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Sechs Monate nach dem Hochwasser: Kommunen arbeiten an Schutzkonzepten - auch Bürger sind gefordert

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Von: Rebecca Weber, Andre Geißler

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Hochwasser Schäden beseitigen Sundern
Engstellen wie diese im Bereich Röhrwiesen/Selscheder Weg in Sundern stellen bei Hochwasser ein besonderes Risiko dar. Hier wurden nun Bäume gefällt und Astwerk beseitigt, um Anstauungen zu vermeiden. © Andre Geissler

Nach dem Hochwasser im Juli 2021 beschäftigen sich die Verwaltungen in Arnsberg und Sundern erneut verstärkt mit der Verbesserung des Hochwasserschutzes. Vor allem im Stadtgebiet von Sundern sind die Auswirkungen ein halbes Jahr nach der Katastrophe noch deutlich spürbar.

Arnsberg/Sundern – „Aktuell sind wir nach wie vor bei der Beseitigung der Schäden. Eine etwa 110 Punkte umfassende Liste war in der letzten Ratssitzung im Dezember Gegenstand der Diskussion und wird mit einer Niederschrift veröffentlicht, sodass hier ein Überblick über die Schadensbehebung erfolgt“, äußerte sich Sunderns Fachbereichsleiter Lars Ohlig jetzt auf Anfrage des SauerlandKurier zu den Maßnahmen, die bereits erfolgt sind und noch erfolgen müssen.

Private Eigensicherung, Katastrophenschutz und öffentlicher Hochwasserschutz: Gemäß einer Ratssitzungsvorlage, die aus einem FDP-Antrag hervorgehe, werde das weitere Vorgehen zum Hochwasserschutz durch drei fundamentale Säulen gestützt. Bezogen auf den Katastrophenschutz würden aktuell – auf Basis der Erkenntnisse aus dem Sommer – im Arbeitskreis Extremwetterereignisse die Aufbau- und Ablauforganisation bei entsprechenden Einsätzen erarbeitet.

Der öffentliche Hochwasserschutz selbst bestehe aus verschiedenen Faktoren: „Bei der Behebung der Schäden aus Juli wird immer auch eine Verbesserung der Situation untersucht. Zudem prüfen wir die Umsetzung von Renaturierungsmaßnahmen, was aber insbesondere eigentumsrechtlich schwierig ist. Auch im Bereich des Städtebaus werden Maßnahmen wie Dachbegrünungen und Pufferung von Niederschlagswasser, umgesetzt.“ Ohlig betonte zugleich, dass trotz aller denkbaren Maßnahmen extreme Ereignisse wie vom 14. Juli 2021 nicht gänzlich vermieden werden könnten: „Hochwasserschutz ist definitiv eine Generationenaufgabe.“

Betroffene Bereiche

Im Einzugsbereich von Röhr und Sorpe waren vor allem die Sunderner Innenstadt sowie die Orte Hachen, Endorf und Recklinghausen am stärksten betroffen. Letztere sogar gleich zwei mal innerhalb von wenigen Wochen. Noch heute kämpfen einige Haus- und Ladenbesitzer mit den entstandenen Schäden. Auch die Uferbereiche zeugen vielerorts heute noch von der immensen Zerstörungskraft der Fluten. Kein schöner Anblick ist es zudem, dass der angespülte Unrat noch immer nicht beseitigt werden konnte. „Jahreszeitbedingt liegt der Fokus aktuell auf dem Rückschnitt in den Uferbereichen. Dieser erfolgt zur Zeit. Dabei werden Verunreinigungen mit beseitigt. Eine größere Beseitigungsaktion, die nicht ganz unaufwendig ist, erfolgt allerdings erst nach den Rückschnitten, da wir diese nur bis Ende Februar vornehmen dürfen und deshalb prioritär behandeln“, erklärte Ohlig.

Die von der Stadt Sundern beauftragten Starkregengefahrenkarten können voraussichtlich im kommenden Monat veröffentlicht werden. Die Karten werden dann in die Homepage der Stadt Sundern eingebunden.

Starkregenrisikomanagement in Arnsberg

Auch die Stadt Arnsberg arbeitet derzeit an neuen Konzepten auf dem Weg zum angepeilten Ziel, sich bis zum Jahr 2030 an die Folgen des Klimawandels angepasst zu haben. So wurde unter anderem ein Starkregenrisikomanagement gebildet, das sich mit dem Schutz von Gebäuden, Infrastrukturen, öffentlichen Räumen, Grün- und Freiflächen sowie Gewässern auseinandersetzt und erarbeitet, wie man diese den Klimaveränderungen gegenüber widerstandsfähig machen könne (siehe Kasten)

Starkregengefahrenkarte

Orientierung zu besonders hochwassergefährdeten Flächen und Gebäuden gibt dabei die von der Verwaltung erarbeitete Starkregengefahrenkarte, die auf einem qualifizierten Computermodell basiere. Die Ergebnisse der Starkregengefahrenkarte zeigen die maximalen Wasserstände, die Überflutungsausdehnung und die Fließgeschwindigkeiten bei extremen Niederschlägen.

