Aufräumarbeiten an Radwegen dauern an

Hochwasser in Arnsberg - „Wir mussten dramatische Stunden erleben“

Hochwasser Ruhr Dinschede Brücke
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Das Wasser in den Oeventroper Ruhrwiesen war zwar am Donnerstagabend schon wieder leicht zurückgegangen, die Dinscheder Brücke bleibt aber dennoch gesperrt, bis ein Gutachter vor Ort war.

Der Starkregen hat auch im Stadtgebiet Arnsberg für viele Hochwassereinsätze der Feuerwehr gesorgt. Die Flüsse Ruhr und Röhr sind über die Ufer getreten und haben für Einsatzschwerpunkte vor allem in den Ortsteilen Müschede und Hüsten gesorgt.  

Update, 15.04 Uhr: Wie die Stadtverwaltung am Freitag mitteilte, dauern die Aufräumarbeiten nach dem Unwetter weiter an. Auch die Rad- und Fußwege entlang der Ruhr sind durch das Hochwasser großflächig überschwemmt worden.

Zurückgebliebener Unrat, Schotter und Schlamm machen die Wege zurzeit nicht befahr- oder begehbar. Deshalb müssen die Wege entlang der Ruhr gesperrt bleiben, bis die Technischen Dienste Arnsberg alle Verschmutzungen beseitigen konnten. Mehrere Teams seien im Einsatz, um im Stadtgebiet Säuberungsarbeiten, Schadensbehebungen und Fahrbahnreinigungen vorzunehmen. „Die Reinigungen sind aufwendig, da es in vielen Fällen mehrerer Arbeitsgänge bedarf, bis die Verschmutzungen vollständig entfernt sind. Die jeweiligen Stellen werden nach Priorität abgearbeitet. Nach Möglichkeit sollen die Fuß- und Radwege an der Ruhr im Laufe der nächsten Woche wieder nutzbar sein“, bat die Stadt Arnsberg um Verständnis.

Update, 16. Juli, 14.30 Uhr: Einen Tag später ist das Wasser „so gut wie weg“, das Chaos aber bleibt auf der Sportanlage des TuS Müschede. Die Sicherheit an der Sportanlage sei wieder hergestellt. Es bestehe keine Lebensgefahr mehr. Gleichzeitig bedankt sich der TuS für die zahlreichen Hilfsangebote.

Auch in Alt-Arnsberg war die Ruhr über die Ufer getreten.

Update, 13.10 Uhr: „Ein trauriger Tag für den TuS Müschede“, schreibt der Sportverein auf seiner Homepage. Das Röhr-Hochwasser hat den gesamten Sportanlage inklusive Kunstrasen überflutet. Auch Tennisanlage und Clubheim sind betroffen. Zudem warnt der Vorstand vor dem Betreten der Anlage: „Es muss noch sichergestellt werden, dass die komplette Stromzufuhr abgeschaltet ist. Es besteht Lebensgefahr!“ Wann und in welcher Form die Anlage wieder genutzt werden kann sei derzeit noch unklar.

Update, 12.39 Uhr: Die Auswirkungen von Sturmtief Bernd sorgen seit den Morgenstunden weiterhin für Einsätze der Feuerwehr. Die Pegelstände der Flüsse Ruhr und Röhr gehen zwar zurück, dennoch gibt es weiterhin kritische Wasserstände im Stadtgebiet.

Die Einsatzschwerpunkte liegen weiter in den Ortsteilen Müschede und Oeventrop. Aktuell (Stand: 12.15 Uhr) wurde die Feuerwehr im gesamten Stadtgebiet zu insgesamt 132 Einsatzstellen gerufen. Insgesamt waren bis jetzt 290 Feuerwehrkräfte im Einsatz. Personen sind glücklicherweise nicht zu Schaden gekommen, so die Stadt Arnsberg.

Bürgermeister Ralf Paul Bittner: „Wir mussten dramatische Stunden erleben. Das Starkregenereignis um Sturmtief Bernd zeigt vor Ort aktuell ganz deutlich, wie wichtig es ist die Folgen von Klimaveränderungen und deren Auswirkungen sehr ernst zu nehmen: Selbst eine große Maßnahme wie die Renaturierung der Ruhr kann nicht solche Wassermassen aufnehmen.“

Die Sportanlage des TuS Müschede wurde durch das Röhrhochwasser völlig überflutet.

Gesperrt ist aktuell weiterhin die Dinscheder Brücke in Oeventrop, alle weiteren Straßen im Stadtgebiet sind befahrbar. Nachdem in Oeventrop gestern Abend Häuser an der Glösinger Straße evakuiert werden mussten, können die Bewohner zwischenzeitlich teilweise zurückkehren. Der Pegelstand der Ruhr lässt ein Auspumpen der Keller aber weiterhin nicht zu.

