Fachbereichsleiter, Stadtschulpflegschaft und VBE im Kurier-Gespräch

Schulstart in Arnsberg und Sundern: Keine Normalität durch Maskenpflicht 

Der „angepasste Schulbetrieb“ beginnt für Schüler in Arnsberg und Sundern am kommenden Mittwoch mit Mund-Nasen-Schutz.
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Der „angepasste Schulbetrieb“ beginnt für Schüler in Arnsberg und Sundern am kommenden Mittwoch mit Mund-Nasen-Schutz.

Arnsberg/Sundern - Mit dem Ende der Sommerferien startet in wenigen Tagen wieder der Betrieb an den Schulen in Arnsberg und Sundern. Auch wenn es vorerst für alle Schüler wieder in den Präsenzunterricht im Klassenverband geht, kann von Normalität noch keine Rede sein.

Um den Schutz gegen eine Corona-Infektion auch während des angepassten Schulbetriebs zu gewährleisten, geht die Landesregierung einen drastischen Schritt: Ab dem ersten Tag des neuen Schuljahres (12. August) gilt an den Schulen für Schüler und Lehrer vorerst bis zum 31. August die Maskenpflicht. Gleichzeitig möchte das Land die digitale Ausstattung an Schulen zusätzlich verbessern. In Arnsberg und Sundern blicken die Verantwortlichen dem Schulstart unter diesem Voraussetzungen mit gemischten Gefühlen entgegen.

„Ich selbst sehe die Maskenpflicht für die Schüler kritisch, das wird im Unterricht doch sehr sehr schwierig“, meint Martin Hustadt, Leiter des Fachbereichs Bildung, Jugend und Familie der Stadt Sundern. Als Schulträger ist die Stadt für die sogenannte erforderliche „Hardware“ zuständig, zum Beispiel also dafür, dass überall ausreichend Seife, Desinfektionsmittel und Handtuchpapier vorrätig ist, Handwaschbecken gebe es in jedem Klassenzimmer. 

Reinigungsintensität kann wieder zurückgefahren werden

Die Reinigungsintensität der Räumlichkeiten könne indes wieder etwas zurückgefahren werden, die Schulen würden – wie vor dem Ausbruch der Pandemie – jeden Tag nach Schulschluss gereinigt. „Dass die Tische der Schüler häufiger gereinigt werden müssen, ist nicht mehr nötig. Die Hausmeister sind jedoch angewiesen worden, dass sie die regelmäßige Lüftung der Räume überprüfen.“ 

Auch bei einem weiteren großen Thema für die Schulträger geht es um „Hardware“. Bund, Land und Kommunen haben umfangreiche Finanzmittel bereitgestellt, um sowohl Lehrkräfte als auch die Schüler, die bislang nicht über ein digitales Endgerät verfügen, mit einem solchen auszustatten. „Wir erhalten 105.000 Euro vom Land und sind angewiesen, die entsprechenden Endgeräte wie Tablets als Leihgabe für die Lehrer zu kaufen. Eigentlich ist es nicht unsere Aufgabe, weil das Land Dienstherr der Lehrer ist, aber wir machen es. Die Abstimmungen mit den Schulen laufen“, berichtet Martin Hustadt. 

Da quasi jederzeit die Gefahr bestehe, dass die Infektionszahlen wieder steigen und der Schulbetrieb auf digital umgestellt werden müsse, möchte die Stadt Sundern auch für den Unterricht zu Hause gewappnet sein. So stehen auch hier Landesmittel in Höhe von 130.000 Euro (ein Corona-Sofortprogramm aus Digitalpaktmitteln) zur Verfügung, um Tablets für bedürftige Schüler, die zu Hause nicht auf ein entsprechendes Gerät zugreifen können, anzuschaffen.

Hardware wohl nicht bis zum Schulstart nutzbar

Das Ganze „mal eben“ umzusetzen, sei aber nicht machbar. „Es ist schon extrem kurzfristig und teilweise fehlt uns das fachliche Know-how“, kritisiert Hustadt. „Wir haben in der Stadtverwaltung einen IT-Fachmann, der natürlich alle Hände voll zu tun hat.“ Fachleute aus den Schulen, mit denen der Träger aktuell ohnehin in sehr engem Austausch stehe, würden gut mit anpacken. Dennoch: „Dass die Geräte am 12. August da sind, ist nicht machbar. Wir müssen Ausschreibungen machen, das dauert. Dann Angebote auswählen und es wird sicherlich zu Lieferengpässen kommen. Ich bin froh, wenn alle Schulen, also Grundschulen und weiterführende Schulen, bis Beginn der Weihnachtsferien ausgestattet sind.“ Parallel dazu sei die Stadt ohnehin mit dem Digitalpakt beschäftigt. 