Starkregengefahrenkarte Arnsberg
Die Starkregengefahrenkarte der Stadt Arnsberg zeigt unter anderem gefährdete Bereich an der Ruhr auf, im oberen Bereich ist der Möhnesee zu sehen. © Quelle: Stadt Arnsberg /FD Umwelt

Dabei wurden für die Karte zwei Szenarien gerechnet: ein außergewöhnliches Niederschlagsereignis mit einer Jährlichkeit von 100 Jahren für die Dauer einer Stunde sowie ein extremes Niederschlagsereignis mit 90 Litern pro Quadratmeter in einer Stunde. Den Berechnungen liegt ein „Worst-Case“-Szenario zugrunde: Der Boden ist bereits vollständig gesättigt und die Kanalisation kann keine Niederschlagsmengen mehr aufnehmen.

Die Ergebnisse der Starkregengefahrenkarte ermöglichen es, flächige Hotspots zu bestimmen. Diese liegen nach Information der Stadt beispielsweise in der Tallage in Bruchhausen und im Binnerfeld in Neheim. Durch die Veröffentlichung der Karte können sich Bürger auch selbst informieren, ob, und wenn ja, wie ihr Gebäude von Starkregenereignissen betroffen ist.

Weitere Informationen in den Online-Portalen

Weitere Informationen gibt es auf der Internetseite der Stadt Arnsberg: https://www.arnsberg.de/umwelt/wasser/starkregengefahrenkarte.php

Darüber hinaus gibt es Karten mit einem geringeren Detaillierungsgrad, die vom Ministerium für Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz des Landes Nordrhein-Westfalen zur Verfügung gestellt werden: https://geoportal.de/map.html

Neue Broschüre

„Des Weiteren wird die neue Broschüre ‘Vorsorge gegen Starkregenereignisse’ der Stadtverwaltung, die in Kürze an verschiedenen, öffentlichen Stellen ausliegen und auch auf der Homepage der Stadt abrufbar sein wird, die Bevölkerung auf Details ihrer nachhaltigen Strategie hinweisen und zudem darauf aufmerksam machen, dass auch Grundstücks- und Gebäudeinhaber gefordert sind, Eigeninitiative zu zeigen, um ihr Eigentum mit erforderlichen Maßnahmen bestmöglich zu schützen“, äußerte sich dessen Pressesprecher Frank Albrecht unserer Zeitung. Denn, so heißt es in dem kommenden Faltblatt weiter, könne „die Stadt Arnsberg trotz ernst genommener Fürsorgepflicht gegenüber ihren Bürgerinnen und Bürger keinen vollständigen Schutz gewährleisten. Die zunehmenden Extremwetterlagen werden trotz aller städtischen Vorsorgemaßnahmen auch künftig nicht beherrschbar sein.“

Eigene Vorsorge sowie von der Verwaltung umgesetzte Maßnahmen müssten schon heute vorbereitet und eingeleitet werden, um zukünftig die Schäden, Gefahren und Folgekosten so weit wie möglich zu verringern, sieht die Stadt eine auf Dauer angelegte Aufgabe.

Arnsberg arbeitet an Handlungskonzept

Das von der Verwaltung der Stadt Arnsberg beauftragte Handlungskonzept „Starkregenrisikomanagement“ soll Maßnahmen zur Minderung von hochwasser- und starkregenbedingten Überflutungsschäden aufzeigen und hat mehrere Arbeitsschwerpunkte.

So soll in einer objektbezogenen Risikoanalyse eine Liste mit kritischen Bereichen und Objekten erstellt werden, inklusive Steckbriefen für besonders gefährdete öffentliche Gebäude.

Ein Arbeitskreis für die verschiedenen Fachbereiche und Fachdienste in der Verwaltung, Feuerwehr, THW, Polizei und Infrastrukturträger ist vorgesehen. Einen weiteren Arbeitskreis soll es für politische Gremien und Entscheidungsträger, Öffentlichkeit, Vertreter aus Wirtschaft, Gewerbe, Land- und Forstwirtschaft geben.

Das schriftliche Handlungskonzept soll im Herbst 2022 vorliegen und in den politischen Gremien vorgestellt werden.

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