Frischer Wind hinter alten Mauern

Inhaltliches Konzept für Ausstellung im Sauerlandmuseum steht

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Die drei Etagen des modernen Neubaus betonen das historische Gebäude, in dem das Sauerlandmuseums untergebracht ist.

Arnsberg. Wie sieht es derzeit aus hinter den alten Mauern des Sauerlandmuseums in Arnsberg und welche Fortschritte macht der Neubau an der Ruhrstraße? Diese und viele weitere Fragen beantwortete Museumsleiter Dr. Jürgen Schulte-Hobein in dieser Woche bei einer öffentlichen Museumsführung. Rund 30 Interessierte lauschten dabei seinen Ausführungen über die Bauarbeiten und die künftige inhaltliche Ausrichtung des Museums.

Über den Seiteneingang durch das neue, wegen der Fluchtwege zusätzlich installierte Treppenhaus, betreten die Teilnehmer das Museum. „Vorsicht, hier wurde bereits gestrichen“, warnt Dr. Jürgen Schulte-Hobein und leitet die Gruppe vorbei am neuen Raum der Museumspädagogik in das künftige Foyer des Sauerlandmuseums. Aus den kleinteiligen Räumen – vom Haupteingang aus gesehen rechts – ist ein großzügiger Raum entstanden. „Hier kommt die Rezeption hin, mit deutlich mehr Aufenthaltsqualität“, berichtet der Museumsleiter und berichtet von zahlreichen Absprachen mit der Denkmalpflege bei der Sanierung des Altbaus. Insgesamt umfasst das Projekt ein Gesamtvolumen von rund 13 Millionen Euro, wovon etwa ein Drittel für den Altbau und zwei Drittel für den Neubau verwendet werden. Beim Rundgang durch das Erdgeschoss wird deutlich, dass sich hier einiges getan hat: Das Gebäude wurde fast vollständig entkernt, Elektro und Heizung sind nun auf dem neuesten Stand, der neue Fußboden in Steinoptik ist bereits verlegt und die Wände für den finalen Anstrich vorbereitet. Hier hat das Museums-Team ein besonderes Konzept erarbeitet: Jeder Raum wird inhaltlich passend zum dort dargestellten Thema gestrichen, beispielsweise wird die Preußenzeit vor blauen Wänden aufgearbeitet. Das inhaltliche Konzept für die Ausstellung im Sauerlandmuseum steht bereits, der Aufbau soll Ende April beginnen. Schließlich soll der Altbau bereits im Spätsommer fertiggestellt sein. Das Konzept sei mit Profis gestaltet worden und zeige die Geschichte in einem ganz neuen Bild. „Uns war es wichtig, dass man auch im Altbau die Veränderungen wahrnimmt“, verdeutlicht Dr. Schulte-Hobein und verweist auf die an vielen Stellen geplanten Medienstationen. 

Museumsleiter Dr. Jürgen Schulte-Hobein führte die interessierte Gruppe durch das Museum.

Barrierefreiheit wichtiges Thema 

Ein wichtiges Thema ist auch die Barriefreiheit. Diese zeigt sich aber nicht nur im Aufzug, der die verschiedenen Etagen zwischen Neu- und Altbau verbindet. Für Seh- und Hörgeschädigte gibt es einen Audioguide beziehungsweise eine Museums-App. Mit Blick auf Gäste der Stadt sind hier die Erläuterungstexte auch in verschiedenen Sprachen abrufbar. Über die markante Treppe im Eingangsbereich, die ebenfalls einen neuen Anstrich erhalten wird, geht es in das Obergeschoss. Inhaltlich werde die Ausstellung weiterhin die Historie der Region behandeln, von den Kurfürsten und Jungfer Gertrud, über die Zeit der Hessen und Preußen, bis hin zu den Weltkriegen. „An konkreten Schicksalen und Geschichten wollen wir die Geschichte erzählen“, erläutert der Museumsleiter. Beispielsweise wird im Zusammenhang mit dem Zweiten Weltkrieg das Leben und Wirken von Franz Stock dargestellt. Aber auch das heutige Sauerland wird thematisiert. Die Produktvielfalt der heimischen Unternehmen und Weltmarktführer wird in einem eigenen Raum gezeigt. „Damit wollen wir Touristen und Schülern zeigen, wovon wir hier auch leben, das kurkölnische Sauerland ist ein wirtschaftlich sehr innovativer Raum.“ Dr. Jürgen Schulte-Hobein führt die interessierte Gruppe nun in den Altbaukeller. Hier wurde durch eine Fachfirma eine Höhle nachgebaut, im Boden sollen ein Mammutknochen und andere spektakuläre Funde ausgestellt werden und auch Neandertaler sind hier anzutreffen. Im Raum nebenan geht es dann um die Ritterzeit. „Hier wird auch der Ritter auf dem Pferd wieder seinen Platz finden“, nimmt der Museumsleiter eine bereits häufig gestellte Frage vorweg. 

