Milde Strafe nach spektakulärem Fund

Dreieinhalb Jahre Haft für Aufzucht von zweieinhalb Tonnen Marihuana 

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Die Handschellen bleiben: Der Angeklagte Mladen J. wurde zu drei Jahren und sechs Monaten Haft verurteilt.

Arnsberg/Sundern. Auch wenn die Mühlen des Gesetzes manchmal langsam mahlen; der Arm von Justitia ist lang und geduldig. Das hat auch der 46-jährige Mladen J. aus Zagreb in Kroatien am Freitagnachmittag nach sieben Stunden Verhandlung vor der Großen Kammer im Landgericht Arnsberg zu spüren bekommen. Das Urteil lautete: Drei Jahre und sechs Monate ohne Bewährung wegen Beihilfe zum unerlaubten Handeltreiben von Betäubungsmitteln in nicht geringer Menge.

Genauer gesagt ging es um die Beihilfe zur Aufzucht von fast 2,5 Tonnen Marihuana mit einem durchschnittlichen THC-Gehalt von elf Prozent. Angerechnet wurden dem verurteilten Straftäter sechs Monate aufgrund von Verfahrenswidrigkeiten (der nationale Haftbefehl wurde erst 2016 in einen internationalen Haftbefehl umgewandelt) sowie die achtmonatige Untersuchungshaft. 

Einer der wohl bundesweit spektakulärsten und auch größten Drogenfunde Deutschlands hat somit ein Ende gefunden. Vorgeschichte: Dem Drogenhändler wurde Verstoß gegen das Betäubungsmittelgesetz in nicht geringer Menge vorgeworfen. Es ging insgesamt um fast 2,5 Tonnen Marihuana, die in Sundern und anderen Ortschaften im Zeitraum von Ende 2003 bis August 2007 angebaut wurden. Im Einzelnen wurde der mutmaßliche Drahtzieher beschuldigt, sich einer Bande angeschlossen zu haben, die professionelle Indoor-Cannabis-Plantagen betreibt und das Marihuana anschließend gewinnbringend verkauft. 

Cannabis mit Verkaufswert von 6,5 Millionen Euro 

Im genannten Zeitraum wurde Mladen J. unterstellt, mit einer etwa zwölfköpfigen Bande eine Cannabis-Indoor-Plantage von Ende 2003 bis Mitte 2005 in Asslar, im April 2004 in Mainhausen-Zellhausen und im gleichen Zeitraum eine noch größere Plantage in Rodgau-Jügesheim (die größte bundesweit) aufgebaut und betrieben zu haben. Mladen J. wurde beschuldigt für die Installation der Lüftungsanlagen, der Lieferung und dem Setzen der Stecklinge sowie der Bewässerung und Ernte in zwölf Fällen mit zuständig gewesen zu sein. Des Weiteren wurde dem Angeklagten vorgeworfen, im August 2006 in Sundern-Hachen, in einem 3.500 Quadratmeter großen Gewerbeobjekt, die Lüftungsanlage installiert sowie beim Transport von Zubehör, dem Setzen der Stecklinge und der Ernte mitgewirkt zu haben. Aufgedeckt wurde die Straftat in Sundern-Hachen durch den Einsatz der Feuerwehr im Zuge einer Überschwemmungshilfeaktion. Die Polizei konnte im August 2007 beziffert 154,2 Kilogramm abgeerntetes und in 29 Müllsäcken verpacktes Marihuana sicherstellen. Insgesamt wurden in Asslar 600 Kilogramm Marihuana, in Mainhausen 390 Kilogramm, in Rodgau 1.150 Kilogramm sowie in Sundern 300 Kilogramm gefunden. Der Verkaufswert belief sich auf 6,5 Millionen Euro Gesamterlös. 

Anklage als führendes Mitglied einer Marihuana-Bande

Laut Anklage galt der Beschuldigte als führendes Mitglied der Marihuana-Bande. Nach dem Aufdecken der Straftaten befand sich Mladen J. wieder bei seiner Familie in Kroatien. Der Vater von drei Kindern war laut eigener Aussage in den vergangenen Jahren während der Aufzucht der vier Cannabisplantagen immer nur für ein bis zwei Wochen, höchstens aber sechs bis sieben Wochen in Deutschland, übernachtete in einem Nebenraum der Halle. Für seine Tätigkeiten im Zeitraum von zehn bis fünzehn Tagen wurde er mit 1.000 bis 1.200 Euro honoriert, teilweise wurden ihm die Reisekosten erstattet. Insgesamt verbrachte der Angeklagte 30 Wochen von 2003 bis 2007 in Deutschland. Nach Ausstellung des internationalen Haftbefehls wurde Mladen J. schließlich in Zagreb festgenommen, nach 30-tägiger U-Haft in Kroatien nach Deutschland überführt und in Hamm inhaftiert. 

Angeklagter als schuldfähig eingestuft 

Am zweiten Prozesstag vor dem Arnsberger Landgericht – alle anderen Bandenmitglieder wurden bereits vor Jahren verurteilt – wurde der Angeklagte nunmehr als schuldfähig befunden. Trotz psychischer Probleme, Alkoholsucht, gelegentlichem Drogenkonsum, traumatischen Erlebnissen im Krieg und damit verbundenen posttraumatischen Störungen, verschiedenen Therapien und einer schmerzhaften Kindheit wurde er durch ein psychiatrisches Gutachten als normal gepflegt, altersgemäß aufgetreten und mit einem geordneten Gedankengang eingestuft. Seine seit 2008 depressiv verstärkten Phasen wurden laut Gutachten dem Druck aufzufliegen zugeschrieben. Staatsanwalt Lars Grothe forderte trotz Geständnis des Angeklagten fünf Jahre und sechs Monate ohne Bewährung. Er sah neben den zugegebenen Verstößen die Mitwirkung im Führungszirkel der Bande als erwiesen an. Rechtsanwalt Alois Kovac aus Offenbach am Main hingegen forderte aufgrund des langen Zeitraums der Verfahrenswidrigkeit, den manisch-depressiven Stimmungen, der schlimmen Kindheit, dem Druck der letzten Jahre sowie der Verletzung der Menschenrechtskonvention nach Artikel 6 eine Bewährungsstrafe. 

Strafmildernde Faktoren im Urteil berücksichtigt

Nach ausgiebiger Prüfung der Rechtslage verurteilte die Große Kammer des Landgerichts Arnsberg den Angeklagen schließlich zu drei Jahren und sechs Monaten ohne Bewährung. Richter Teipel erläuterte das milde Urteil anlässlich zweier Gründe: Erstens der Sprachbarriere des Angeklagten und zweitens dem „kurzen“ Aufenthalt des Angeklagten während der Aufzucht der Plantagen. Somit wurde er nicht als Bandenmitglied sondern nur als Mittäter eingestuft, der an der Installation der Lüftungsanlagen, der Aufzucht von Stecklingen und der Ernte beteiligt war. Laut Urteil vom 23. Juni wurden Mladen J. zusätzlich seine Depressionen, die rechtsstaatliche Verfahrenswidrigkeit und sein tadelloses Führungszeugnis vor sowie nach den Straftaten strafmildernd zugute gehalten.

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