"Warum gerade ich?"

Diagnose Leukämie: Sauerländerin sucht Stammzellen-Spender - Typisierungs-Aktion soll helfen

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Für Stefan und Patrizia Calcagno brechen nun erneut schwere Zeiten an. Die Hoffnung auf einen passenden Knochenmarkspender bleibt aber bestehen.

Neheim/Niederense - Dieses Datum kann Patrizia Calcagno aus Niederense einfach nicht vergessen: Es war der 27. November 2018, einige Tage zuvor hatte sie sich schon nicht gut gefühlt. Dann der Besuch beim Arzt mit Blutabnahme und später die traurige Gewissheit – Diagnose AML – akute myeloische Leukämie – Blutkrebs. Familie und Freunde mobilisieren jetzt für die Typisierung, die Suche nach einem geeigneten Knochenmark-Spender.

„Ich habe gespürt, dass etwas nicht in Ordnung ist“, erzählt Patrizia und blickt zehn Monate zurück. Ja, es hat ihr damals den Boden unter den Füßen weggerissen, ihr und dem Rest der glücklichen Familie Calcagno mit zwei kleinen Kindern im Alter von heute sechs und vier Jahren. 

Mit der Diagnose sei dann alles ganz schnell gegangen. Sofort ging es ins Krankenhaus nach Meschede, wo sechs Mal die Chemotherapie angewandt wurde, zuletzt im Mai 2019. „Alles schien zunächst gut“, sagt Patrizia mit Tränen in den Augen, die Verlaufskontrolle hat ein gutes Ergebnis gezeigt, die Krankheit schien besiegt. 

"Das ist einfach Lebenspech"

Jetzt ist die neue Diagnose gerade mal etwas mehr als eine Woche her. „Ich bin untersucht worden und sie haben wieder etwas festgestellt.“ Patrizia ist stark und hat als Zahnärztin eine medizinische Ausbildung. Aber sie kämpft schon wieder mit den Tränen: „Warum gerade ich?“ - eine Frage von ihr, auf die es natürlich keine Antwort gibt. Vielleicht noch die ihrer behandelnden Ärztin, die es ihr etwas leichter macht zu verstehen. „Das ist einfach Lebenspech“, habe diese gesagt. 

Was sich so daher gesagt anhört, ist aber für die Erkrankte eine wichtige Unterstützung, sagt sie. Gerade zur jüngsten Diagnose, bei der klar war, dass eine Knochenmarkspende für die Heilung unabdingbar sei. Wieder ging alles schnell, die Vernetzung der Ärzte hat gut funktioniert. „Keine zwei Tage später hatte ich schon einen Platz in der Uniklinik Marburg“, strahlt Patrizia wieder etwas. Dabei hatte sie sich gerade erst wieder in die Arbeit zurückgefunden und das Normale angestrebt: Verpflichtungen um Haus und Familie – aber wieder nichts. „Ich weiß leider schon, was auf mich zukommt“, sagt sie bedrückt. Chemo – das sei einfach die Hölle. Übelkeit, Haarausfall und so weiter – Patrizia hofft, dass sich schnell ein Spender findet, damit ihr der Rest der Tortur erspart bleibt. „Ich war vorher noch nie krank“, lacht Patrizia ein wenig. 

Beeindruckt von der Hilfsbereitschaft

Sie hat sich mit dem Thema beschäftigt und weiß, dass die Chancen bei der für den 6. Oktober angesetzten Typisierung bei unter einem Prozent Trefferquote liegen. „Aber Optimismus ist trotzdem wichtig und verbessert auch die Gesundheit“, sagt sie zuversichtlich. Was Patrizia ganz viel Lebensmut gibt in diesen Tagen, ist die große Hilfsbereitschaft. „Ich bin krass beeindruckt vom Engagement, alle sind auf Zack“, strahlt sie wieder. Noch nie habe sie Hilfe in so einem großen Rahmen in Anspruch nehmen müssen. „Gut zu wissen, dass wir das jetzt auch spüren können“, sagt Patrizia. Und für Ehemann Stefan und Bruder Fabrizio steht das Telefon in diesen Tagen nicht mehr still. Freunde melden sich aus der ganzen Stadt und darüber hinaus, bieten ihre Unterstützung an. Viele wollen helfen und sich typisieren lassen. 

Das ist die Voraussetzung dafür, dass über die DKMS, die in Deutschland eine große Spender-Datenbank unterhält und weltweit vernetzt ist, die passende Hilfe kommen kann. So rücken sie alle an und für Patrizia zusammen: Die 60 nötigen ehrenamtlichen Helfer für die Durchführung der Typisierung sind schon fast zusammen. „Ich fühle mich nicht alleine und kann nur danke sagen!“ Wann sie wieder gesund wird? Darauf gibt es noch keine Antwort. Klar ist nur, dass sie wohl bis Dezember in der Klinik bleiben muss. Liegen und hoffen, dass sich ein Spender findet, der genau zu ihr passt. Patrizia freut sich auf alle, die ihr dabei helfen wollen.

Die Typsierungs-Aktion 

Am Sonntag, 6. Oktober, zum Neheimer Fresekenmarkt, läuft in der Zeit von 12 bis 16 Uhr die große Aktion im Fotostudio von Christoph Meinschäfer im Kunstwerk, Möhnestraße 59. Eine Anlaufstelle wollen die Helfer an diesem Tag auch direkt auf dem Marktplatz in Neheim aufbauen, um möglichst viele zum Typisieren zu bewegen.

Die Typisierung über die DKMS verläuft völlig unblutig – die nötige Probe wird nur mit einem Wattestäbchen im Mund genommen. Wer sich nicht typisieren lassen kann oder mag, kann auch mit einer Geldspende helfen: Jede Untersuchung kostet die DKMS 35 Euro. Weitere Informationen gibt es auch unter www.dkms.de

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