Digitale Zugänge und vielfältige Themen

Neuer Museumsleiter hat viel vor: Was Dr. Oliver Schmidt für das Sauerland-Museum in Arnsberg plant

Ausstellung Eiszeit Mammut Live-Führung
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In den Live-Führungen nehmen die Museumsguides die Besucher digital mit in die Zeit von Mammuts und Wollnashörnern.

Die Ausstellung „Eiszeit – Leben im Extrem“ sollte eigentlich seit Ende 2020 zahlreiche Besucher in das Sauerland-Museum locken. Doch kürzlich musste das Museum erneut wegen der Entwicklungen rund um das Coronavirus schließen. Welche neuen Wege das Museumsteam nun geht und welche Pläne es bereits für die zweite Jahreshälfte gibt, berichtet Dr. Oliver Schmidt, seit Januar Leiter des Sauerland-Museums in Arnsberg.

Arnsberg – Mitten im Lockdown hatte Dr. Oliver Schmidt seinen ersten Arbeitstag als neuer Museumsleiter. „Ich bin auf einen sehr freundlichen Mitarbeiterstab gestoßen, der mich warm und herzlich aufgenommen hat, sodass ich mich hier sehr schnell, sehr wohl gefühlt habe.“

Auch wenn das Museum geschlossen war, ging es für den 41-Jährigen mit der Arbeit unmittelbar los. „Ich habe es sehr genossen, direkt in wichtige Prozesse geworfen worden sein, die das Haus weiterbringen und entwickeln. Auf diese Entscheidungen und den damit einhergehenden Gestaltungsspielraum hatte ich mich im Vorfeld sehr gefreut“, nimmt er unter anderem Bezug auf Vorbereitung und Inszenierung kommender Ausstellungen. Auch die ersten Kontakte mit der Stadt Arnsberg, Akteuren der Museumslandschaft und vielen weiteren Partnern in der Kulturregion Sauerland hätten mit dafür gesorgt, dass er sich bereits gut eingelebt habe.

Das Museums- und Kulturforum sei dem Dortmunder schon länger ein Begriff gewesen. Nun Leiter dieses modernen Ausstellungshauses in einer spannenden Region mit großer Themenvielfalt zu sein - das sei für ihn ein Traumjob: Sowohl architektonisch als auch konzeptionell in der Ausrichtung als Museums- und Kulturforum gebe es unendlich reizvolle Gestaltungsmöglichkeiten und Entwicklungspotenziale für das Sauerland-Museum, aber auch für die Museums- und Kulturlandschaft im Sauerland und Südwestfalen insgesamt. „Die Arbeit, die hier geleistet wurde, verdient gerade in Umfang und zeitlicher Taktung der Umsetzung schnell aufeinanderfolgender Großprojekte höchsten Respekt“, resümiert Dr. Schmidt.

Landrat Dr. Karl Schneider begrüßte Dr. Oliver Schmidt als neuen Leiter des Sauerland-Museums in Arnsberg.

Nach seinen ersten rund 120 Tagen im Dienst lernt er das Haus und seine Funktionsweise immer noch kennen, hat gleichzeitig aber aktuelle Herausforderungen längst im Blick: „Wir durchlaufen zurzeit eine sehr spannende Transformations- und Umbruchsphase in der Museumswelt insgesamt. Ganz wichtig ist es für uns, das Museumserlebnis durch eine Ausdehnung unserer Vermittlungsstrategie und eine Öffnung für neue, zusätzliche Besuchergruppen zu verfolgen – und zwar sowohl im Museum als sozialen und dritten Ort, aber auch mit Hilfe digitaler Zugänge.“ In der Zeit der Öffnung vor einigen Wochen habe man gemerkt, wie sehr die Menschen und insbesondere Familien mit Kindern das Kulturerlebnis gesucht hätten. So ist es dem Museumsteam insgesamt ein Anliegen, die Erreichbarkeit des Hauses zu erhöhen, indem Hemmschwellen reduziert und neue Vermittlungsformate entwickelt werden.

