400 Jahre alte Pfeifen werden gereinigt

Wie wird eine Orgel restauriert? "Offene Werkstatt" in Oelinghausen liefert Antworten

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So sieht derzeit die Klausing-Orgel in Oelinghausen aus. Sie bietet jetzt einen Anblick, der man nur selten hat.

Oelinghausen. Die Klausing Orgel in der Kirche Kloster Oelinghausen wird zur Zeit gewartet. Pfeifen werden ausgebaut, gereinigt, entstaubt. Es gibt viele interessante Dinge zu sehen. Erklärungen gibt bereitwillig Projektleiter Werner Zehaczek. Dies soll er auch tun, wenn die Klosterkirche ihre Pforten öffnet, um den interessierten Besuchern zu zeigen, was im Moment in der Kirche vor sich geht. Dann wird auch Restauratorin Johanna Fuchs anwesend sein, um ihre Arbeit zu erklären.

„Es ist ungefähr 17 Jahre her, dass die letzte Wartung durchgeführt wurde. Wir sind damit also gut in der Zeit. Je nachdem, wie die Kirche genutzt wird – ob viele Kerzen brennen, ob oft viele Touristen da sind und so weiter – muss eine Orgel öfter gereinigt werden“, erklärt Alfred Hilbig vom Gemeindeteam Oelinghausen. „Der Schmutz und auch der Schimmel haben seit 2008 abgenommen, seit dem haben wir das Klima hier in der Kirche besser im Griff.“ 

Orgelbaumeister Zehaczek von der Firma Orgelbau Kuhn im Kanton Zürich in der Schweiz ergänzt dazu: „Jetzt reinigen wir vor allem die Orgelpfeifen, damit der Staub den Klang nicht beeinträchtigt.“ Zehaczek zeigt auf die kleineren Orgelpfeifen, die noch im Orgelgehäuse stecken. „Die kleineren, die man hier sieht, dass sind die neuen Pfeifen. Sie sind viel heller als größeren daneben. Das liegt zum Einen an der Materialzusammensetzung, zum Anderen am Alter der Pfeifen. Sie setzen mit er Zeit Patina an.“ Der Orgelbaumeister erklärt, dass es in der Oelinghauser Klausing-Orgel auch Pfeifen und anderes Material gibt, das aus der Vorgängerorgel mit in diese hinein gebaut wurde. „Manche der Pfeifen sind 400 Jahre alt. Insgesamt hat die Orgel etwa 1200 Pfeifen.“ 

Alfred Hilbig und Orgelbaumeister Werner Zehaczek betrachten eine kleine Orgelpfeife aus der Klausing-Orgel in Oelinghausen. Foto: Gaby Decker

Der Klang soll erhalten werden. „Die Orgel wird nicht neu intoniert“, so der Orgelbaumeister. „Maßgabe war bei der Restauration in den Jahren 2000 bis 2002, in der das Klangbild und die Stimmung wieder hergestellt wurden, stets der Zustand von 1717. Und so ist es auch bei der jetzigen Wartung. Es gibt keinen Grund, am Klang der Orgel etwas zu ändern.“ 

Ein Stück weiter auf der Nonnenempore, auf der die Orgel ja steht, ist der Geselle Gabriel Stähli damit beschäftigt, eine kleine Delle in einer sehr großen Orgelpfeife heraus zu bekommen. Dafür gibt es eine extra Vorrichtung. Aber es scheint sehr anstrengend zu sein, denn der junge Mann muss erst ein paar Mal tief durchatmen, bevor er weiter machen kann. Imposant sind diese großen runden hohlen Metallrohre, die ja die wunderbare Musik der Orgel hervor bringen sollen. 

"Das ist wie bei einem Auto"

„Das ist alles wie bei einem Auto“, erklärt Alfred Hilbig, „wenn man es nicht regelmäßig in die Werkstatt bringt, wird es irgendwann kaputt gehen“. So muss also auch eine Orgel „in Schuss“ gehalten werden, damit zum Beispiel, so wie einige dieser Pfeifen respektable 400 Jahre alt werden können. Aber es ist nicht nur die Orgel, die gewartet wird. 

Die Restauratorin Johanna Fuchs hat noch die Aufgabe, Feinarbeiten an den Figuren auf der Nonnenempore zu tätigen. Alfred Hilbig erklärt: „Auch hier muss sehr vorsichtig zu Werke gegangen werden. Wir wollen bei den Figuren und Bildern auch den Urzustand erhalten. Auf der Rückseite der Figuren gibt es so genannte kleine Fenster, in denen zu sehen ist, wie sie früher bearbeitet wurden. Bei den Bildern, die gereinigt werden müssen, nehmen wir nicht die Firnisse (Anm. d. Red.: Schutzschicht aus farblosem Öl) ab. Das würde die Bilder zwar heller und strahlender machen, aber wir sehen unsere Aufgabe darin, sehr schonend mit den Werken um zu gehen und werden sie daher nur vorsichtig reinigen und eventuell etwas ausbessern.“ 

Johanna Fuchs wird im Ottilienkeller des Klosters vorübergehend ihre Werkstatt haben. Dorthin dürfen auch die Gäste am Mittwoch, 30. Januar, beim Abend der „offenen Werkstatt“ gehen und sich von der Restauratorin ihre Arbeit erklären lassen, bevor es in die Kirche zu der Orgel geht. Von 18.30 bis 20 Uhr werden Orgelbaumeister und Restauratorin ihre Arbeit erklären.

Finanzierung 

Für die Arbeiten sind 60.000 Euro veranschlagt. An öffentlichen Geldern gibt es vom Staatsministerium für Kultur und Medien 30.000 Euro. Hier hatte sich auch Prof. Dr. Patrick Sensburg (MdB) für eingesetzt. 28.000 Euro schließlich kommen vom Bistum Paderborn aus Kirchensteuermitteln. 2000 Euro muss die Gemeinde selbst aufbringen.

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