Das „Wir-Gefühl“ stärken

Schulen in Arnsberg und Sundern setzen beim Thema "Mobbing" auf Prävention

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Um Mobbing frühzeitig entgegenzuwirken setzen heimische Schulen verstärkt auf Prävention.

Arnsberg/Sundern. Üble Beschimpfungen, die man an dieser Stelle besser nicht wiederholen sollte, Einschüchterungen oder auch Gewalt – werden Personen regelmäßig über einen längeren Zeitraum psychisch oder körperlich drangsaliert, spricht man von Mobbing. Häufig kann sich das Opfer nicht aus eigener Kraft aus der Situation lösen. Als Folge können schwere psychologische oder psychosomatische Schäden auftreten. Mobbing kann nicht nur Thema am Arbeitsplatz, sondern auch bereits in der Schule sein. Daher setzen die Bildungseinrichtungen in Arnsberg und Sundern besonders auf Prävention.

„Fälle von Mobbing haben wir an unserer Schule ganz, ganz selten“, berichtet Renate Hackmann, Rektorin der Realschule Sundern auf Anfrage des SauerlandKurier. „Natürlich gibt es Streitereien, aber dann holen wir direkt alle an einen Tisch, um die Unstimmigkeiten im Vorfeld zu ersticken. Sollte es zu Mobbing an unserer Schule kommen, reagieren wir sofort, dann werden Eltern, Klassenleitung und Jugendamt eingeschaltet.“ 

Der Sunderner Schulleiterin ist es aber sehr wichtig, dass dieser Fall möglichst erst gar nicht eintritt: „Zum Beispiel haben wir unsere Streitschlichter. Das sind Schüler der 10. Klassen, die dafür extra ausgebildet sind und in den anderen Klassen vorgestellt wurden. Darüber hinaus gibt es eine AG Streitschlichter. Im Kollegium haben wir natürlich die Beratungslehrer und ein gutes kollegiales Miteinander.“ So würden die Kollegen die Augen aufhalten und auf kurzen Wegen weitergeben, wenn ihnen etwas auffällig erscheint. Wichtig ist Renate Hackmann: „Jedes Kind muss die Chance haben, gerne und ohne Angst zur Schule zu kommen.“ 

Auffälligkeiten früh begegnen 

Auch an der Agnes-Wenke-Sekundarschule in Neheim setzt die Prävention früh an: „Den Verhaltensauffälligkeiten, die wir beobachten, versuchen wir bereits in den unteren Jahrgängen zu begegnen. Wir haben also ein Sozialkompetenztraining mit Unterstützung der Schulsozialarbeiter im Stundenplan etabliert. Dies beginnt im Jahrgang 5 und baut im Jahrgang 6 darauf auf, sodass wir in den oberen Jahrgängen von dieser Investition hoffentlich profitieren“, berichtet Schulleiter Andreas Schauerte. Zwar läuft das Sozialkompetenztraining erst im zweiten Jahr an der Neheimer Schule, der Schulleiter sieht jedoch bereits eine deutlich verbesserte Lernsituation in der 6. Klasse und auch die Rückmeldungen aus den Klassenlehrerteams seien positiv. 

Darüber hinaus seien die Sonderpädagogen mit ihrem Stundenvolumen schwerpunktmäßig in den Jahrgängen 5 und 6 konzentriert, denn: „Die Probleme an Verhaltensauffälligkeiten wachsen mit zunehmendem Alter aus“, so Schauerte. Außerdem gibt es zwei Beratungslehrer, jeweils für die Klassen 5 bis 7 sowie 8 bis 10, die die Schüler psychosozial begleiten. 

Toleranz und Offenheit wichtig 

Mobbing sei an der Agnes-Wenke-Schule laut Andreas Schauerte kein Thema, das den Alltag bestimme. Es gebe Einzelfälle, die dann aber auch oft im Bereich der digitalen Medien lägen. „Die Aktivitäten ihrer Kinder in diesem Bereich regelmäßig zu überprüfen liegt dann im Bereich der Eltern.“ Allerdings betreibe die Schule auch Aufklärung im Themenfeld digitale Medien. Grundsätzlich seien Toleranz und Offenheit wichtige Werte in der Erziehung, die neben der Bildung mittlerweile einen großen Teil der Lehrerarbeit einnehme. Übrigens ist die Agnes-Wenke-Schule eine von acht „Schulen ohne Rassismus - Schule mit Courage“ im Stadtgebiet Arnsberg. 

Kommt es doch zu Mobbing an einer Schule in der Region, stehen die schulpsychologischen Beratungsstellen der Bezirksregierung Arnsberg als Anlaufstellen zur Verfügung. Sowohl Familien als auch Schulen nutzen hier die Möglichkeiten, sich in Akutfällen oder auch zur Prävention von Mobbingdynamiken beraten und fortbilden zu lassen.  

Wie Anna Carla Springob, Pressesprecherin der Bezirksregierung Arnsberg berichtet, werde bei der Schulpsychologie kein genereller Anstieg der Anfragen zum Thema „Mobbing“ beobachtet, wohl aber Veränderungen in der Art der berichteten Fälle. „Mobbingerfahrungen begrenzen sich heute nicht mehr nur auf die Unterrichts- und Pausenzeit, sondern halten durch Medien wie WhatsApp oder Facebook auch immer stärkeren Einzug in die Zeit nach der Schule. Da ebendiese Medien nicht nur Kinder und Jugendliche immer selbstverständlicher begleiten, sondern inzwischen auch einen nicht unerheblicher Teil ihres alltäglichen Soziallebens ausmachen, haben Betroffene manchmal kaum noch eine Möglichkeit, belastenden Attacken zu entgehen.“ 

Klare Regeln zum sozialen Miteinander 

Um Mobbing-Attacken zu vermeiden, seien klare Regeln und Absprachen zum sozialen Miteinander, die konsequent eingefordert werden ebenso hilfreich, wie eine gemeinsame Identität, ein „Wir-Gefühl“, beispielsweise der Schulklasse oder der Schulgemeinschaft. „Mit Blick auf Mobbingprävention sind also Schulen, in denen wenig Anonymität herrscht, die über ein transparentes Schulprofil verfügen, die Möglichkeiten zur Mitgestaltung für alle Beteiligten ermöglichen und in denen Schul- und Klassenleitungen ihre Führungsrolle achtsam und konsequent ausfüllen, gut aufgestellt.“

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