„Mama, ich habe doch gar kein Corona“

Schulkinder in Quarantäne: Mutter aus dem Sauerland schreibt Brief an NRW-Ministerin

Kinder in Corona-Quarantäne stellen Eltern vor eine Belastungsprobe. Eine betroffene Mutter aus Arnsberg im Sauerland hat der NRW-Bildungsministerin einen Brief geschrieben.

Arnsberg-Oeventrop/Hochsauerlandkreis – Das Thema wird heiß diskutiert in Politik und Medien: Kinder in coronabedingter Quarantäne stellen Eltern als auch Familienmitglieder vor besondere Belastungsproben. Unmut, Unverständnis und Sorgen sowie die Doppelbelastung durch Betreuung und Homeschooling machen sich breit. Aber auch Lehrer sind durch die derzeitigen Quarantäne-Regelungen stark gefordert.

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KreisHochsauerlandkreis
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Schulkinder in Quarantäne: Mutter aus dem Sauerland schreibt Brief an NRW-Ministerin

Im Hochsauerlandkreis sind aktuell über 40 Schulen von der Pandemie und der damit verbundenen Quarantäne betroffen.

Derzeit sollen laut NRW-Verordnung bei einem Corona-Fall direkte Kontaktpersonen in häusliche Quarantäne. Das sind Schüler, die vor, hinter, rechts oder links von einem Infizierten gesessen haben. Geimpfte ohne Symptome sind von der Quarantäne ausgenommen. Oft wird aber von den Behörden eine 14-tägige Quarantäne für ganze Gruppen oder Klassen angeordnet, so auch in der katholischen Bekenntnisgrundschule Dinschede, Arnsberg-Oeventrop.

Das sorgt für Verdruss, insbesondere bei zahlreichen Eltern. „Mein Sohn Hannes ging fünf Tage motiviert, glücklich und stolz in die Schule. Dann kam ein positiver Corona-Test und 47 Kinder mussten trotz Maske in Quarantäne“, berichtete Johanna Diekmann, Mutter von drei Kindern, aufgebracht.

„47 Kinder mussten trotz Maske in Quarantäne“

Ihr Sohn Hannes wurde am 19. August in der Grundschule in Oeventrop eingeschult, ging zusammen mit 46 weiteren Kindern in die Betreuung. Ein Corona-Test am Montag ergab, dass ein Kind positiv sei. Ab donnerstags hieß es dann für alle Jungen und Mädchen, die mit dem Kind in der Betreuung Kontakt hatten, 14 Tage in Quarantäne zu gehen, obwohl auch die Pool-Tests in der Schule am Mittwoch negativ gewesen seien.

„Trotz Maske hat das Gesundheitsamt entschieden, dass alle Kinder in Quarantäne geschickt werden. Hannes war gerade mal eine Stunde zusammen mit dem Kind in der Betreuung. Viele Tränen sind bei meinem Sohn geflossen. Er ist total enttäuscht, möchte doch einfach nur in die Schule gehen und neue Freunde finden“, so Johanna Diekmann traurig.

Von stolzen Schulkind sei ein enttäuschter Junge übrig geblieben

Von dem stolzen Schulkind Hannes sei ein enttäuschter Junge übrig geblieben, der bereits nach nur fünf Tagen im Homeschooling seine ersten Aufgaben lösen müsse.

Im Homeschooling gibt sich Johanna Diekmann alle Mühe, dass ihr gerade erst eingeschulter Sohn den Spaß an den Schulaufgaben nicht verliert.

„Hannes sagte nach dem zweiten Test nur: 'Mama, aber ich habe doch gar kein Corona. Warum darf ich nicht wieder zur Schule gehen?'“, so die dreifache Mutter, die Oma und Opa „einspannen“ muss, damit sie ihrem I-Männchen im Homeschooling gerecht werden kann.

Vorschläge an NRW-Schulministerin geschickt

Die engagierte, sorgenvolle Mutter, die zuhause zudem ihren vierjährigen Sohn und ihre zehn Monate alte Tochter betreuen muss, hat sich nun in einem Schreiben an Schulministerin Yvonne Gebauer gewandt mit zwei Verbesserungsvorschläge: Fünf Tage nach dem letzten Kontakt mit einer Corona positiven Person müsse es auch für Schulkinder möglich sein, mittels PCR-Test die Quarantäne beenden zu können, um wieder zur Schule gehen zu dürfen.

Die Ergebnisse der Nachtestungen bei positiven PCR-Pooltests kämen zudem viel zu spät. Man sollte laut Johanna Diekmann direkt zwei Proben ans Labor schicken. Eine gepoolt und als Backup zusätzlich jede Einzelprobe eines Pools. Bei positivem Befund sei somit ein schnelleres Agieren möglich, welches wesentlich zur Eindämmung beitragen würde.

Das sagt der Hochsauerlandkreis

Auf Nachfrage von Sauerlandkurier.de teilte der Hochsauerlandkreis mit, dass immer eine Einzelfallprüfung nötig sei. Unterschiedliche Indikatoren wie beispielsweise ein gemeinsames Frühstück müssten genau untersucht werden; danach werde anschließend individuell entschieden. In diesem Fall hieß das konkret: „Das Gesundheitsamt arbeitet nach den Vorgaben des RKI. Ein anderer Faktor wurde höher eingestuft, sodass trotz Maske eine Quarantäne für alle angeordnet wurde.“

Simone Eickhoff, Schulleiterin der katholischen Bekenntnisgrundschule Dinschede in Arnsberg-Oeventrop, teilte dazu mit, dass die Entscheidung bezüglich der Quarantäneanordnung vom Gesundheitsamt Hochsauerlandkreis erteilt worden sei. Die Schule sei lediglich darüber informiert worden. „Die Herausforderungen, die die Pandemie für Schulen mit sich bringt, sind schon enorm. Hinzu kommen immer neue Situationen, auf die wir uns teilweise auch sehr spontan einstellen müssen. Wir versuchen, das Beste aus der Situation zu machen, auf die Kinder einzugehen und die Eltern so gut es geht zu unterstützen“, so Simone Eickhoff.

Trotz steigender Infektionszahlen könnten die Quarantäne-Regeln für Schulkinder bald deutlich entschärft werden: Bildungsministerin Yvonne Gebauer (FDP) will nur noch nachweislich mit dem Coronavirus infizierte Kinder und Jugendliche in Quarantäne schicken. Das sagte sie nach einer Sitzung des Schulausschusses in Düsseldorf. Am kommenden Montag (6. September) beraten die Gesundheitsminister von Bund und Ländern über eine bundeseinheitliche Regelung zur Quarantäne an Schulen.

Rubriklistenbild: © Claudia Metten

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