Beim Neujahrsempfang der Frauen

Rosemarie Goldner gibt unterhaltsamen Einblick in 30-jähriges Engagement

Gleichstellungsbeauftragte Ulrike Quante (r.) überreichte Rosemarie Goldner zum Abschluss ihrer Rede einen Blumenstrauß. Foto: Gaby Decker

Arnsberg. Der Neujahrsempfang der Frauen 2018 im Alten Rathaus in Arnsberg hob sich von denen in den voran gehenden Jahren ein wenig ab. Die Festrede hielt in diesem Jahr die stellvertretende Bürgermeisterin Rosemarie Goldner.

Der besondere Grund ist ihr Abschied im März von dem Amt, das sie seit 30 Jahren in der Stadt innehat. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt und alle waren gespannt auf den Streifzug durch das politische, aber wie sich nicht erst jetzt herausstellte, immer mehr doch menschliche einfühlsame Leben von Rosemarie Goldner. Ulrike Quante, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt, wies zunächst darauf hin, dass es in diesem Jahr etwas zu feiern gibt. „Seit 100 Jahren gibt es für Frauen das Recht zu wählen. Was heute eine Selbstverständlichkeit ist, war damals eine harte Errungenschaft. Es ist das Recht, aktiv zu gestalten.“ Mit diesen Worten übergab sie das Mikrofon an Rosemarie Goldner. Sie erzählte von den Anfängen, wie sie dazu gekommen war, in die Politik einzusteigen. Wie eines Nachmittags zwei Herren vor ihrer Tür gestanden hatten – Klaus Kaiser und der schon verstorbene Michael Streit – um die Frage zu stellen, die ihr Leben auf die politische Ebene brachte. „Ich habe mit meiner Familie gesprochen und am nächsten Tag zugesagt“, erklärte sie. Sie hätte gespürt, dass das etwas für sie sei. Die stellvertretende Bürgermeisterin erzählte von den Kämpfen, die es in der Kommunalpolitik zwischen den verschiedenen Sichtweisen von Frauen und Männern gegeben habe, obwohl man hier die Frauen in der damaligen Zeit fast kaum in der Mehrzahl nennen kann. „Aber“, so Rosemarie Goldner, „man begriff langsam, dass es noch einen anderen Blick auf die Dinge in der Politik geben musste.“ Sie erzählte von der ersten Sitzung, die knapp eine Woche nach ihrer Wahl angesetzt wurde. „Ich bin immer sehr ehrlich und habe ganz unverblümt gesagt, dass ich nicht könne, da ich zum Kaffeeklatsch eingeladen sei – was da auf mich los prasselte, können Sie sich nicht vorstellen, denn wenn Männer etwas vorhaben, haben sie wichtige Termine. Die hatte ich nach dieser Erfahrung auch“, sagte sie lachend. 

Stehende Ovationen zum Abschluss 

Rosemarie Goldner erzählte auch von den vielen Belangen der Frauen, die sie gemeinsam mit anderen Frauen durchgefochten hat. Belange, die es in Männerköpfen überhaupt nicht gab. „Aber irgendwann begannen auch die Männer ihren Blick zu verändern, es war ein Lernprozess und der geht weiter“, ist sie sich sicher. Mit jedem Beispiel, das sie erzählte, merkte der Zuhörer, wie wichtig ihr das ist, was sie tut, aber auch wie es schmerzt, dass sie es bald nicht mehr tun wird. „Man muss sich auf den Menschen einlassen, ihm zuhören, Respekt haben vor jedem Einzelnen und auf ihn zugehen.“ Das ist das, was sie im Leben leitet und in der Politik geleitet hat. Die Frauen im Saal standen schließlich auf und klatschen begeistert, als sie zum Schluss kam: „Die Stadt ist mir ans Herz gewachsen. Die Arbeit war erfüllend.“

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