Das mächtige Treppenhaus des Neubaus wird bis zur Eröffnung noch weiß gestrichen.

Von hier erfolgt schließlich der Zugang zum Neubau: „Jetzt tut sich eine ganz neue Welt auf,“ kündigt Dr. Schulte-Hobein an. Die Teilnehmer laufen über die „Brücke“ nun geradewegs auf das große Panoramafenster zu, das natürlich noch nicht eingebaut ist, aber schon erahnen lässt, welchen besonderen Ausblick man von hier haben wird. So wie von außen dominiert auch von innen der graue Beton das Bild. Dies werde aber ja nicht so bleiben. Während das Gebäude von außen mit Naturstein verkleidet wird – die Arbeiten haben in diesen Tagen begonnen – werden die Wände innen noch weiß gestrichen. Die puristisch-moderne Optik solle aber erhalten bleiben, gerade auch im Kontrast zum historischen Altbau, verdeutlicht der Museumsleiter auf Nachfrage. „Das ist städtebaulich schon etwas, das man vorzeigen kann“, ist ihm die Vorfreude auf das fertige Bauwerk bereits anzumerken. Auch der Neubau verfügt über drei Etagen. Also geht es die große Betontreppe hinunter in die zweite Etage. Hier entsteht ein 170 Quadratmeter großer Veranstaltungsraum, der sowohl für Ausstellungen, als auch für Konzerte oder andere kulturelle Veranstaltungen genutzt werden kann. Die sehr hohen Decken garantieren eine gute Akustik. Außerdem werde es eine mobile Bühne geben. Highlight ist aber der direkte Zugang zur großen Terrasse. Von hier blicken die Teilnehmer nun direkt auf die Ruhrterrassen, oder in der anderen Richtung auf die „Englische Promenade“, die direkt an der Terrasse vorbei führt. Der seit Beginn der Arbeiten gesperrte Fußgängerweg werde am Ende wieder hergerichtet. Über eine weitere große Treppe erreicht die Gruppe nun das Erdgeschoss mit dem 300 Quadratmeter großen Ausstellungs- und Veranstaltungsraum. „Gerade in der Altstadt fehlte ein Raum dieser Art, in der Größe zwischen KulturSchmiede und Sauerlandtheater“, erläutert Dr. Jürgen Schulte-Hobein. Er bietet Platz für 300 Sitzplätze oder 600 Stehplätze und eignet sich somit nicht nur für Ausstellungen. Eingeweiht wird der Neubau mit der August-Macke-Ausstellung im September 2019. 

Auch der Hof erhält ein neues Gewand 

Da der Aufzug noch nicht in Betrieb ist, hat die Gruppe nun die vielen Stufen in umgekehrter Richtung vor sich und kann dabei noch einmal den Blick durch das Gebäude schweifen lassen. Im Hof berichtet der Museumsleiter, dass auch dieser in völlig neuem Gewand erscheinen werde. Er werde höhergelegt, sodass es vor dem Cafe – dieses werde neu ausgeschrieben – keine Stufen mehr gibt. „Es dauert nicht mehr lange, dann kann man schon etwas sehen. Das wird eine Veranstaltungsfläche erster Güte hier in der Altstadt“, macht Dr. Schulte-Hobein neugierig und verweist auf das Museumsfest am 25. August mit der „CCR-Revival Band“, welches aber noch nicht die Eröffnung, sondern eher ein schöner Auftakt sein solle.

Der Förderverein

Der Förderverein Sauerlandmuseums setzt sich seit knapp 40 Jahren sowohl ideell als auch finanziell für die Umsetzung verschiedener Museumsprojekte ein.

Für die neue Museumspädagogik nach der Wiedereröffnung wurde bereits ein neues Tipi-Zelt angeschafft.

Wer den Förderverein unterstützen möchte, erhält unter www.sauerland-museum.de weitere Informationen.

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