Michael John, Fachbereichsleiter Schule, Jugend, Familie bei der Stadt Arnsberg, sieht – wie Martin Hustadt auch – besonders große Herausforderungen auf die Schulen zukommen: „Die Schulen werden Schwierigkeiten haben, den Regelschulbetrieb umzusetzen, da eine nicht geringe Anzahl von Lehrkräften für den Präsenzbetrieb nicht zur Verfügung stehen.“ Seine größte Sorge ist, dass Schulen wegen des Aufflammens von Corona-Infektionen zeitweise wieder geschlossen werden müssen. Zum Thema Maskenpflicht meint Michael John: „Viele Schulen befürworten diesen Schritt. Es ist abzuwarten, wie die Maskenpflicht im Unterricht verwirklichbar ist, zum Beispiel Verständlichkeit bei Wortmeldungen oder Realisierbarkeit bei hohen Temperaturen.“ 

Das sagt die Stadtschulpflegschaft Arnsberg

Für die Stadtschulpflegschaft Arnsberg sagt die Vorsitzende Julia Pauli zu den jüngst veröffentlichten Regelungen: „Erstmal bin ich froh, dass es überhaupt eine Entscheidung gegeben hat und sowohl die Schulen als auch die Familien nun wissen, auf was sie sich in den nächsten Wochen einrichten müssen. Den Kindern wird es guttun, wieder regelmäßig und im Klassenverband Unterricht zu haben, und auch die Eltern sind entlastet. Normalität wird durch die Masken in der Schule natürlich trotzdem nicht einkehren.“ 

Die vollständige Maskenpflicht ist für Julia Pauli nach den Ferien daher nur als Zwischenlösung vertretbar. „Mittelfristig sollten andere Wege in Betracht gezogen werden, etwa Maskenpflicht nur bei Differenzierungskursen, einzelne Online-Stunden oder Sportunterricht an der frischen Luft.“ Außerdem sollten auch regionale Aspekte berücksichtigt werden. „In Gebieten, in denen die Ansteckungszahlen wieder deutlich in die Höhe gehen, sollten selbstverständlich andere Maßnahmen gelten als in kaum betroffenen Regionen.“

"Soziales Lernen ist wesentlicher Baustein von guter Bildung"

Auch wenn sie die Regelungen aus Sicht der Landesregierung nachvollziehen kann, sieht auch Anne Deimel aus Arnsberg-Bergheim, stellvertretende Landesvorsitzende des Verbandes Bildung und Erziehung (VBE NRW), die Maskenpflicht problematisch: „Das soziale Lernen und Miteinander ist ein wesentlicher Baustein von guter Bildung. Mit Mund-Nase-Schutz kann man noch nicht einmal die Mimik des Gegenübers sehen und deuten.“ Gerade jetzt im Sommermonat August sei das durchgehende Tragen des Mund-Nase-Schutzes nicht zumutbar. 

Für das Lernen von Kindern in den Schulen der Primarstufe sei außerdem Bewegung sehr wichtig. „Es entspricht in keiner Weise der Pädagogik für Grundschulkinder, dass sie stundenlang an einem ihnen zugewiesenen Platz sitzen und lernen.“ Auch die Pausen mit Mundschutz würden für die Kinder eine große Herausforderung. „Pausen mit kleinen Gruppen und der entsprechenden Abstandswahrung wären durchführbar gewesen“, meint die stellvertretende VBE-Vorsitzende, die insbesondere für den Bereich Schul- und Bildungspolitik zuständig ist.

"Corona zeigt Schwachstellen unserer Schulen"

Insgesamt stellt Anne Deimel fest: „Schule mit Corona zeigt die Schwachstellen unserer Schulen wie unter einem Brennglas. Über viele Jahre ist unser Schulsystem nicht auskömmlich finanziert worden. Nun fehlt es an Räumlichkeiten, den notwendigen digitalen Ausstattungen für das Lernen auf Distanz bei steigenden Infektionszahlen und vor allen Dingen an ausreichend Lehrkräften.“ Alle an Schule Beteiligten müssten im kommenden Schuljahr eine hohe Flexibilität beweisen. Dabei sei es wichtig, je nach Situation die richtigen Entscheidungen zu treffen, die von den Pädagogen, den Schülern und den Eltern gemeinsam getragen werden. „Bildung ist ein hohes Gut, ebenso wie die Gesundheit. Beide gilt es zu schützen“, betont Deimel. So würden die Lehrer ihre gesamte Kraft dafür einsetzen, um unter Berücksichtigung der Hygieneschutzmaßnahmen für die Schüler so viel Präsenzunterricht und Fächer nach der Stundentafel wie möglich anzubieten. 

Schließlich wünscht sie sich, „dass wir es alle gemeinsam schaffen, das neue Schuljahr mit Corona und den damit verbundenen Ängsten und Unsicherheiten mit viel Lehr- und Lernfreude auszufüllen, um im nächsten Jahr sagen zu können: „Das haben wir gut gemacht.“

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