Frauen informieren sich auf dem Uentroper Hof von Lucia Kühn

Pumps statt Gummistiefel: Landfrauen wollen mit Vorurteilen aufräumen

Viele interessierte Frauen verschiedener Generationen waren teilweise mit ihren Kindern gekommen, um Lucia Kühns (li.) Ausführungen zu lauschen. Fotos: Gaby Decker

Uentrop/Arnsberg. Bestimmten früher noch Gummistiefel das Bild, gibt es heute viele Schuhe, in denen heute Landwirtinnen unterwegs sind. Dazu gehören natürlich auch Pumps. Um zu verdeutlichen, auf welchen Wegen sich die Landfrauen heute befinden und welch ein moderner Beruf Landwirtin ist, entstand der Slogan „pumps@bauernhof“. Vor Ort, auf dem Bauernhof, sollen Gespräche von Frau zu Frau stattfinden. So hatte der Landfrauenverband Arnsberg jetzt interessierte Frauen auf den Hof von Lucia Kühn in Uentrop eingeladen.

Die Landfrauen möchten präsenter werden, sie möchten mit Aktionen wie „pumps@bauernhof“ der Landwirtschaft ein Gesicht geben. Sie möchten die Zusammenhänge erklären und verständlicher machen. 

Hildegard Ahshoff vom Arnsberger Vorstand berichtet: „100 Mitglieder zählt inzwischen die Gruppe der Landfrauen in Arnsberg. Im Oktober vergangenen Jahres gründeten die jungen Landfrauen eine eigene Gruppe. Die meisten von ihnen sind unter 30 Jahren. Die jungen Landfrauen haben inzwischen 25 Mitglieder.“  Maria Askemper, Geschäftsführerin im Kreisvorstand Hochsauerland, ergänzte: „Es gibt auch einige Frauen im Verband, die keinen Hof mehr haben oder auch überhaupt nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben.“ 

Kälbchen sind erst wenige Tage alt

Wie interessant die Landwirtschaft heute sein kann, zeigte Lucia Kühn bei einem Rundgang über den Bauernhof in Uentrop. Zunächst lernen die Gäste etwas über Trockensteher – Kühe, die wenige Wochen vor dem Kalben stehen und in einem gesonderten Stall gehalten werden, damit sie mehr Ruhe haben und auch nicht mehr gemolken werden. Dem angeschlossen ist der „Kindergarten“, in dem mehrere Kälbchen untergebracht sind. Die jüngsten sind gerade mal ein paar Tage alt. Lucia Kühn erklärt: „Wir arbeiten hier nur mit weiblichen Tieren, die männlichen werden weiter verkauft. Es gibt auch keine Bullen bei uns, sie können sehr gefährlich werden. Ich nehme unseren kleinen Sohn oft mit in den Stall und da ist die Gefahr einfach zu groß. So haben unsere Kühe auch keine Hörner. Es gibt heute Züchtungen, die das von vornherein ausschließen. Da gibt es keine Verletzungen, weder bei den Menschen noch bei den Tieren.“ 

Die kleinen Kälbchen durften auch gestreichelt werden.

Weiter geht es zum Futtertisch der Kühe und zum Melkroboter. Seit einem halben Jahr haben die Kühns an diesen Roboter das Melken sozusagen abgegeben. Im weitläufigen Stall haben die Kühe jede Menge Bewegungsfreiheit und so können sie auch selbstständig zum Melkroboter gehen. „Es hat circa zwei Wochen gedauert, bis sich die Kühe darauf eingestellt hatten“, berichtet Lucia Kühn. „Die Kühe gehen freiwillig in diesen schmalen ,Korridor’, weil sie zum einen dort immer einen Vorrat an Leckerchen finden, zum anderen natürlich, weil das Euter voll ist und die Milch drückt.“ Der Roboter liest einen Chip aus, der bei der Kuh um den Hals hängt und kann so erkennen, ob die Kuh überhaupt die Berechtigung hat, gemolken zu werden. Wenn nicht, geht das Gatter wieder auf und die Kuh wird heraus geleitet. Aber ihr Leckerchen haben sie trotzdem ergattert, sie sind ja nicht dumm, diese großen gemütlichen Tiere. 

"Ein Stück Freiheit erkauft"

Die Milch wird nach einer exakten Prüfung durch den Roboter direkt in den großen Tank in der Milchkammer gleitet. Ist irgend etwas mit der Milch oder dem Roboter nicht in Ordnung, bekommen die Kühns sofort eine Nachricht auf ihr Handy. Eine Kuh gibt pro Tag etwa 25 bis 35 Liter Milch. Auch für viele der Landfrauen ist der Melkroboter faszinierend. Auch wer selbst einen Hof hat, hat ja nicht unbedingt einen Roboter. Lucia Kühn macht den Frauen klar: „Wir haben uns durch den Roboter ein Stück Freiheit erkauft. Wir müssen nicht wie sonst morgens um sechs und nachmittags um 17 Uhr zum Melken in den Stall. Wir sind jetzt flexibel mit den Uhrzeiten.“ 

Trotzdem ist Lucia Kühns Tag vollgepackt. Sie bewirtschaftet den Hof mit ihrem Mann allein. An diesem Nachmittag ist sehr deutlich zu erkennen, wie sich das Bild von der Bauersfrau zur Landwirtin gewendet hat. Sie brauchen wirklich viele Schuhe, um für allemöglichen Situationen gut aufgestellt zu sein. Es sind starke Frauen, denen die Stiefel für den Stall gut passen. Aber sie sind genauso Frauen, quer durch alle Altersschichten, die sich in viele Dinge einmischen. Dafür steht auch der Landfrauenverband, dessen Ziel es ist, sich auch politisch einzubringen. 

Weitere Informationen gibt es unter https://www.wllv.de/arnsberg/

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