklichen. „Es war ein Riesenaufwand, aber eine schöne und aufregende Arbeit“, erklärt Kathrin Ueberholz vom Kulturbüro Arnsberg. „Die Künstlerin spielt bewusst mit der Leere des Lichthauses und lässt viel Freiraum für Gedanken des Betrachters. Sie hat sich inspirieren lassen und dieses Werk nur für diesen Raum erschaffen“. Kathrin Ueberholz sowie den Künstlern ist es sehr wichtig, dass Kunst auch eine Nachhaltigkeit hat. „Die Kunst setzt ein Zeichen gegen die Vereinfachung der Welt. Sie will zum eigenen Nachdenken anregen und ist somit der Nachhaltigkeit in den Köpfen verpflichtet.“

Die Vernissage ist am Freitag, 31. März, ab 19 Uhr im Kunstverein Arnsberg.

Die Ausstellung von Fabian Knecht ist vom 31. März bis 28. Mai in den Räumen des Kunstvereins Arnsberg zu sehen. Balancing Act von Ulrike Mohr lädt vom 31. März bis 18. Juni zu einem Besuch des im Lichthauses am Kloster Wedinghausen ein.

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