Infos aus dem innersten Kreis

Psychologe der Nationalmannschaft referiert beim Sparkassen-Dämmerschoppen in Herdringen

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Die Sparkassen-Vorstände Ernst-Michael Sittig (l.) und Norbert Runde (r.) hatten Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann als Referenten zum Dämmerschoppen eingeladen.

Herdringen. Warum Bastian Schweinsteiger und Manuel Neuer „Caring Captains“ sind, welche Videos der deutschen Fußball-Nationalmannschaft zur Motivation gezeigt werden und welcher ehemalige Profi aus dem Betreuerstab regelmäßig „bettelt“, beim Trainings-Abschlussspiel mitzuwirken, das wissen die Gäste des Dämmerschoppens der Sparkasse Arnsberg-Sundern seit dieser Woche. Das Kreditinstitut hatte den DFB-Psychologen Prof. Dr. Hans-Dieter Hermann als Referenten ins Jagdschloss Herdringen eingeladen. Und der Experte plauderte aus dem berühmten „Nähkästchen“.

Unter dem Titel „Niemand gewinnt allein“ spracht Hans-Dieter Hermann vor Mitarbeitern und Kunden der Sparkasse darüber, wie Teamgeist zum Erfolg beitragen kann – auch im Unternehmen. So seien die eigene Motivation, motivierte Teams und die Fähigkeit, „auch mal über sich selbst zu lachen, wenn etwas nicht klappt“, Grundlage für den Erfolg. Auf der anderen Seite zeigte der 57-Jährige aber auch auf, was nicht förderlich für den Zusammenhalt ist: „Selbsterhöhung auf Kosten anderer zerstört Teams.“ 

Neben praktischen Tipps für die vielen Führungskräfte im Publikum hielt der Referent, der seit 2004 für den DFB arbeitet, auch immer wieder Informationen aus dem innersten Kreis der Nationalmannschaft bereit. So berichtete Hermann unter anderem darüber, wie Ex-DFB-Kapitän Bastian Schweinsteiger nach einem Training bei der WM 2014 den dritten Torhüter Ron-Robert Zieler für seine Leistung lobte und sagte: „Weil du so viel Gas gibst, gewinnen wir das nächste Spiel.“ Schweinsteiger sei – ebenso wie der heutige Spielführer Manuel Neuer – ein „Caring Captain“, dem das Wohl jedes einzelnen Spielers am Herzen liege. 

Ebenso zeigte Hans-Dieter Hermann seinen Zuhörern ein Video, das der Nationalmannschaft unmittelbar vor einem Spiel zur Motivation gezeigt wurde. Es zeigte eine Szene aus einem American Football-Spiel, bei dem ein Spieler einen scheinbar sicheren Touchdown des Gegners doch noch unterbinden kann – obwohl er zu Beginn des Angriffs am weitesten entfernt vom Geschehen stand. Eine weitere Anekdote war, dass Teammanager Oliver Bierhoff regelmäßig darum „bettele“, beim Abschlussspiel im Training mitspielen zu dürfen. „Das klappt aber nur, wenn die Spieler nicht genau auf zwei Mannschaften aufgeteilt werden. Oliver ist aber immer noch sehr gut in Form“, erzählte Hans-Dieter Hermann. 

"Mein Gott, hast du ein Glück" 

Vor seinem Vortrag berichtete der Psychologe im Gespräch mit dem SauerlandKurier über seine konkrete Arbeit bei der Nationalmannschaft. „Ich bin für das Training im Kopf und für den Kopf zuständig“, erklärte Hermann. Er sei „Ansprechpartner für jeden einzelnen“. Dabei habe er aber keine festen Sprechzeiten. „Das läuft alles viel informeller ab, als man sich das vorstellt. Oft führe ich lockere Gespräche beim Essen oder beim Joggen. Manchmal sitzen die Spieler aber auch mehrere Stunden bei mir“, berichtete der 57-Jährige. Aber auch das Teambuilding falle in seinen Aufgabenbereich. „Gerade wenn wir bei einer WM oder EM acht Wochen am Stück zusammen sind, müssen wir überlegen: Was machen wir außerhalb vom Fußball?“, erläuterte Hermann. 

Wenn er mit der Nationalelf unterwegs ist, erlebe er immer wieder wunderschöne Momente. „Manchmal denke ich mir: Mein Gott, hast du ein Glück“, erklärte der Psychologe. Der für ihn persönlich schönste Moment war die Busfahrt nach dem Spiel um Platz drei bei der Heim-WM 2006: „Ich habe noch nie so gelacht. Wir haben gesungen, getrunken, der Bus kam nicht vorwärts. Es war einfach wunderschön.“ 

Zum Sport gehören aber natürlich auch schwere Momente – besonders nach Niederlagen. Die „schwärzeste Stunde“ war aus Hermanns Sicht das Ausscheiden im Halbfinale bei der EM 2012. Um bestmöglich mit einer Niederlage – sportlich oder persönlich – umzugehen, nannte der Experte einige Tipps: Man sollte darüber schlafen, sich mit den „richtigen“ Menschen umgeben, vielleicht auch „mal heulen oder schreien“ und sich schließlich fragen, was der persönliche Anteil an der Niederlage ist und was man beim nächsten Mal besser machen kann. Denn: „Niederlagen können eine Stufe für den nächsten Erfolg sein.“

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