„Das Ruder rumreißen“

Schüler demonstrieren vor der Europawahl

„Wir sind hier. Wir sind laut, weil ihr uns unsere Zukunft klaut“: Unterstützt durchs Megaphon zog die Bewegung „Fridays for Future“ erneut durch Neheims Innenstadt.

Neheim. „Es ist womöglich die wichtigste Wahl, die wir im 21. Jahrhundert haben werden“, sagte Moritz Schneider vom Gymnasium Laurentianum Arnsberg in seiner Rede auf der Neheimer Marktplatte.

Die Schüler der Bewegung „Fridays for Future“ hatten zu einer zweiten Demonstration in der Neheimer Innenstadt aufgerufen. Diesmal lag der Fokus besonders auf der Europawahl am Sonntag. Die meisten Schüler sind noch nicht wahlberechtigt. „Überzeugt eure Eltern und Großeltern, dass sie ein Kreuz bei den klimafreundlichen Parteien machen,“appellierte Anton Eickel, Initiator der Demonstration, an die Jugendlichen.  Er betonte aber auch, dass man eine überparteiliche Bewegung sei und man sich mit der Klimapolitik keiner Partei momentan zufrieden geben würde.  Dennoch warb er bei den Wahlberechtigten dafür, die Europawahl zur Klimawahl zu machen. „Das ist eine der letzten Wahlen, bei der wir das Ruder rumreißen können. Lasst uns gemeinsam die Veränderung sein, die die Welt braucht“, so Eickel, der zuvor bei seiner Begrüßung die Grußworte von Marcella Hansch (pacific garbage screening) und Dr. Eckhart von Hirschhausen (Arzt und Kabarettist) an seine Mitstreiter weitergab.

Nicht nur Schüler zogen am Freitagmorgen mit ihren Plakaten durch die Neheimer Innenstadt – nach Schätzungen der Polizei war der Zug mit rund 150 Teilnehmern gestartet. Auch Politiker und interessierte Bürger mischten sich noch unter die demonstrierenden Schüler.

„Ich finde es beeindruckend, dass die Jugendlichen mittlerweile so weit sind, ihre Zukunft selber zu gestalten und nicht alles, was die Erwachsenen verschlafen haben, übernehmen“, so Regina Dietrich aus Arnsberg. „Es findet ein Umdenken statt“, freut sich auch Beate Wrede aus Hüsten über das Engagement.

Dies lobte auch Regierungspräsident Hans-Josef Vogel als einer der geladenen Redner. „Fridays for Future war und ist notwendig.“ Mit Blick auf die Kritik der Afd-Mitglieder bei der letzten Demo stellte er klar: „Von uns stellt keiner die Schulpflicht infrage.“ Klar sei, dass die Jugendlichen „weitermachen müssen, um noch viele Leute zu überzeugen, mitzumachen.“ 

Moritz Schneider rief dazu auf, den Kritikern eine inhaltliche Debatte entgegenzusetzen: „Wir haben ein breites Repertoire an Gründen, etwas zu tun. Seid informiert, seid gesprächsbereit. Seid ein gutes Vorbild.“

Eine Frage, die am Rand der Demonstration mehrfach von Erwachsenen geäußert wurde: „Ob die auch in den Sommerferien weitermachen?“

Eine Anregung hatte Jutta Mauermann aus Neheim noch für die Jugendlichen: "Ich komme gebürtig aus Duisburg und habe schon ganz viele Demos mitgemacht. Aber hier komme ich nicht hinterher", sagte sie mit Blick auf das Tempo, das die jungen Demonstranten vorlegten. Sie warb dafür, die Schrittgeschwindigkeit künftig etwas zu drosseln, zumal die Jugendlichen bei ihrem Demonstrationszug durch die Stadt von Älteren unterstützt würden. 

"Fridays for Future" in Neheim

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