Unternehmensverband Westfalen-Mitte stellt Konjunkturumfrage vor

Wirtschaftliche Lage ist aktuell stabil - das könnte sich 2019 jedoch ändern

Die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage stellten Egbert Neuhaus, Vorsitzender (li.), und Dr. Volker Verch, Geschäftsführer des Unternehmensverbandes Westfalen-Mitte am Freitag in Neheim vor. Foto: Rebecca Weber

Hochsauerland/Arnsberg. „Das Glas ist zurzeit voll. Es könnte allerdings sein, dass es nach diesem Jahr nur noch halb voll ist.“ Mit diesem Bild beschreibt Egbert Neuhaus, Vorsitzender des Unternehmensverbandes Westfalen-Mitte, die Ergebnisse der aktuellen Konjunkturumfrage 2018/19 für den heimischen Raum. Die wirtschaftliche Lage im Verbandsgebiet sei zwar aktuell stabil, viele Unternehmen rechnen jedoch durch sich abzeichnende Risiken wie den bevorstehenden Brexit und drohende Zölle der USA mit einer Verschlechterung.

Ein detaillierter Blick auf die Umfrage, an der sich weiter über ein Drittel der Mitgliedsunternehmen mit insgesamt über 50.000 Beschäftigten beteiligt hat, zeigt, dass die aktuelle Geschäftslage von mehr als 90 Prozent als gut oder befriedigend bewertet wird. Die Geschäftserwartungen für 2019 werden von 69 Prozent zwar als gleichbleibend eingeschätzt, jedoch auch von 21 Prozent als schlechter. „Dies ist ein signifikanter Wert“, ordnete Egbert Neuhaus ein. Ebenfalls 21 Prozent rechnen für 2019 mit einer Verschlechterung der Auftragslage im Inland. Hier nannte Neuhaus – auch mit Blick auf die zahlreichen Automobilzulieferer in der Region – unter anderem die CO2-Diskussion und die Grenzwerte die noch kommen könnte, als Gründe. Aber auch die Energiewende werfe immer mehr Fragen auf. 

"Das führt zu Verunsicherungen"

Rund ein Viertel der Umfrageteilnehmer geht außerdem von einer verschlechterten Auftragslage im Ausland aus. „Ursachen sind hier die nicht gerade rosige Situation in einigen europäischen Nachbarländern wie die unklare Situation in Großbritannien. Auch drohende Zölle aus den USA machen sich hier bemerkbar.“ Im Zusammenhang mit dem Brexit befürchten die heimischen Betriebe unter anderem erschwerte Transporte, Handelshemmnisse und mehr Bürokratie. „England ist für viele hier ein großer Markt, das führt zu Verunsicherungen“, so Neuhaus. Auch auf die Entwicklungen in den USA blicken die Betriebe kritisch: Verteuerung der Exporte, Rückgang der Nachfrage, Wettbewerbsnachteile für die EU sowie hoher Kostendruck auf die eigenen Produkte wurden hier als Risiken genannt. 

25 Prozent planen Neueinstellungen 

Die aktuelle Ertragslage schätzen knapp 90 Prozent als gut/befriedigend und nur 13 Prozent als schlecht ein. Dies waren in den Vorjahren noch 26 Prozent. Bei den Erwartungen rechnen 15 Prozent mit einer Verbesserung, aber auch 21 Prozent mit einer Verschlechterung. „Ein Schatten“ fällt laut Egbert Neuhaus derweil auf die Angaben zu geplanten Investitionen: 27 Prozent gaben an, 2019 weniger zu investieren. Dies sei mit dem Sorgengefühl und den Unsicherheiten, was in der Welt passiert, zu erklären. Sehr erfreuliche Zahlen zeigte die Umfrage hinsichtlich der Belegschaftsentwicklung der vergangenen sechs Monate: Bei 50 Prozent sind die Zahlen unverändert, 44 Prozent stellten neue Mitarbeiter ein. „Hier scheint sich ein neues Muster gefunden zu haben, die Belegschaft zu halten und aufzustocken“, freute sich der Vorsitzende. Ein Viertel der Betriebe plant auch 2019 Neueinstellungen. 

Fachkräfte werden gesucht

Ebenfalls 25 Prozent planen eine Aufstockung des Ausbildungsplatzangebots. „Einen so hohen Wert haben wir hier noch nicht gehabt“, hob Egbert Neuhaus hervor. „Hier zeigt sich aber, dass die Betriebe dringend Fachkräfte benötigen“, ordnete er ein. Seit vielen Jahren wurde der Fachkräftemangel bereits angekündigt, jetzt werden qualifizierte Mitarbeiter dringend gesucht, aber mitunter nur schwer gefunden. Teilweise würden die Betriebe dafür ihre Anforderungen auch herunterschrauben. Wichtig sei es außerdem, als Arbeitgeber attraktiv zu sein und über die Grenzen von Südwestfalen hinaus Werbung für den starken Industriestandort zu machen.

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