Im Verlauf des gestrigen Abends wurde in Oeventrop vorsorglich die Schützenhalle gegen den steigenden Pegelstand der Ruhr geschützt, indem mit schwerem Gerät ein Wall errichtet und Sandsäcke angehäuft wurden. Auch das Gewerbegebiet „Wagenbergstraße“ in Hüsten wurde unter Mithilfe der Technischen Dienste gesichert und mit schwerem Gerät ein ca. 100 Meter langer Damm errichtet. Das Gebiet Binnerfeld in Neheim wurde gegen direkten Zulauf der Ruhr gesichert.

In der Nacht wurde in Oeventrop ein Wall zum Schutz der Schützenhalle gegen die Wassermassen errichtet.

Bürgermeister Ralf Paul Bittner betont: „Von Herzen ein großes Dankeschön für den unermüdlichen Einsatz der Feuerwehren sowie aller weiteren Rettungsdienste – die Kolleg*innen agieren auch im Dauereinsatz professionell, schnell und überlegt. Ich bin außerdem sehr dankbar für den großen nachbarschaftlichen und spontanen Einsatz vieler Anwohnerinnen und Anwohner, die an vielen Stellen in der Stadt noch schlimmeres verhindern konnten. In Oeventrop haben zum Beispiel viele Menschen spontan mit angepackt als es darum ging, Sandsäcke zu schleppen und zu stapeln. Gemeinsam werden wir die Ursachen analysieren und zusammen mit der Politik alles tun, um den aktuellen klimatischen Entwicklungen mit zukunftsfähigen Konzepten zu begegnen.“

Die Stadt Arnsberg appelliert weiter dringend an alle Menschen im Stadtgebiet: „Bitte begeben Sie sich nicht selbst in Gefahr. Seien Sie achtsam in Ihrer Nachbarschaft – sollten Sie hilfelose Menschen in der Nachbarschaft nicht selber unterstützen können, verständigen Sie bitte die Feuerwehr unter 112.“

Erstmeldung, 15. Juli, 11.10 Uhr: Massiv betroffen vom Hochwasser sind die an der Röhr angrenzenden Unternehmen in Müschede. Ein weiterer Einsatzschwerpunkt hat sich im Ortsteil Oeventrop entwickelt: Die Dinscheder Brücke musste durch die Feuerwehr gesperrt werden.

Dinscheder Brücke bleibt gesperrt

Der Straßenbaulastträger Straßen.NRW wollte das Bauwerk am Morgen untersuchen, dies war jedoch aufgrund des immer noch starken Hochwassers nicht möglich. Die Brücke, die Oeventrop mit Dinschede (und Glösingen) verbindet, ist bereits seit Längerem teilgesperrt. Gutachter sollten nun prüfen, inwieweit das Hochwasser und darin treibende Baumstämme die Brückenpfeiler eventuell beschädigt haben. „Die Brücke bleibt vorerst bis kommenden Dienstag gesperrt“, wie Oscar Santos vom Landesbetrieb Straßenbau Nordrhein-Westfalen, Regionalniederlassung Sauerland-Hochstift, berichtet. Erst dann könne sich der Gutachter vor Ort ein Bild machen. Zumindest eine kleine gute Nachricht: Immerhin die Fußgängerbrücke wurde inzwischen wieder freigegeben.

Die Straße Altes Feld in Arnsberg ist auch am Morgen noch überschwemmt und gesperrt.

Markus Rüdel, Pressesprecher des Ruhrverbandes, berichtet auf Kurier-Nachfrage: „Am Pegel in Oeventrop haben wir Donnerstagmorgen um 8 Uhr einen Durchfluss von 215 Kubikmetern Wasser, sonst liegt dieser bei 15 Kubikmetern, das mittlere Hochwasser liegt bei 133 Kubikmetern.“ Für die Ruhr im Bereich Hattingen sagte Rüdel, dass es so ein Hochwasser seit den 60er Jahren nicht gegeben habe.

Flüchtlingsunterkunft und Ferienlager evakuiert

Aufgrund des steigenden Pegels der Ruhr mussten am Mittwochabend die Anwohner der Glösinger Straße, die Bewohner der Flüchtlingsunterkunft In den Oeren sowie rund 80 Ferienlager-Kinder aus der Schützenhalle evakuiert werden. Die Kinder stammten aus dem Ortsteil und konnten sicher und zeitnah nach Hause gebracht werden. Parallel koordinierte die Stadt Arnsberg ein Nachtlager für die Menschen, die vorerst nicht in ihre Häuser beziehungsweise Unterkunft zurückkehren konnten.

Große Teile im Hochsauerlandkreis waren stark durch die Wetterlage beeinträchtigt, sodass der Landrat um 20.38 Uhr Großschadenslage festgestellt und den Katastrophenalarm ausgerufen hat. Damit übernahm die Einsatzleitung des HSK die Gesamteinsatzleitung weiterer Einsätze.  Bis 21.30 Uhr wurde die Feuerwehr im gesamten Stadtgebiet zu 66 Einsatzstellen gerufen.  

Auch die die Stadt Arnsberg appellierte am Abend dringend an alle Menschen im Stadtgebiet, wenn möglich zu Hause zu bleiben.

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