Leerstand als Thema und Herausforderung

"Stadtbesetzung" in Arnsberg: Künstler zeigen Lichtspiele in leeren Läden

Die Künstler Anina Brisolla und Esper Postma an der Station 2 der Arnsberger Lichtspiele in der ehemaligen Fleischerei auf der Jägerstraße. Foto: Frank Albrecht

Arnsberg. Drei verschiedene Plätze in Arnsberg, drei Mal verschiedene Kunst: Ab dem heutigen Mittwoch laufen in der Altstadt die „Arnsberger Lichtspiele“, ein Projekt im Rahmen von „Stadtbesetzung“, einer Initiative des Kultursekretariates NRW. Dabei zeigen drei Künstler ihre Arbeiten in leerstehenden Ladenlokalen auf dem Steinweg sowie der Jägerstraße in Arnsberg.

Die Inhalte könnten unterschiedlicher kaum sein: An der ersten Station, dem ehemaligen Reisebüro, Steinweg 2, nimmt sich die Berliner Künstlerin Anina Brisolla dem Verhältnis von Natur und Kultur an. Ihre Video-Arbeit unter dem Titel „space mining“ widmet sich einem aktuellen Thema. „Es geht um die Frage, wem das Land gehört“, sagte die Künstlerin vor der Eröffnung. Der Asteroiden-Bergbau, so die Übersetzung ihrer Arbeit, spiegelt ein aktuelles Thema wider: Die Rohstoffe auf der Erde sind begrenzt, die Suche nach Ersatz außerhalb der Erde hat längst begonnen. Die Arbeit des niederländischen Künstlers Esper Postma unter dem Titel „Por Algo Será“ ist an der zweiten Station, einer ehemaligen Töpferei und zuvor Fleischerei auf der Jägerstraße 29 zu sehen. Unter dem Titel, der sich mit „Es wird einen Grund haben“ übersetzten lässt, wählt Postma ein historisches Thema: Sein Video beschäftigt sich mit der Zeit der Militärdiktatur in Argentinien, zeigt den Versuch der argentinischen Schauspielerin Paula Lima, in der Rolle einer Regisseurin Kindheitserinnerungen zum Verschwinden der eigenen Mutter nachzudrehen. Vor den gefliesten Wänden der ehemaligen Fleischerei hängen zwei Bildschirme, auf denen Regieanweisungen Limas und der Versuch der Umsetzung mit Schauspielern im Film gezeigt wird. Betrachter können erkennen, dass es unmöglich ist, ihr selbst erlebtes Trauma in filmischen Szenen auszudrücken. 

Experimentelle Plattform 

Die letzte Station der „Arnsberger Lichtspiele“ führt die Zuschauer in das leerstehende Ladenlokal, Steinweg Nr. 10, ehemals Computer-Laden. Hier präsentiert Künstlerin Anna Steinert aus Berlin den surrealen Masken-Film „Besuch einer Vorstellung“. Betrachter können sich auf die Vermischung von Vorstellungskraft und Wirklichkeit einlassen und erleben dabei ein opulentes Maskenspiel, das Mensch und Gesellschaft gleichermaßen erfasst. „Die Lichtspiele sollen in der Arnsberger Altstadt drei Ladenlokale neu erstrahlen lassen“, sagt Kathrin Brandt vom Kulturbüro der Stadt. Im Rahmen des Projektes „Stadtbesetzung“ könne sich die Kunst in Arnsberg ihren Raum nehmen. Der Leerstand im Stadtteil solle dabei Thema und Herausforderung zugleich sein, so Brandt. Gleichzeitig werde vor allem die Sensibilisierung von Jugendlichen für die künstlerische Filmpraxis jenseits von Mainstream-Medien angestrebt. Somit verstehe sich das Lichtspiele-Projekt als eine experimentelle und lebendige Plattform, die zum anregenden Dialog und zur kulturellen Bildung beitragen soll. Die Ausstellung wird heute um 17 Uhr am Steinweg 2 eröffnet. Bewusst parallel mit dem Weihnachtsmarkt in Arnsberg sind die Arbeiten dann bis zum 9. Dezember, täglich von 17 bis 19.30 Uhr zu sehen. Der Eintritt ist frei. 

Mit dem Projekt „Stadtbesetzung“ bringen das Kultursekretariat NRW Gütersloh und die teilnehmenden Städte Kunst auf offene Straßen, unmittelbar hin zu den Menschen.

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