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Tiertafel schlägt Alarm: Andrang bald nicht mehr zu bewältigen

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Von: Stefanie Nöcker

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Selma Wolff, Erste Vorsitzende der Tiertafel Arnsberg, möchte den Menschen und ihren Tieren helfen. Allerdings sind die Regale mit Futter aktuell fast leer.
Selma Wolff, Erste Vorsitzende der Tiertafel Arnsberg, möchte den Menschen und ihren Tieren helfen. Allerdings sind die Regale mit Futter aktuell fast leer. © Stefanie Nöcker

Der Arnsberger Tiertafel geht so langsam wortwörtlich das Futter aus. Die Spendenbereitschaft lässt nach, während die Zahl der Bedürftigen immer weiter ansteigt.

Hüsten – Samstagmorgen in der Möthe in Hüsten: Vor der Tiertafel Arnsberg stehen Menschen und Tiere Schlange. Die ehrenamtlichen Mitarbeiter schieben eine Dose Tiernahrung nach der anderen über den Tresen.

Doch der Arnsberger Tiertafel geht so langsam wortwörtlich das Futter aus. Die Spendenbereitschaft lässt nach, während die Zahl der Bedürftigen immer weiter ansteigt.

Zuletzt 150 Tiere versorgt

„Wir bekommen die derzeitige wirtschaftliche Situation und die damit einhergehenden Preissteigerungen massiv zu spüren“, sagt Selma Wolff, Erste Vorsitzende der Tiertafel Arnsberg. Immer mehr Menschen kommen am Ausgabetag zur Tiertafel, um ihre Vierbeiner mit Futter, Näpfen, Leinen, Körbchen und Co. zu versorgen. „Bei der letzten Ausgabe ging die Schlange bis zum Ende der Straße. Da haben wir 150 Tiere versorgt. Es waren aber auch schon mal um die 300“, erzählt Wolff.

Vor Kurzem kam es zu Auseinandersetzungen zwischen Bedürftigen. „Die Menschen sind verzweifelt. Die aktuell größte Sorge der Besitzer ist es, ihr Tier nicht mehr halten, es nicht mehr versorgen zu können. Wir haben Familien, die im Monat 100 Euro für Lebensmittel und die Versorgung des Tieres übrig haben. 100 Euro geben andere in drei Tagen aus.“

Geflüchtete aus der Ukraine suchen Hilfe

Hinzu kommen die Geflüchteten aus der Ukraine, die ihre Haustiere nicht im Kriegsgebiet zurücklassen wollten. „Seit dem Krieg sind es rund 50 geflüchtete Menschen und Familien“, so Wolff. Eine ukrainische Familie komme regelmäßig mit ihrem Schäferhund zur Ausgabe. „Ich weiß noch, als sie das erste Mal bei uns waren. In ihrem Auto war ein riesiges Loch, alle Scheiben waren zerbombt. Die Familie stand hier und hatte Tränen in den Augen. Die haben geweint, weil ich für den Hund so viel herausgegeben habe.“

Die Verständigung zwischen den Geflüchteten und dem Team der Tiertafel erleichtert ein ehrenamtlicher Helfer, der Ukrainisch spricht. Er übersetzt und sei damit eine „riesengroße Hilfe“. „Ohne den kann ich schon gar nicht mehr. Er muss bei der Ausgabe dabei sein. Den möchte ich nicht missen“, sagt die Vorsitzende. Zudem sollen in Zukunft die wichtigsten Informationen im Schaufenster auf Ukrainisch übersetzt werden, kündigt Selma Wolff an.

Bereits seit 2017 engagiert sich Wolff mit viel Herzblut für die Arnsberger Tiertafel. Und das ehrenamtlich – genauso wie die anderen zwölf Helfer. „Es ist mir wichtig, diese Menschen glücklich zu machen“, sagt sie. „Ich weiß, was Krieg bedeutet.“ Mit gerade mal zwölf Jahren ist sie aus dem Krieg aus Ex-Jugoslawien geflüchtet. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihren zwei Schwestern. Ihre Brüder und ihren Hund musste sie schweren Herzens zurücklassen. In Deutschland angekommen, war es anfangs schwer. „Ich wusste nicht, wie ich ein Brot kaufen soll, weil ich nicht wusste, wie ich es sage. Es hört sich vielleicht einfach an. Für mich war es sehr schwer.“ Aber Selma lebte sich ein, ging zur Schule. „Ich wurde herzlich aufgenommen. Deutschland hat mir und meiner Familie sehr gut getan. Und ich wollte Deutschland etwas zurück geben.“

Genau das macht Selma Wolff und hilft, wo sie kann. Jahrelang hat sie bei der „normalen“ Tafel für Menschen ausgeholfen, dann bei der Tafel für Vierbeiner. „Hier sind beide betroffen: Mensch und Tier“, sagt Wolff. Und weiter: „Wenn unsere Regale leer sind, kann ich die Menschen und ihre felligen Freunde nur leider nicht unterstützen. Ich vermeide es, einen Aufnahmestopp zu verhängen, aber es wird aktuell immer schwieriger.“

Tiertafel Arnsberg jetzt Verein 

Ein weiteres Problem, das das ganze Team vor Herausforderungen stellt: Seit Kurzem ist die Tiertafel Arnsberg kein städtisches Projekt mehr, sondern ein eingetragener Verein. Ein Rückblick: Seit 2015 wurde das Projekt – ins Leben gerufen von der leider bereits verstorbenen seniorTrainerin Marianne Lenninghaus – finanziell und personell vom Team der Engagementförderung und der Stadt Arnsberg unterstützt. In der Pressemitteilung der Stadt Arnsberg heißt es dazu: „Das über die Engagementförderung der Stadt Arnsberg gegründete Projekt Tiertafel Arnsberg ist ein eigener Verein geworden. Damit steht der Tiertafel Arnsberg e.V. nun auf eigenen Beinen und kann mit dem Vereinsstatus auf der bislang erfolgreichen Arbeit weiter aufbauen.“ Über die Jahre sei das Projekt so bekannt und groß geworden, dass es von nun an als Verein eigenständig geführt werden könne. „Ich denke, dass die Stadt der Meinung war, dass die Tiertafel irgendwann mal selbstständig werden muss. Gerade jetzt ist es für uns schwierig, alles aufrecht zu erhalten. Vorher hatte ich die Stadt im Rücken. Sie hat uns finanziell unterstützt. Dafür bin ich sehr dankbar. Aber jetzt fehlt diese Unterstützung“, äußert sich Selma Wolff.

Tiertafel ist dringend auf Spenden angewiesen

Auch die Spendenbereitschaft der Bürger sei deutlich zurückgegangen. „Das liegt aber nicht daran, dass die Menschen es nicht wollen, sondern dass sie es einfach nicht können. Die Leute, die sonst gerne 20 Euro gespendet haben, überlegen sich jetzt zweimal, ob sie das Geld uns geben. Aber das verstehe ich auch“, sagt die Vorsitzende verständnisvoll. Die Tiertafel Arnsberg ist also dringend auf Spenden angewiesen. Benötigt wird Tierfutter und Zubehör. Besonders wichtig: Geldspenden. „Die benötigen wir, um Miete und Nebenkosten zu bezahlen“, erläutert Wolff. „Wenn jemand die Möglichkeit hat, uns zu unterstützen, wäre ich wirklich sehr dankbar. Bitte fassen Sie sich ans Herz und helfen vor Ort. Das ist mein Herzenswunsch. Die Hilfe wird hier dringend benötigt. Und wie heißt es so schön: Jeder Euro zählt.“

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