Neue Wege, neue Zielgruppen

Neue Wege geht das Team bereits mit der aktuellen Sonderausstellung, denn auch wenn das Museum nicht öffnen darf, passiert hinter den Kulissen einiges: „Wir binden nun alle unsere Kräfte ein, indem wir unsere Vermittlungsangebote im Online-Bereich weiter ausdehnen. Nach den Online-Kindergeburtstagen, die wir bereits seit Februar im Programm haben, bieten wir seit dem letzten Wochenende und im ganzen Mai Live-Online-Führungen durch Sonder- und Dauerausstellungen, die sehr nachgefragt sind, an.“

Mit der Resonanz am ersten Wochenende war das Team sehr zufrieden, wie Karin Fischer, Marketing Sauerland-Museum, ergänzt: „Mit der Digitalisierung erschließen wir ganz neue Zielgruppen: Am Wochenende hatte sich eine Familie aus Frankreich zugeschaltet und bei einem der letzten Kindergeburtstage hatten wir Gäste aus Argentinien und den USA.“

Darüber hinaus werden inzwischen regelmäßig Beiträge auf den Kanälen auf Instagram, Facebook und Youtube gepostet, die Geschichten aus dem Museum erzählen. „Uns ist es wichtig, weiter für die Menschen da zu sein und ihnen weiterhin einen Zugang zu ‘ihrem’ Museum zu ermöglichen“, hebt Oliver Schmidt hervor. Auch für den Internationalen Museumstag (16. Mai) kündigt er bereits zusätzliche Angebote an.

Ideen für künftige Ausstellungen und Angebote

Für Ausstellungen und Angebote in der Zukunft hat er ebenfalls bereits Ideen: „2025 wird das Haus 100 Jahre alt – da möchten wir gerne einen großen Aufschlag machen. Spannend finde ich auch die Nachkriegsgeschichte im Sauerland, die insbesondere hinsichtlich ihrer wirtschaftlichen Entwicklung herausragend ist – hier gibt es zahllose spannende Firmen mit einer eigenen Unternehmenskultur, die ihnen einen mitunter beispiellosen Aufstieg oder das Durchstehen vieler Krisen ermöglichte. Diesen Geschichten möchten wir gerne eine Plattform geben.“

Auch Wald und Klima sowie Sport und Gesundheit seien mögliche Themen. „Es gibt hier viele Aspekte des Lebens im Sauerland, die mit Gegenwartsbezug und großer gesellschaftlicher Relevanz als Themen so in Ausstellungen aufgearbeitet werden können, dass sie überregional ausstrahlen und Publikum für das Sauerland-Museum gewinnen können.“ Generell gehe es bei der Inszenierung Ausstellung um den kulturhistorischen Kontext und das Wechselspiel zwischen Kunst und Gesellschaft.

Facetten des Expressionismus

So auch in der zweiten Jahreshälfte 2021: Dann dreht sich alles um einen Kunststil aus dem frühen 20. Jahrhundert – den Expressionismus. Die Bezirksregierung Arnsberg hat dem Hochsauerlandkreis jüngst einen Förderbescheid über 159.770 Euro bewilligt. Mit den Landesmitteln aus der Förderung für bildende Kunst wird die Durchführung einer Sonderausstellung zum Thema Expressionismus im Sauerland-Museum gefördert. Unter dem Titel „Im Westen viel Neues. Facetten im rheinisch-westfälischen Expressionismus“ knüpft die für den Zeitraum September 2021 bis Januar 2022 geplante Schau thematisch an die erfolgreiche August-Macke-Ausstellung von 2019 an.

Bei der Expressionismus-Ausstellung werde ein besonderes Augenmerk auf die unterschiedlichen Facetten der Stilrichtung im Rheinland und in Westfalen gerichtet. Gezeigt werden rund 150 Exponate bekannter und unbekannter Künstler – darunter Gemälde, Zeichnungen, Druckgrafiken, Skulpturen, Bühnenbilder und Alltagsobjekte wie zum Beispiel Möbel. Dr. Oliver Schmidt macht neugierig: „Mit der Förderung können wir garantieren, dass wir eine sehr sehenswerte Ausstellung werden präsentieren können.“

Digitale Führungen durch Eiszeit- und Dauerausstellung

Sonntags um 11 Uhr geht es für die ganze Familie vom Sofa aus in die Sonderausstellung „Eiszeit – Leben im Extrem“. Der Museumsguide entführt 45 Minuten lang in die Zeit vor 20.000 Jahren, als Mammuts und Wollnashörner durch das baumlose Sauerland gewandert sind. Wer einen geführten Einblick in die Dauerausstellung im Sauerland-Museum bekommen möchte, schaltet sich sonntags um 14 Uhr zur Live-Führung dazu. Die Live-Führungen werden über Webex abgehalten, die Zugangslinks sind auf der Homepage des Museums abrufbar: www.sauerland-museum.de Die Sonderausstellung „Eiszeit – Leben im Extrem“ läuft bis zum 4. Juli.

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